Gas- und Strompreise steigen in Wermelskirchen

Strom- und Gaspreise steigen: Die Energiewende hat ihren Preis

Strom und Gas werden teurer – mit den Lokalpreis-Angeboten der BEW als Zweijahresvertrag bekommen Kunden jedoch eine Preisgarantie. Obwohl Prognosen schwer sind, muss künftig mit höheren Preisen gerechnet werden.

Die Kunden der Bergischen Energie- und Wasser-GmbH (BEW) werden sich auf steigende Kosten bei Strom und Gas einrichten müssen. Dabei langt aber nicht die BEW kräftig zu, auch wenn die Preise leicht steigen. Die Energiewende treibt die Preise in die Höhe. „In den nächsten Jahren werden die Netzbetreiber immer mehr Kostenanteile in die Grundpreise kalkulieren, so dass Stromlieferanten wie die BEW auch sukzessive ihre Grundpreise anpassen müssen“, beschreibt Thomas Erbslöher die Hintergründe. Er ist Abteilungsleiter für Netz- und Abrechnungsservice bei der BEW.

Die Stromkosten eines Durchschnittshaushaltes mit vier Personen haben sich in den vergangenen 13 Jahren um rund 50 Prozent erhöht. Das ergibt sich aus dem Verbraucherpreisindex von Verivox, heißt es in einer Antwort der BEW zu einer Anfrage dieser Zeitung zu den neuen Lokalstrom- und -gaspreisen. „Auch bei der BEW wird der Strompreis teuer“, so BEW-Sprecherin Sonja Gerrath.

Foto: grafik

Im Mai 2018 hat die BEW ihren Kunden ein neues Angebot unterbreitet: einen Zweijahresvertrag für Strom und Gas. Die jeweiligen Verträge laufen vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2020 und werden unter „Lokalstrom“ und „Lokalgas“ geführt. Erbslöher: „Das bedeutet eine Preisgarantie über zwei Jahre.“ Damit seien die Kunden 24 Monate sicher vor Preissprüngen - davon ausgenommen sind die Netzentgelte und vom Gesetzgeber bedingte Preisbestandteile wie die Umlage zur Finanzierung der Energiewende.

Laut Erbslöher ist der Hauptgrund für das neue Angebot, bei dem der Preis über dem des bisherigen Zweijahresvertrages liegt, die Energiewende, „die vor allem dem Schutz unseres Klimas dient und uns unabhängiger macht von Energieimporten“. Dies kostet – und „wirkt sich auf die Verbraucherpreise auf“, so Erbslöher. Denn: Die Endkunden zahlen die Energiewende über Umlagen, die der Gesetzgeber zur Finanzierung der Energiewende von allen Energieverbrauchern mit dem Strompreis erhebt, sowie über die Netzentgelte.

Die Preisanhebung resultiert damit vor allem aus den geänderten Netzentgeltstrukturen. Erbslöher: „Diese führen wir an den zuständigen Netzbetreiber ab.“ Die Netzentgelte sind staatlich reguliert; sie müssen von den Regulierungsbehörden genehmigt werden. Deutschlandweit haben die Netzbetreiber ihre Grundpreise erhöht. „Auch der regionale Netzbetreiber hat den Grundpreis von 18 Euro netto jährlich auf mittlerweile 48 Euro netto angehoben“, erklärt Erbslöher. „In den nächsten Jahren werden Netzbetreiber immer mehr Kostenanteile in die Grundpreise kalkulieren, so dass Stromlieferanten wie die BEW auch sukzessive ihre Grundpreise anpassen müssen.“

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Es gebe aber noch einen Grund, warum die Netzentgelte weiter nach oben klettern werden, weiß der Abteilungsleiter. „Immer mehr Hausbesitzer installieren und betreiben Photovoltaikanlagen. Mit dem selbst produzierten Strom versorgen sie sich zunehmend selbst.“ Das heißt: Sie beziehen weniger Strom aus dem Netz, also von der BEW. „Das Netz und der Elektroanschluss zum Haus verursachen für den Netzbetreiber immer noch dieselben Kosten. Egal, ob der Kunde nun 35.000 Kilowattstunden oder nur 100 Kilowattstunden abnimmt.“ Laut Erbslöher sei aber der Grundpreis bei der BEW vergleichsweise günstig. „Viele Stromlieferanten haben doppelt so hohe Grundpreise.“

Und die Zukunft? „Nichts deutet darauf hin, dass der Strom günstiger wird, im Gegenteil. Bei Gas ist die Entwicklung uneinheitlich“, sagt Erbslöher. Wer den neuen Zweijahresvertrag abschließt, zahle laut BEW pro Monat rund sechs Euro mehr als bisher. „Diese Mehrkosten lassen sich durch einen effizienteren Umgang mit Energie ausgleichen“, so der Abteilungsleiter. „Wir beraten unsere Kunden, wie sie wirksam und nachhaltig Energie sparen können.“ Bei einem Gas-Jahresverbrauch von 18.000 kWh ändert sich der Preis um weniger als vier Euro pro Monat.

Und die Märkte? Laut Erbslöher sei sicher, dass die Iranpolitik der USA die Preise für Öl und Gas weltweit nach oben getrieben haben. Die politische Instabilität gebe Raum für Spekulation – „das wirkt sich meistens auch auf die Preisentwicklung an den Energiehandelsplätzen aus. Im Moment ist es sehr vorhersehbar, welche Ausschläge das in den nächsten Monaten haben wird“.

Die Entwicklung bei Strom bezeichnete Erbslöher als „aktuell unerfreulich“, seit Monaten gingen die Preise an den Handelsplätzen stetig nach oben. „Abhängig von der tatsächlichen Preisentwicklung können sich auch die zukünftigen Preise für Strom und Gas bei der BEW weiter verändern. Die Gaspreise sind zurzeit stabiler als die Strompreise, auch die die Beschaffungskosten zuletzt angestiegen sind. Dennoch sind Prognosen sehr schwer.“ Und dann gibt es noch die Grund- oder Basisversorgung – und zwar für Kunden, die keine Lokalverträge nutzen. Der Strompreis liegt etwa zehn Prozent höher, ebenso ist Gas teurer.

„Es gibt kaum noch Kunden, die sich in der Grundversorgung befinden; sie ist sozusagen nur die letzte Rückfallebene, wenn ein Kunde sich zu keinem Vertragsabschluss entschließen kann“, sagt Thomas Erbslöher.