Für seinen Job gibt es keine Blaupause

Pfarrgemeinde Wermelskirchen mit neuer Position : Für seinen Job gibt es keine Blaupause

Als Verwaltungsleiter ist Ralf Althoetmar zuständig für die Katholischen Kirchengemeinden in Wermelskirchen und Burscheid. Ab dem 1. Januar kommt Leichlingen hinzu. Die Position ist vollkommen neu eingeführt, damit sich die Pfarrer auf ihre originäre Seelsorger-Tätigkeit konzentrieren können.

Ralf Althoetmar, das „oe“ spricht sich wie beispielsweise bei „Soest“ wie „o“ aus, stellt die Katholischen Kirchengemeinden von Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen neu auf. Seitdem er seine Stelle bei der KatholischenPfarrgemeinde St. Michael und Apollinaris in Wermelskirchen im Juli angetreten ist, geht es für den 48-Jährigen Schlag auf Schlag: Seit dem 1. September ist er als Verwaltungsleiter auch für die Katholiken in Burscheid zuständig, ab dem 1. Januar 2020 obendrein für die in Leichlingen. Mit den Verwaltungsleitern schafft die Katholische Kirche in den Gemeinden eine völlig neue, bislang nie da gewesene Position. Ralf Althoetmar ist zuständig für alle Abläufe der Verwaltung und deren Organisation, ist der Vorgesetzte des gesamten nicht-liturgischen Personals von zum Beispiel den Reinigungskräften über die Pfarrbüro-Mitarbeiter bis hin zu den Erziehern in den von der Katholischen Kirche getragenen Kindertagesstätten.

„Ich bin ausgesprochen aufgeschlossen aufgenommen worden“, blickt Ralf Althoetmar im Gespräch mit unserer Redaktion auf die vergangenen Monate zurück und zeigt Verständnis: „Sicherlich hat diese neu eingerichtete Position in der Gemeinde bei manchen erst einmal für Verunsicherung gesorgt – aber da will ja keiner alles auf links drehen.“ Als Dreh- und Angelpunkt sei das Pfarrbüro wesentlich. „Dazu sind viele Gespräche nötig, um die offiziellen und die inoffiziellen Strukturen in den Gemeinden kennen zu lernen.“

Ralf Althoetmar will im Laufe einer Arbeitswoche regelmäßig zu bestimmten Zeiten an allen Standorten sein, wie er sagt: „So stehe ich verlässlich als Ansprechpartner vor Ort in Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen zur Verfügung.“ Eine seiner ersten Amtshandlungen: Da das Wermelskirchener Pfarrbüro weiter gefasste Öffnungszeiten als das Burscheider hat, ist das Telefon der Lindenstädter, wenn es nicht besetzt ist, auf das Wermelskirchener weitergeleitet.

Das Pfarrbüro in Leichlingen wird eigenständiger arbeiten. Der Hintergrund: Wermelskirchens Pfarrer Michael Knab hat seit Anfang September den Seelsorgebereich von St. Laurentius in Burscheid mit übernommen. Für die vorhandenen Seelsorger würden die Zuständigkeitsbereiche immer größer, beschreibt der neue Verwaltungsleiter Althoetmar: Das sei eine Folge des Priestermangels, der auch in Zukunft Sorge bereite. Damit sich die studierten Theologen in ihren größer werdenden Seelsorgebereichen auf ihre originäre Aufgaben konzentrieren können, gibt es die Verwaltungsleiter.

„Meine Arbeit kann ich nicht ohne das Engagement der Menschen in den Gemeinden machen“, ist Ralf Althoetmar überzeugt: „Die Einführung meiner Person geht nur nach und nach.“ Schließlich müssten viele Dinge bereits gemanagt werden. Als Beispiele nennt der Verwaltungsleiter die neue Umsatzsteuerregelung ab 2021 oder die derzeitiger Überarbeitung des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) durch den Gesetzgeber, die unmittelbar die Kindertagesstätten betreffen würden. „In das Kibiz muss ich mich einarbeiten, weil ich mit diesem Bereich bisher wenig zu tun hatte“, sagt Althoetmar.

Das Erzbistum Köln habe eine eigene Abteilung für die Verwaltungsleiter eingerichtet, die einen einjährigen Qualifizierungsgang absolvieren – der von Althoetmar endet im November nächsten Jahres. „Die neuen Strukturen schaffen wir behutsam, das ist erklärtes Ziel. Wir haben eine Fürsorgepflicht und stempeln nicht nur Urlaubsanträge, Krank- oder Überstundenmeldungen“, betont Althoetmar die Devise seiner Verwaltungsleiter-Rolle, für die es nirgendwo eine Blaupause als Muster gibt. Zudem gelte es, die ehrenamtlich Aktiven, die unter anderem in den entscheidenden Kirchenvorständen sitzen, mit einzubeziehen: „Im Idealfall mache ich meine Arbeit so, dass alle ihre Aufgabe mit Freude erfüllen. Ich möchte das die Menschen in den Gemeinden sagen: Zu dem kann man hingehen.“