Grundschüler führen "Herr der Diebe" auf.

Wermelskirchener Grundschüler werden Musical-Stars: Wenn Musiklehrer an ihre Schüler glauben

Die Jungen und Mädchen der Gemeinschaftsgrundschule „Am Haiderbach“ begeisterten mit ihrer Musicalaufführung.

Es ist stockdunkel im Gemeindehaus Hünger. Irgendwo ist ein leises Tuscheln zu hören, dann werden zwei schwache rote und grüne Scheinwerfer eingeschaltet und Elias Brodehl erscheint im Lichtkegel. Als die Saaltüren aufgehen und die Schüler aus Hünger und Tente neben den Stuhlreihen Aufstellung beziehen, schlägt Musiklehrer Jonas Debowy die ersten Tastentöne an. Elias Brodehl auf der Bühne blickt kurz zu seinem Lehrer und dann stimmt er sein Solo an. Ganz alleine. Es ist seine Stimme, die zu den Klaviertönen durch den Saal klingt. „Wovon träumst du?“ fragt der Junge und scheint die Menschen im Publikum anzusprechen. Der große Chor wispert ein berührendes Echo in den Saal. Und Elias Brodehl singt. Er singt, als habe er nie etwas anderes getan. Als würden die Besucher in den vollen Stuhlreihen gar nicht existieren. Der Junge erweckt beim Zuschauer jenen Eindruck, der sich im Laufe des Nachmittags verfestigen wird: Wenn ein Musiklehrer an seine Schüler glaubt, dann ist alles möglich.

Die Zweit-, Dritt- und Viertklässler der Gemeinschaftsgrundschule „Am Haiderbach“, die in Hünger und in Tente einen Standort hat, wagen etwas. Offenbar hat sie die Arbeit in der Musik-AG, die vor einem Jahr begonnen hat und mit der großen Musicalaufführung am Donnerstagnachmittag gekrönt wird, mutig gemacht. Denn immer wieder greifen die Kinder zum Mikrofon und zeigen hinreißende Soloauftritte. Daneben begeistert ein großer Chor von Schülern, der sich immer mal wieder verändert, weil Jungen und Mädchen die Gruppe verlassen, um ihre Rolle auf der Bühne zu spielen.

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Auf dem Programm steht Cornelia Funkes Geschichte vom „Herrn der Diebe“. Und weil für ein Musical noch ein paar Melodien fehlten, schrieb Musiklehrer Jonas Dubowy einige Stücke kurzerhand selbst. Zusammen mit Monika Schäffer und fast 50 Grundschulkindern zaubert er ein Unikat. Gemeinsam erzählen die Jungen und Mädchen die Geschichte von den Brüdern Prosper und Bo, die nach dem Tod ihrer Mutter nach Venedig fliehen und sich einer Gruppe Waisenkindern anschließen. Während sich ein Detektiv an ihre Fersen heftet, treffen sie in der Lagunenstadt auf Scipio, den Sohn reicher Eltern, der vom Erwachsensein träumt. Sie begegnen dem Ganoven Barbarossa und kommen schließlich dem Geheimnis um das „Karussell der barmherzigen Schwestern“ auf die Spur, das es Erwachsenen möglich macht, wieder Kind zu sein – und Kinder in Erwachsene verwandelt.

Und die Uraufführung stellt nicht nur berührende Fragen den Träumen von Kindern und Erwachsenen, sondern offenbart auch manch ein Talent – ob im Schauspiel oder im Gesang. Noreen Walker schlüpft in die Rolle des Jungen Scipio und bleibt ein bisschen schüchtern – bis sie zum Mikrofon greift. Mit kraftvoller Stimme, den Blick auf ihren Musiklehrer gerichtet, legt sie sich richtig ins Zeug. Der Chor stimmt ein und gemeinsam zeigen die Kinder, wie gut sie zusammen klingen. Währenddessen spielt sich Lena Flemming als Barbarossa mit so einer offensichtlichen Freude durch das Stück, das die Zuschauer sich fröhlich in ihren Stühlen zurücklehnen. Manchmal hakt die Akustik ein bisschen, manchmal sind die Kinder nicht richtig zu verstehen. Aber das spielt am Ende keine Rolle mehr. Als die letzten starken Klaviertöne verklingen, Jonas Dubowy stolz zu dem großen Chor blickt, der sich inzwischen den Weg auf die Bühne gesucht hat, schallt begeisterter Applaus aus dem Saal. Stehende Ovationen für ein Gesamtkunstwerk.