„Goldene Momente“ im Haus Eifgen

Umfrage zum Kulturprojekt Haus Eifgen : „Goldene Momente“ im Haus Eifgen

Die Kulturinitiative Wermelskirchen hat das Haus Eifgen innerhalb von zweieinhalb Jahren zu einer Spielstätte vor allem für Live-Musik gemausert. Warum engagieren sich Ehrenamtliche für das Projekt?

In zweieinhalb Jahren ist es der Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) gelungen, auf ehrenamtlicher Basis das Haus Eifgen zu beleben und zu einer funktionierenden Kulturspielstätte zu mausern. Mehr noch: Durch die Gründung der Genossenschaft Haus Eifgen eG können die Aktiven die Traditionsimmobilie kaufen – die Genossenschaft (eG) ist dann formell Hausbesitzer und Vermieter, der an Kult-in-Wk zu dessen Vereinszweck vermietet. Dass Vorstände und Aufsichtsräte von Verein und eG an vorderster Front in der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen, liegt in der Natur des Amtes. Der Vorsitzende Michael Dierks erinnert immer wieder daran, dass die bisherigen Erfolge kein Grund zum Ausruhen sind: „Was wir erreicht haben, muss im Bewusstsein bleiben. Wir können uns zwar jetzt den Kauf des Hauses leisten, aber danach sind ja monatlich 3000 Euro nicht nichts.“

Damit meint Dierks die Gesamtkosten, die der Verein zu tragen hat. Darin enthalten ist die Abtragung der Hypothek, mit der 50 Prozent des Kaufpreises (insgesamt: 225.000 Euro) finanziert werden. Unsere Redaktion hat bei denen nachgefragt, die sich in „zweiter Reihe“ für die Spielstätte engagieren – ehrenamtlich die Technik betreuen, Getränke ausgeben oder an der Abendkasse sitzen.

Bernd Drenge. Foto: Stephan Singer

Adrian Kunitz (44 Jahre, Kaufmann) spielt selbst Gitarre und kümmert sich im Haus Eifgen um den Auf- und Abbau von Bühnentechnik sowie deren Betreuung während der Veranstaltungen: „Ich setze mich ein, um die Kultur in Wermelskirchen voran zu bringen – für mich geht es dabei gerade um die Musik. Ich möchte, dass es hier vor Ort für alle ein vielfältiges Angebot gibt, aus dem jeder nach Geschmack und Laune schöpfen kann.“

Kai Langenkamp. Foto: Stephan Singer

Ralf Felder (60 Jahre, Elektroniker) hilft im Haus Eifgen, wo ein „Pack-an“ benötigt wird, kümmert sich um den Getränkeausschank an der Theke: „Es geht um die Stadt, in der ich lebe – ich bin Wermelskirchener und möchte mich hier auch einbringen. Ich will die Stadt beleben und attraktiver machen. Das Geschehen im Haus Eifgen rund um den Verein wächst und gedeiht und das ist schön zu sehen. Obendrein haben wir im Haus Eifgen eine Super-Gemeinschaft mit den Leuten.“
Christian Mannheim (52 Jahre, Handwerksmeister Sanitär/Heizung) ist genau wie sein ehrenamtlicher Kollege   Ralf Felder bei Veranstaltungen an der Theke anzutreffen, wo er Getränke an die Besucher ausschenkt: „Ich bin Vereinsmitglied geworden, weil ich vorher schon häufiger Gast war. Viele andere Mitglieder kannte ich da bereits schon und halte diese für fähig, das Vorhaben zu stemmen. Ich bin dabei, um diese Sache zu unterstützen, denn Kult-in-Wk ist richtig und wichtig. Immer nur nörgeln, dass in Wermelskirchen nichts los sei, ist falsch. Da muss man auch etwas für tun. Mich motivieren die meisten Mitglieder und Besucher, die gute Musik und das Ziel, die Sache am Laufen zu halten.“
Sabine Pfeifer (53 Jahre, Diplom-Sportwissenschaftlerin, Referentin für Prävention sowie Individuelle und Betriebliche Gesundheitsförderung) gehört auch zum Team hinter der Theke, das die Besucher mit Getränken jeglicher Art   versorgt: „Direkt nach meinem ersten Konzertbesuch im Haus Eifgen im Oktober vergangenen Jahres habe ich gedacht, dass musst du unterstützen. So gute Live-Musik in Wermelskirchen und dazu noch in diesem wunderschönen Haus. Dazu die Vielseitigkeit der Musikrichtungen und die moderaten Preise. Toll, dass das in Wermelskirchen angeboten wird – das ist eine hervorragende Ergänzung zu den bereits vorhandenen kulturellen Aktivitäten. Der Verein benötigt viele helfende Hände. Den ‚Genossenschaftsgedanken‘ in einer Zeit des Individualismus empfinde ich als gelungenen Kontrast. Gemeinsam etwas schaffen und gemeinsam Zeichen setzen gegen einen  drohenden  Werteverlust in  der Gesellschaft, begeistert mich.“

Sabine Pfeifer. Foto: Stephan Singer

Bernd Drenge (59 Jahre, CAD-Konstrukteur) steht im Haus Eifgen häufig an der Abendkasse, verkauft Tickets, kontrolliert Eintrittskarten und muss auch schon mal den Unmut von spontanen Besuchern ertragen, wenn er denen mitteilen muss, dass die aktuelle Veranstaltung inzwischen ausverkauft ist: „Ich liebe Live-Musik – es gibt nichts Besseres, um Musiker und ihre Kunst kennenzulernen. Um dieses Erlebnis möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, arbeite ich im Haus Eifgen mit. Ich habe in zweieinhalb Jahren bestimmt 160 gute Konzerte erlebt und das macht Spaß.“

Adrian Kunitz. Foto: Stephan Singer
Christian Mannheim. Foto: Stephan Singer
Sabine Pfeifer. Foto: Stephan Singer

Kai Langenkamp (47 Jahre, Konstrukteur): „Ich bin ein großer Fan von Livemusik in vielen Musikrichtungen von Jazz bis Metal. Die Mitarbeit bei Kult-in-Wk ermöglicht es mir, als musikalischer Taugenichts trotzdem an dieser Kultur mitzuarbeiten, in dem man den Rahmen schafft, dass Künstler ihr Talent mit großem oder kleinem, aber stets begeistertem Publikum teilen. Ich mag diese ‚goldenen‘ Momente, wenn eine Band anfängt zu spielen und das ganze Haus Feuer fängt. Dafür muss man nicht nach New Orleans... Im Eifgen gibt es eine Gemeinschaft von offenen und netten Menschen, die Neuzugänge wie mich gern in die bestehenden Strukturen integrieren. Ich bin gespannt, wie die Initiative  mit ihrem Clubhaus wächst.“

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