Grippewelle 2018 sorgt für Ausnahmezustand in Wermelskirchen

Wermelskirchen: Grippewelle sorgt für Ausnahmezustand

Volle Praxen, keine freien Betten und knappe Dienstpläne: Die Influenza hat auch die Wermelskirchener voll im Griff. Viel frische Luft und Bewegung können das Immunsystem stärken. Ein Wundermittel bei Grippe gibt es übrigens nicht.

An eine vergleichbare Grippewelle kann sich Dr. Tobias Hopff aus Dabringhausen nicht erinnern. "Das ist historisch", sagt der neue Obmann der Ärzte in Wermelskirchen. Seit Wochen herrscht in heimischen Hausarztpraxen Hochbetrieb. "Die Menschen stehen Schlange", sagt Dr. Hopff. Und der Virus sei hartnäckig. "Viele Patienten sind zehn oder auch 15 Tage lang krank", sagt der Hausarzt. Vor zwei Wochen habe die Kurve ihren Höhepunkt erreicht. Nun würden die Zahlen langsam zurückgehen.

Das kann Alexander Schiele, Pressesprecher beim Rheinisch-Bergischen Kreis, noch nicht bestätigen. Jede Woche melden ausgewählte Praxen im Kreis ihre Grippefälle nach Bergisch Gladbach. "So sehen wir natürlich nur einen Ausschnitt", sagt Schiele. Der diene aber als Anhaltspunkt. Meldeten die Referenzpraxen in der siebten Kalenderwoche noch 25 Grippefälle, waren es eine Woche später schon 60 gemeldete Patienten. In der vergangenen Woche erreichten den Kreis 63 Meldungen. "Wir stagnieren also auf einem hohen Niveau", sagt Schiele. Im Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden im Januar und Februar insgesamt nur neun Fälle gemeldet. "Tödlich ist bei uns im Kreis in diesem Jahr aber noch keiner der Grippefälle ausgegangen", sagt der Pressesprecher.

Meistens landen die Patienten aber beim Hausarzt. Plötzlich und heftig trete die Grippe auf und sei oft verbunden mit hohem Fieber, sagt Dr. Hopff - anders als grippale Infekte, die meistens mit Husten und Halsschmerzen beginnen. Als sich im Januar andeutete, dass die Grippewelle größer werde als in anderen Jahren, hätten sich viele Patienten noch impfen lassen. "Ich bin zum ersten Mal auch selbst geimpft worden", sagt Hopff, "mit Erfolg." Auch viele ältere Patienten, die sich für die Impfung entschieden hätten, seien verschont geblieben. Wer von der Grippe erwischt wurde, blieb für einige Tage ans Bett gefesselt. "Bettruhe ist wichtig, dazu vielleicht ein fiebersenkendes Mittel", sagt Hopf, "viel mehr kann man nicht tun."

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Das weiß auch Apothekerin Ursula Buhlmann, die in den vergangenen Wochen wegen Erkrankungen von Mitarbeitern auch selbst den Dienstplan immer mal wieder umstellen musste. "Wir können nur die Symptome behandeln", sagt sie. Das gilt für den grippalen Infekt genauso wie für die Influenza. Medikamente seien für beide Fälle in den vergangenen Wochen deutlich vermehrt nachgefragt worden. "Aber unser Job ist im Winter immer aufwendiger als sonst", sagt sie. Engpässe bei Arzneimitteln gebe es nicht. Manchmal seien in diesen Tagen Mittel spezieller Anbieter vergriffen. "Aber dann geben wir ein Mittel mit gleichem Wirkstoff von einem anderen Hersteller aus", sagt die Apothekerin, "die Versorgung ist gesichert."

Das gilt auch für das Wermelskirchener Krankenhaus. "Wir sind voll ausgelastet", berichtet Dr. Volker Launhardt, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin. Vor allem ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen könnten die Grippe häufig nicht so einfach wegstecken. "Sie kommen dann mit sehr hohem Fieber und völlig kraftlos ins Krankenhaus", sagt der Arzt. Das seien in diesem Jahr deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr, aber dafür sei der Schweregrad der Grippe nicht so hoch wie 2017. Im Krankenhaus führt die Grippewelle zur Vollauslastung. "Die Behandlungsqualität ist aber gesichert", sagt Dr. Launhardt, "es kann nur hin und wieder zu Komforteinbußen kommen." Die Bettenzahl in den Zimmern wird dann aufgestockt, um Influenza-Patienten isoliert unterbringen zu können. "Das bedeutet natürlich auch für die Mitarbeiter eine enorme Belastung", sagt der Arzt, "alle arbeiten im Moment unter Hochdruck". Hinzu komme, dass viele Mitarbeiter selbst an der Grippe erkrankt seien.

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(resa)