Serie Mein Arbeitsplatz: Goldschmiedin mit Gefühl und viel Ruhe

Serie Mein Arbeitsplatz: Goldschmiedin mit Gefühl und viel Ruhe

Bettina Prager fing schon als Jugendliche Feuer für ihr Handwerk. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie als Goldschmiedin - seit fast 20 Jahren für Achim Koch. Und bei ihm darf sich die 63-Jährige auch gerne mal selbst künstlerisch austoben.

Wermelskirchen Hammer, Säge, Bohrer: Was andere am Werkzeuggürtel tragen, steht bei Bettina Prager in kleinem Format in winzigen Vorrichtungen auf ihrer Werkbank. Mit den kleinen Bohraufsätzen vollendet sie edle Verschlüsse, mit der Säge trennt sie Silberplatten in schmale Streifen, und mit dem Hammer sorgt sie dafür, dass Edelmetalle die richtige Form für das nächste Schmuckstück erhalten.

Stundenlang vertieft sich die 63-Jährige in die Arbeit mit ihren Werkzeugen, mit der Lupe, mit Gold, Silber und Edelsteinen. Bettina Prager ist Goldschmiedin - und am wohlsten fühlt sie sich an ihrer "Bank".

"Ich bin ein ruhiger Typ", erzählt die Wermelskirchenerin, "die Arbeit kommt meinem Wesen entgegen." Keine Kette ist ihr zu feingliedrig, kein Stein zu kantig, keine Fassung zu klein. Sie behält die Ruhe und mag die Herausforderung. "Reparaturen und eigene Werke: Ich mache beides gleich gerne", sagt sie und nimmt an ihrem Arbeitsplatz in der Werkstatt von Goldschmiedemeister Achim Koch Platz. Kettchen löte sie im Schlaf. Aber sie entwirft auch eigenen Schmuck, wählt und bearbeitet Materialien und schafft so Kunstwerke.

Regelmäßig bietet die Goldschmiede Kurse für Brautpaare an, die ihre Eheringe selbst herstellen. "Die Menschen sind immer ganz überrascht, wie viele Schritte notwendig sind, um ein Schmuckstück zu fertigen", sagt die Goldschmiedin. Gerade arbeitet sie an einem schmucken Verschluss für eine Kette. "Die Arbeit mit Silber ist aufwendiger als mit anderen Materialien", erzählt sie. Aus dem Silberblech sägt sie Streifen für Streifen und walzt das Edelmetall, damit es immer dünner wird. Dann kommen Mikrobrenner und Löt-Asche ins Spiel, das Edelmetall wird in Form gebracht. "Und dabei verliert es seinen Glanz", erklärt Bettina Prager. Das Silber oxidiert. Also muss es gebeizt werden, danach im Werkstattraum gereinigt und klar gekratzt.

Bettina Prager bleibt in Bewegung: löten, beizen, kratzen. "Der Glamour kommt zum Schluss", ergänzt sie. Und dann würde sich dieses Strahlen oft in den Augen der Kunden spiegeln, die alte Steine der Großeltern, Schmuckstücke, die über Generationen weitergegeben wurden, in die Goldschmiede gebracht haben, um etwas Neues entstehen zu lassen. "Dann hat Schmuck viel mit Gefühlen und Erinnerungen zu tun", sagt Bettina Prager. Wenn sie sich an jene Schmuckstücke erinnert, die sie für ihre Mutter fertigte, dann geht es ihr genauso. Dann erhalten Steine und Edelmetalle Bedeutung.

Das ahnte Bettina Prager schon damals als Jugendliche, als sie ihr Faible für Schmuck entdeckte. "Ich wusste sehr früh, dass ich Goldschmiedin werden will", sagt sie. Gedacht, getan. Sie bewarb sich in Remscheid für die Lehre, wurde angenommen und blieb ihrem Handwerk treu. Seit dem hat sie viel gesehen und gefertigt. "Manches kommt nach Jahren wieder", sagt sie. Das gilt für Krappenfassungen oder für Gelbgold. Allerdings vollziehe sich dieser Wandel der Mode beim Schmuck langsamer als bei Kleidung. Immer mal wieder bekommt Bettina Prager bei Achim Koch auch die Möglichkeit, sich künstlerisch auszutoben. Dann nehmen der Chef und seine Mitarbeiterin das Materiallager unter die Lupe und räumen auf. "Das macht mir richtig Spaß", sagt Bettina Prager, "die Faszination ist seit damals geblieben."

(resa)