Gemeindestraßen in Wermelskirchen sind marode

Wermelskirchen: Gemeindestraßen sind marode : Flickschusterei auf dem Land

Die Stadt hat die gröbsten Frostaufbrüche auf der Gemeindestraße nach Unterberg mit Kaltasphalt aufgefüllt. Eine Sanierung dieses Straßenstücke dürfte frühestens 2020 erfolgen. Die Anwohner sind mittlerweile genervt.

Die Anwohner der Hofschaften zwischen Stiegeleich und Unterberg haben sich anscheinend mit den sanierungsbedürftigen Straßen abgefunden. In diesem Jahr wird zwar noch ein weiteres Teilstück von Stiegeleich bis zur Kreuzung Unterberg/Großrostringhausen saniert. Aber das letzte Stück bis Unterweg wird auf die nächsten Jahre verschoben. Wann dort die Straße, die übersät ist mit Löchern und einer teilweise zerstörten Bankette, neu hergestellt wird, ist offen. Bis dahin geht die Flickschusterei weiter.

Die schlimmsten Löcher, berichtet Andreas Hülsenbeck bei einem Ortstermin in Unterberg, seien ausgebessert worden. Wie lange das halten werde, sei ungewiss. Denn landwirtschaftliche Fahrzeuge und Schwertransporter, die Futter zu einem Reitstall lieferten, würden die Stellen schnell wieder zerstören. Hülsenbusch unterstellt: Einen Tag vor Besuch eines Fernsehteams habe die Stadt reagiert. Tiefbauamtsleiter Harald Drescher hat für so eine Aussage nur ein Kopfschütteln übrig. „Da gibt es keinen Zusammenhang. Das scheint eher Zufall gewesen zu sein.“

Flickwerk: Die Straße zwischen Stiegeleich und Unterberg. Foto: Udo Teifel

Die Anwohner dieser Außenhofschaften leben seit Jahren mit der Flickschusterei. Geflickt werde seit Jahrzehnten, Tellergroße Löcher seien die Regel, eher seien sie größer.“ Und durch den Reiterhof in Unterberg seien auch viele schwere Autos, zum Teil mit Pferdeanhänger oder Transporter, unterwegs. Und zum Frühjahr seien dann die Flickstellen des Vorjahres wieder aufgebrochen. Mit Kaltasphalt werden die Löcher dann vom Bauhof aufgefüllt – bis zum nächsten Jahr.

Flickwerk Gemeindestraße zwischen Stiegeleich und Unterberg. Foto: Udo Teifel

Hatte die Stadtverwaltung im Gespräch mit dieser Zeitung noch vorsichtig vor zwei Monaten in Aussicht gestellt, vielleicht die Sanierung bis Unterberg durchzuziehen, winkte Drescher jetzt ab. „Wir bereiten jetzt erst die Ausschreibung für Stiegeleich bis Kreuzung vor. Das letzte Teilstück kommt definitiv nicht 2019, vielleicht 2020.“ Es fehle das Geld. „Wir hatten 2018 insgesamt 200.000 Euro für die Sanierung von Gemeindestraßen zur Verfügung, 2020 sind es 300.000 Euro. Wir können nur stückweise sanieren.“

Und so scheinen die Anwohner dieser Außenhofschaften sich damit abzufinden, dass Hilfe nicht zeitnah zu erwarten ist. So war es schon vor zehn Jahren, als die große Diskussion zur Abwasserentsorgung aufkam. Viele hatten feste Gruben oder Drei-Kammer-Gruben, aber in der Wasserschutzzone gelten hohe Auflagen. „Wir haben uns letztlich mit sieben Haushalten zusammengetan und einen eigenen Kanal bis Oberberg gelegt“, erzählt Hülsenbeck. Das sind etwa 1,5 bis zwei Kilometer. Bis Oberberg hatte die Stadt verlegt, bis Unterberg war ihr wohl zu teuer. „Wir hatten den Vorteil, dass alle Haushalte eigenes Land hatten, auf dem wir die Kanaltrasse gelegt haben. Die BEW hat sich dann gleich mit dem Gas beteiligt.“ Da habe jeder etwa 9000 Euro bezahlt.

Was sie überhaupt nicht wollen, ist eine provisorische Lösung wie vor etwa acht Jahren. „Da ist die Fahrbahn von Unterberg bis Stiegeleich zweimal gesplittet worden. Erst flüssiger Asphalt auf die Fahrbahn gesprüht, dann Splitt draufgestreut.“ Das einzige, was blieb, waren Teerflecken an den Autos. „Und die sind noch nicht mal mit Teerentferner weggegangen“, erzählt Hülsenbeck. Das Geld hätte sich die Stadt damals sparen können – „und uns heute eine vernünftige Asphaltdecke bezahlt“.

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