1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Gülle-Entsorgung in der Schutzzone

Wermelskirchen : Gülle-Entsorgung in der Schutzzone

Unglaubliche Berichte hörten die Mitglieder auf auf der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft Sengbach-Talsperre.

"Das ist nicht richtig und ich möchte eine Antwort haben", empörte sich Erhard Scheidler. Der Kassenprüfer des Vereins IG Sengbach berichtete auf der Jahreshauptversammlung von Gülle-Ausbringungen im Bereich Oberwinkelhausen. "Das hat nichts mit düngen zu tun, das ist eine Entsorgung", ist Scheidler sicher. "Der Boden ist schwarz, da ist nicht mehr zu erkennen, was da eigentlich wächst."

Jeder Anwohner musste mit einer Kanal-Dichtigkeitsprüfung nachweisen, dass nichts aus dem Kanal entweiche. "Da werden -zig Tonnen Gülle auf den Flächen aufgebracht, ganz nah an der Talsperre", sagte Scheidler. Und auch Heinz Köhler, Vorsitzender der IG Sengbach, hatte ein Beispiel. "Ein Landwirt hat mir bestätigt, dass er trotz Strafe ein gutes Geschäft mit der Entsorgung von holländischer Gülle macht." Rechtsanwalt Bernhard Schulte intervenierte: "Das mag falsch sein, ist aber nicht die Aufgabe des Vereins. Die IG Sengbach vertritt die Interessen der Mitglieder, die in der Wasserschutzzone leben. Wenn wir uns damit beschäftigen wollen, brauchen wir eine Satzungsänderung." Ratsmitglied Friedel Burghoff machte den Vorschlag, zusammen mit Bürgermeister Rainer Bleek und Rechtsanwalt Schulte die Gülle-Lieferungen zu prüfen.

  • Auf dem Campus des Unternehmens bekamen
    Impfaktion bei Wermelskirchener Unternehmen : Tente-Rollen lässt Mitarbeiter impfen
  • Thorsten Legat und Ehefrau Alexandra sind
    Wermelskirchener Promipaar auf Sat.1 : Wie die Legats zu Handwerksmeistern wurden
  • Jasmin Dorner (30) ist Kulturmanagerin für
    Neue Kulturmanagerin in Wermelskirchen : Jasmin Dorner wünscht sich Kultur für alle

30 Mitglieder der IG Sengbach waren zur Jahreshauptversammlung erschienen. "Aktuell haben wir ungefähr 220 Mitglieder, es waren mal über 400", sagte Kassierer Horst Weiden. Bei einem Jahresbeitrag von unverändert zehn Euro unverständlich. Jedes Mitglied hat damit einen Zugang auf kostenlose Beratung. "Vielleicht ist es ein Generationswechsel", vermutete der Vorsitzende Köhler.

Rechtsanwalt Schulte berichtete über neue Verordnungen. "Gülle gilt als Wirtschaftsgut. In Zone 3 reicht die Anmeldung, in Zone 2 benötigt man eine Genehmigung. Nach der Unteren Wasserbehörde ist die Gülleaufbringung erlaubt." Eine Kontrolle vor Ort findet nicht statt. "Wo kein Kläger, da kein Richter", sagte Schulte.

Nach der neuen Schutzordnung ist eine Gewerbeansiedlung am sogenannten Autobahnohr im Bereich Bollinghausen möglich. Der Bereich wurde an eine Firma aus Remscheid verkauft, die Erschließung soll noch in diesem Jahr beginnen. Der Ausbau im Bereich Shell-Tankstelle (Richtung Hünger / Autobahn-Auffahrt Köln) mit Kreisverkehr und Ansiedlung von "Burger King" lässt immer noch auf sich warten, berichtete Schulte.

Nach dem Kassenbericht wurde der Vorstand entlastet und die Neuwahlen waren einfach. Der gesamte Vorstand, die Beisitzer und der erweiterte Vorstand, wurden einstimmig im Amt bestätigt.

"Trinkwasser ist das wichtigste Gut", sagte Köhler abschließend. Er warb für die Mitgliedschaft in der IG Sengbach. "Nur ein paar Stunden pro Jahr sollten doch drin sein".

(RP)