Für André Frowein ist das Ehrenamt eine Kernkompetenz von Wermelskirchen

André Frowein im Interview : „Ohne ehrenamtlichen Einsatz ginge in Wermelskirchen nichts mehr“

Für Juca-Leiter und WiW-Geschäftsführer André Frowein ginge ohne freiwilliges Engagement nichts mehr.

Als Leiter des Jugendcafés (Juca) in Wermelskirchen und Geschäftsführer beim Marketingverein „Wir in Wermelskirchen“ (WiW) ist André Frowein von ehrenamtlich Aktiven abhängig. Keine Veranstaltung, kein Projekt, keine Aktion würden ohne den Einsatz von Helfern funktionieren oder finanziell realisierbar sein. Deshalb lobt er im Gespräch mit unserer Redaktion das Ehrenamt in der Stadt, macht jedoch aus Schwierigkeiten keinen Hehl und findet kritische Worte in Richtung „Stadtspitze“.

Was bedeutet ehrenamtlicher Einsatz für den Marketingverein?

Frowein Ohne Ehrenamt gäbe es WiW längst nicht mehr – genauso wenig ohne die Unternehmer, die dahinter stehen. Alleine bei „Rock am Markt“ sind rund 70 ehrenamtliche Helfer im Einsatz, bei „Bergische Weihnachten“ sind es rund 100. Ohne dieses Engagement wäre das alles nicht denkbar. Oder betrachten wir „Das Fest“: Bei diesem verkaufsoffenen Sonntag stammen ein Drittel bis die Hälfte der Teilnehmer aus Ehrenamt – das sind Vereine, Gruppen und Initiativen. Denkt man sich die einfach mal weg, wäre es trostlos. Diese ehrenamtlich Aktiven machen die Veranstaltung attraktiv, wovon auch die Einzelhändler profitieren.

Wie ist die Einschätzung über WiW hinaus?

Frowein Ohne ehrenamtlichen Einsatz ginge in Wermelskirchen nichts mehr. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Beispiele sind die Dhünner Kirmes, das Dabringhausener Dorffest oder das Pohlhausener Open-Air. Der gerade stattgefundene „Stadtlauf“ steht genauso dafür. Die Wertschätzung gegenüber den teilnehmenden Kindern dabei war fantastisch – das ist der Hammer, was der Wermelskirchener Turnverein da organisiert hat. Das Ehrenamt ist eine Kernkompetenz von Wermelskirchen. Das zeigt besonders die Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“, durch die inzwischen unendlich viele Vereine, Gemeinde und Bildungsträger oder Institutionen zusammenarbeiten.

Folgt dieser Kernkompetenz ein grundsätzlicher Effekt – steckt da eine Geisteshaltung hinter?

Frowein Bestimmt. Ich bin überzeugt davon, dass dadurch die zur Zeit aufstrebenden populistischen Parteien in Wermelskirchen weniger Chancen haben. Das liegt an den stabilen Netzwerken zwischen den ehrenamtlich Aktiven in Gruppen, Vereinen und Initiativen. Da gibt es in allen Bereichen die verschiedensten Berührungspunkte, da wird sich unterstützt und gegenseitig geholfen – dadurch sind wir politisch stabil. Und Netzwerken bringt die Menschen im Ehrenamt weiter: Dadurch wird mehr Potenzial freigesetzt, als wenn es nur Treffen in den eigenen Reihen gibt – es werden Kanäle gesucht und gefunden.

Ist ein Stützen auf das Ehrenamt nicht auf Dauer zu fragil?

Frowein Das Ehrenamt hat sicherlich Grenzen, die Aktiven haben einen Beruf und meistens Familie, die niemand vernachlässigen will. Manchmal hat es den Anschein, dass die Verwaltungsspitze dem Ehrenamt alles aufs Auge drücken will. Die scheinen das als selbstverständlich anzusehen oder oftmals gar nicht im Thema zu sein.

Was kann denn von Seiten der „Offiziellen“ besser gemacht werden?

Frowein Grundsätzlich muss ich sagen, dass die Zusammenarbeit mit der operativen Ebene wie Ordnungs- oder Bauamt, Betriebshof, Feuerwehr und Polizei sehr gut läuft. Das haben wir uns gemeinsam erarbeitet. Ich denke, dass die Verwaltungsspitze das Ehrenamt nicht genug honoriert – durch Gesten und durch das Sich-Bewusst-Machen, dass es ohne Ehrenamt nicht geht.

Wie soll das konkret aussehen?

Frowein Kein ehrenamtlicher Aktiver braucht ein Schaulaufen oder eine „Ehren-Veranstaltung“ mit dreieinhalbstündigem Programm. Nicht labern, sondern auf die Leute zugehen, um unmittelbar Wertschätzung zu zeigen. Einfach mal hingehen und eine Kiste Bier oder belegte Brötchen mitbringen.

Müssen ehrenamtlich Aktive motiviert werden, damit die Federführenden sie nicht verlieren?

Frowein Manchmal gibt es natürlich Frust – teils aus vollkommen individuellen Gründen. Da hilft nur das persönliche Gespräch. Diese Gespräche zu führen, ist eine meiner Kernaufgaben. Und nicht jedes Gespräch gelingt mir. Vor allem gibt es aber reichlich Engagement: Wir wollen etwas bewegen und dafür auch anpacken. Die meisten im Ehrenamt haben Lust und Eigeninitiative und müssen nicht aufgefordert werden. Genau diese Freiwilligkeit bringt Dynamik und frische Ideen mit.

Also herrscht ohne Ehrenamt „tote Hose“?

Frowein Wermelskirchen wäre ohne Ehrenamt nicht tot, aber es gäbe ein gigantisch großes Manko.

Mehr von RP ONLINE