Gericht Wermelskirchen: Geldstrafe für Trunkenheitsfahrt auf Autobahn

Amtsgericht Wermelskirchen : Schlangenlinie auf der Autobahn – Geldstrafe für Trunkenheitsfahrt

Bei diesem Verfahren war der Angeklagte nicht der Hauptdarsteller. Stattdessen gerieten Richter, Anwalt und eine Zeugin mit heftigen Worten aneinander.

Zu einer Farce wäre es bald vor dem Amtsgericht gekommen. Der Angeklagte musste sich wegen des Vorwurfs der zweifachen Trunkenheitsfahrt verantworten. Ende März 2018 war der junge Mann, der mit mehreren Freunden in einem Mercedes unterwegs war, auf der A 1 von Burscheid nach Wermelskirchen einer Frau (63) aufgefallen. „Er fuhr langsam hinter einem Lkw her, dabei aber auch immer wieder in Schlangenlinien – und zudem scherte er ohne zu blinken und ganz unvermittelt auf die anderen Spuren aus“, schilderte die zierliche Frau.

Als der Mercedes schließlich, ebenso unerwartet und gefährlich für die restlichen Verkehrsteilnehmer, mit hoher Geschwindigkeit die Ausfahrt Wermelskirchen nahm, beschloss die 63-Jährige hinterherzufahren. „Leider hatte ich mein Handy nicht mit, um die Polizei zu rufen“, sagte die Zeugin. Also habe sie eine junge Frau angesprochen, der die ungewöhnliche Fahrweise ebenfalls aufgefallen war. „Der bretterte quer über den Platz und stellte den Wagen quer über mehrere Parkplätze ab“, sagte die 26-jährige Hückeswagenerin, die den Angeklagten zudem mehrfach und eindeutig als den Fahrer identifizierte.

Der Anwalt versuchte mehrfach, die Zeugen festzunageln, ob sein Mandant tatsächlich der seinerzeit beobachtete Fahrer sei. Er sehe anders aus, trage etwa eine Brille. Sie sei sich aber sehr sicher, antwortete die 63-Jährige. Dem Anwalt wohl etwas zu ausführlich. „Sagen Sie bitte ja oder nein und ansonsten halten Sie den Mund“, sagte er. Worauf der Richter ihn in aller Deutlichkeit und mit lauter Stimme ermahnte, auf seine Wortwahl zu achten. „Sie werden also laut und ich darf das nicht“, murmelte der Anwalt daraufhin. „Ich spreche laut, damit mich alle verstehen – und ich achte auf meine Worte“, antwortete der Richter. Schließlich stellte der Anwalt des 27-Jährigen, der bis dahin noch kein einziges Wort gesagt hatte, den Antrag, seien Mandanten freizusprechen und das Verfahren einzustellen. Wegen eines Formfehlers in der Anklageschrift. Daraufhin unterbrach der Richter für eine halbe Stunde, um die Gesetzestexte nachzulesen. Der Pause schloss sich eine Unterredung von Gericht, Staatsanwältin und Rechtsanwalt an.

Danach folgte eine Erklärung des Anwaltes im Namen seines Mandanten: „Wir räumen die Tatvorwürfe vollumfänglich ein.“ Der entschuldigte sich für sein Verhalten. Das nahm der Richter zum Anlass für deutliche Worte: „Ich bin mir nicht sicher, ob Ihnen die Tragweite Ihres Handelns bewusst ist. Ich habe schon zu oft die Auswirkungen von Trunkenheitsfahrten erleben müssen. Wir können froh sein, dass Sie hier nur wegen fahrlässiger Trunkenheit am Steuer stehen und nicht wegen eines Unfalls mit Todesfolge.“

Der Rechtsanwalt sagte nichts weiter, als das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin folgte und den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu 40 Euro sowie dem sechsmonatigen Entzug seiner Fahrerlaubnis verurteilte. Da er den Führerschein jedoch schon vor zehn Monaten abgeben hatte müssen, war dieser Teil der Strafe bereits getilgt.