Wermelskirchen: Für und Wider eines neuen Feiertags

Wermelskirchen: Für und Wider eines neuen Feiertags

In einigen Bundesländern ist der 31. Oktober ein Feiertag oder soll es werden. Während sich dies heimische Theologen auch für NRW vorstellen können, warnt der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands vor wirtschaftlichen Verlusten.

Hamburg hat es Ende Februar getan. Schleswig-Holstein bereits eine Woche zuvor. Und Bremen und Niedersachsen könnten folgen. Mehrheitlich haben sich die Politiker in den norddeutschen Ländern für den 31. Oktober als gesetzlichen Feiertag entschieden - und machen es damit vielen ostdeutschen Ländern gleich. Die evangelische Kirche hatte im vergangenen Jahr den 500. Jahrestag des Thesenanschlags gefeiert, der Reformationstag war zu diesem besonderen Anlass bundesweit zum Feiertag deklariert worden. Das solle künftig in jedem Jahr gelten, wünschten sich viele norddeutsche Politiker - auch weil es im Norden bisher deutlich weniger Feiertage als etwa im Süden des Landes gibt.

Und wie stehen heimische Gemeinden und Wirtschaftsvertreter zu dieser Idee? "Ein gesetzlicher Feiertag würde uns als Gemeinden die Möglichkeit geben, nicht nur in Abendgottesdiensten an die Reformation zu erinnern", sagt Almuth Conrad, Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen, auf Nachfrage unserer Redaktion. Sie ahne allerdings, dass - wie an vielen anderen gesetzlichen Feiertagen mit christlichem Hintergrund auch - der Tag von vielen Menschen nicht unbedingt genutzt würde, um Veranstaltungen in der Gemeinde zu besuchen. Aber ein freier Reformationstag würde es möglich machen, neue Schwerpunkte zu setzen. "Wir könnten diesen Tag dann nutzen, um zu überlegen, wie wir weiter reformieren können und müssen", erklärt Almuth Conrad.

Ähnlich klingt die Einschätzung von Pfarrerin Elke Mielke aus Dabringhausen. "Es wäre ja nicht damit getan, einen gesetzlichen Feiertag aus dem 31. Oktober zu machen", erklärt sie, "wir müssten diesen Tag auch füllen." Das Verständnis für Anliegen der Reformation könne vertieft, die Begeisterung nach dem großen Jubiläumsjahr wachgehalten werden. "Allerdings bin ich nicht sicher, ob wir dafür einen neuen gesetzlichen Feiertag brauchen", sagt sie. Sie habe dieses Thema auch mit in den Seniorenkreis genommen. Dort hätten die Menschen auch Sorge um die ökumenische Gemeinschaft geäußert, sollte es einen neuen Feiertag geben. Da hat Almuth Conrad weniger Bedenken. "Für das Verhältnis zur katholischen Kirche würde das nichts ändern", sagt sie und bringt sogar gemeinsame Projekte ins Spiel. Vielleicht könne die Kombination des evangelischen Reformationstages und des katholischen Feiertags Allerheiligen am Tag danach sogar ökumenische Veranstaltungen ermöglichen und die Beziehung weiter stärken.

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Währenddessen bringt Pfarrer Reinald Rüsing aus Dhünn einen anderen Gedanken ein: "Ich würde mich eher dafür stark machen, dass der Buß- und Bettag wieder zum gesetzlichen Feiertag wird", erklärt der Theologe. Es könne nicht schaden, wenn es einen staatlichen Feiertag für die Fragen gebe: Was läuft schief? Was haben wir falsch gemacht? "Gerade mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen", sagt Rüsing. Dieser Feiertag würde dann alle Menschen betreffen. "Wir müssten ihm nur einen schickeren Namen geben, damit keiner an Bußgelder denkt", sagt der Pfarrer.

Eindeutig klingt die Warnung des Arbeitgeberverbandes Remscheid und Umgebung. "Ein weiterer gesetzlicher Feiertag würde nicht zu unserer Wettbewerbsfähigkeit beitragen", erklärt Geschäftsführer Markus von Dreusche, "jeder gesetzliche Feiertag kostet die Unternehmen viel Geld." Sie müssten dann Zuschläge für Feiertagsarbeit bezahlen. Und weil im Bergischen der Anteil der Lohnkosten relativ hoch sei, würden heimische Firmen von einem zusätzlichen Feiertag hart getroffen. "Wer den Laden schließt, muss mit einem Tag Produktionsausfall klarkommen", sagt von Dreusche, "das schwächt unsere Industrie." Es gebe in Deutschland schon deutlich mehr Feiertage als in den benachbarten Ländern, ergänzt er. Im Rheinland kämen noch die Karnevalstage hinzu. "Und der Reformationstag würde ja nicht einmal alle Bürger betreffen", sagt er, "sondern nur die Evangelischen." Die Aktion im vergangenen Jahr zum Reformations-Jubiläum sei in Ordnung gewesen, so von Dreusche. "Aber ein neuer gesetzlicher Feiertag muss nicht sein."

(resa)