Wermelskirchen: Geiger entlocken Instrument unzählige Melodien

Wermelskirchen: Geiger entlocken Instrument unzählige Melodien

"Four Fiddlers" gastierten in der Villa Musica.

Bei Eltern und Musikschülern hat sie keinen guten Ruf. Bis der Bogen über die Saiten streicht und nicht mehr quietscht, vergehen viele mühsame Übungsstunden. Was dürfte also von vier Geigen auf einen Schlag zu erwarten sein? Als Ariane Böker, Daniel Marsch, Steffi Hölzle und Ecki Schwandke am Freitagabend die kleine Bühne in der Villa Musica betreten, ist kein einziger Stuhl im Publikum mehr frei. Die Geige erlebt ihr Comeback und den "Four Fiddlers" eilt ihr Ruf voraus. Von wegen schlechtes Image.

Mit dem ersten Ton, dem ersten energischen Streichen des Bogens springt der Funke über - erst einstimmig, dann brechen die Instrumente aus. Sofort berührt der Klang der Geigen und Bratschen. Und so ruft ein Zuhörer schon nach der ersten Melodie entzückt "Bravo". Das Tempo zieht an, die Bögen tanzen, das erste Juchzen gesellt sich dazu und das Publikum lacht fröhlich. Es wird zwei wesentliche Erkenntnisse an diesem Abend geben: Erstens, dass die Nähe von Publikum und Musikern in einem kleinen Konzertraum großen Spaß machen kann. Und zweitens, dass die Geige auf unzählige verschiedene Arten klingt. Die schwedischen Melodien malen Bilder von Mitsommernächten. Dazu singen die beiden Musikerinnen unverständliche, aber wundervolle schwedische Weisen. Dann wagen die "Four Fiddlers" den Sprung über den Atlantik, nehmen das Akkordeon hinzu und klingen wie Vaqueros in der mexikanischen Prärie. Ein Instrument - zwei völlig verschiedene Hörerlebnisse. Dazwischen mischt sich der "Entertainer", mal bekannte Melodien, dann völlig ungewohnte Klänge. Das Klavier stimmt mit ein, Ariane Böker entlockt ihrem Instrument die höchsten Töne, Steffi Hölzle erreicht ein unglaubliches Tempo mit dem Bogen.

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Schließlich landen die Musiker in Irland. Plötzlich klingen ihre Melodien nach Folk und gälischer Tradition, ein Fußschlag gesellt sich dazu, die Töne einer Flöte. Im nächsten Moment nehmen die vier Geigen ihre Zuhörer mit nach Ungarn und Rumänien, wo die Melodien zuweilen an Klezmermusik erinnern. Aber ganz egal, auf welchem Kontinent sich Musiker und Zuhörer gerade befinden: Die vier Streicher, von denen es jeder gewohnt ist, in einem Ensemble die erste Geige zu spielen, glänzen im Zusammenspiel. Beinahe ohne Noten, perfekt aufeinander eingespielt, begeistern sie das Publikum und sorgen für einen nachklingenden Abend.

(resa)