Wermelskirchen Gartenparadies mit festen Regeln

Wermelskirchen · Die Kleingartenvereine starten in diesem Jahr verspätet in die Saison. Auch junge Leute interessieren sich inzwischen für Kleingärten. Kinder sind ausdrücklich erwünscht. Auf seinen Parzellen kann man sich nach dem Tagesstress erholen.

 Barbara und Peter Bätzold genießen in ihrer Freizeit nicht nur die Idylle ihres Kleingartens, sie organisieren auch das Vereinsgeschehen des KGV Mannesmannstraße.

Barbara und Peter Bätzold genießen in ihrer Freizeit nicht nur die Idylle ihres Kleingartens, sie organisieren auch das Vereinsgeschehen des KGV Mannesmannstraße.

Foto: Jürgen Moll

Hund Bruno muss sich erst einmal furchtbar aufregen und bellen. Aber das ist ja auch seine Aufgabe, wenn Besuch in die Gartenparzelle von Barbara und Peter Bätzold kommt. Die beiden haben sich in der Kleingartenanlage an der Mannesmannstraße ihr kleines Paradies eingerichtet. Barbara Bätzold ist die Vorsitzende des Kleingartenvereins (KGV) Mannesmannstraße. Ihr Mann Peter fungiert als Obmann.

Es gibt also nicht nur Garten-, sondern auch Vereinsarbeit. In der Satzung stehen ziemlich strenge Regeln. "Für Außenstehende oder für Interessenten ist das zunächst schwierig zu verstehen", sagt Barbara Bätzold. "Aber wie sollte es funktionieren, wenn es keine Regeln gäbe?"

Zunächst gibt es eine Aufteilung der Parzelle: je ein Drittel Nutzgarten, Ziergarten und für Bebauung. Ein Gartenhaus darf maximal 24 Quadratmeter Fläche haben, Satellitenschüsseln, Holz-, Öl- oder Gasheizungen sind verboten. Im Frühjahr und Herbst sind jeweils zweimal x drei Stunden Gemeinschaftsarbeit zu leisten. Obmann Peter Bätzold legt fest, was, wann, wo und wie gemacht werden muss.

Zum Beispiel Zaun- oder Wegeinstandsetzung. Wenn die Mitglieder nicht mitmachen, schlägt die Vereinssatzung wieder zu: 25 Euro pro nicht geleisteter Arbeitsstunde gehen dann in die Vereinskasse. Und warum ist das ein eingetragener Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit? "Weil die Gartenanlage während der Öffnungszeiten für alle Bürger zugänglich ist", sagt Bätzold. Alle Parzellen müssen einsehbar sein, niemand darf sich hinter hohen Hecken oder Zäunen verstecken. Es ist also wie eine große öffentliche Parkanlage. Nur mit dem Wachsen und Blühen will es in diesem Jahr noch nicht so richtig funktionieren. "Wir hinken ungefähr vier Wochen hinterher. Zu lange kalt und zu trocken. Es geht gerade erst richtig los", sagen die Gartenprofis.

Kleingartenanlagen haftet ja oft ein altmodisches und spießiges Image an. "Das mag es geben, aber für diesen Verein können wir das nicht bestätigen", ist die Antwort. "Wir leben hier sogar multikulti", sagen die beiden. Aus Russland, Polen und aus der Türkei kommen die Gartennutzer und sogar ein Afroamerikaner ist dabei. Auch junge Leute interessieren sich wieder für einen kleinen Garten und sogar Kinder sind ausdrücklich erwünscht. Wer sich an die Regeln hält, kann sich ein kleines Gartenparadies schaffen und eine nette Gemeinschaft erleben. "Komm, lass' und noch schnell die beiden Sträucher einpflanzen", sagt Peter Bätzold zu seiner Frau, "bevor es wieder anfängt zu regnen." Eine kleine heile Welt, versteckt zwischen Mannesmannstraße und Eickerberg. "Sehr zu empfehlen nach dem Stress des Tages", sagt Barbara Bätzold.

(wsb)
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