Wermelskirchen: Grob verkehrswidriges Verhalten nicht beweisbar

Wermelskirchen: Grob verkehrswidriges Verhalten nicht beweisbar

Der Fahrer (83) des Autos und seine Ehefrau und Beifahrerin (75) wirkten immer noch geschockt. Sie waren die Zeugen der Anklage der Staatsanwaltschaft gegen einen 62-jährigen Mann. Er soll im September auf der A1 kurz vor Wermelskirchen nach Passieren einer Baustelle grob verkehrswidrig falsch überholt haben.

Er soll dabei das Auto des Ehepaares so dicht auf der linken Spur nach links in Richtung der mittleren Leitplanke gedrängt haben, dass der überraschte 83-Jährige nur durch eine beherzte Vollbremsung einen Zusammenprall vermeiden konnte.

Der Angeklagte hatte an den Vorfall keinerlei Erinnerung. Dafür aber die beiden Zeugen, die auch die Anzeige erstattet hatten. Direkt vor der Einfahrt in die Baustelle bei der Verminderung von drei auf zwei Fahrspuren habe der Angeklagte noch unmittelbar vor ihrem Auto eingeschert, sagte das Paar aus. Hinter der Baustelle - das Auto der Zeugen befand sich bereits wieder auf der äußersten linken Spur - habe dann plötzlich der Wagen des Angeklagten schräg von der rechten Fahrspur kommend quer über die Fahrbahn vor ihnen in die linke gewechselt und dabei beinahe ihr Auto touchiert. Allerdings konnten beide Zeugen nicht erklären, wann der Angeklagte wieder auf die rechte Spur gelangt sei. Der Fahrer hatte überhaupt nicht registriert, dass der Wagen des 62-Jährigen die Spuren gewechselt hatte. "Das hat meine Frau gesehen", sagte er. "Der andere war ziemlich dicht neben uns", konnte seine Frau dazu allerdings nur sagen. Sie sei ja Beifahrerin gewesen und habe nicht so sehr auf den Verkehr geachtet. Die Frage des Richters, ob sie den Fahrer des gegnerischen Autos auf der A1 erkannt habe, verneinte sie. "Aber hier im Gerichtssaal erkenne ich ihn", bekräftigte sie. "Woran, wenn sie ihn doch zur Tatzeit nicht identifiziert haben?", wollte der Richter wissen. "An seinem Nacken", sagte die Zeugin überzeugt. Er habe dort keine Haare mehr. Verhaltenes Schmunzeln im Gerichtssaal. Der Richter schloss die Beweisführung. Danach bezeichnete er die Zeugenaussagen als "dürftig". "Hätten Sie die polizeiliche Vernehmung nicht unterschrieben, wäre ein Freispruch möglich gewesen, da die Zeugen Sie nicht zweifelsfrei erkannt haben", sagte er zum Angeklagten. Deswegen schlage er mit Zustimmung des Staatsanwaltes eine Einstellung des Verfahrens wegen "Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit" ohne Auflage vor. Alle Beteiligten stimmten zu. Der Angeklagte bleibt damit straffrei.

(bege)