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Fünfte Vitrinen-Ausstellung des BGV in der Stadtbücherei

Geschichte in Wermelskirchen : Fünfte Vitrinen-Ausstellung des BGV

„Anno dazumal – Wermelskirchener Frauen auf steinigen Wegen“ macht die Geschichte selbstbewusster Frauen lebendig.

Der Bergische Geschichtsverein zeigt in seiner fünften Vitrinen-Ausstellung im Eingang der Stadtbücherei Fotos und Gegenstände, ergänzt durch kurze Informationstexte, die die besonderen Lebenswege einiger für ihre Zeit ungewöhnlich selbstständiger und selbstbewusster Frauen lebendig machen. Die Idee hatte Elke Krenzel. Gemeinsam mit Marita Bahr haben die beiden Mitglieder des BGV den Schaukasten neu gestaltet.

Angeregt durch die Stadtführung von Marianne Hürten zum Thema „Auf den Spuren starker Frauen“ und durch das Buch „Töchter der Stadt Wermelskirchen“ von Susanne Schramm haben sich Krenzel und Bahr mit Nanny Kattwinkel, Ottilie Hackenberg, den Schiffler-Schwestern, den Siebel-Schwestern, Paula Zülch, Margarete Krenz, Clara Freifrau von Krüger und anderen beschäftigt. Alle wurden zwischen 1870 und 1919 geboren; sie leiteten Geschäfte oder große Firmen; sie waren Leiterinnen von bedeutenden Einrichtungen.

Nanny Kattwinkel leitete den Betrieb zur Herstellung von gewebten Schäften zur Schuhfabrikation. Foto: Marita Bahr

So übernahm Maria Scherer 1943 den Kreisvorsitz des DRK, Anna Lieb war während des Zweiten Weltkriegs und danach mitverantwortlich für den Aufbau des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes. Margarete Krenz, seit 1929 bei der Stadt beschäftigt, wurde 1947 durch die Engländer zur ersten Stadtkämmerin Nordrhein-Westfalens ernannt, nachdem sie die Aufgabe bereits 1939 kommissarisch übernommen hatte. Sie ließ in Wermelskirchen ein Altenheim bauen, holte durch ihr Verhandlungsgeschick die Firma Ortlinghaus von Remscheid nach Wermelskirchen, veranlasste den Bau des Krankenhauses und wurde dessen Geschäftsführerin.

Den Wermelskirchenern wohl bekannt dürften Namen wie Hackenberg, Kattwinkel, Schiffler, Siebel und Zülch sein. Die 1890 geborene Ottilie Hackenberg verwitwete schon 1918, bekam eine Anstellung bei der evangelischen Kirche, erledigte dort die sogenannte „Schriftniederlage“, versorgte Jugendliche mit Büchern und gründete 1931 die später stadtbekannte Buchhandlung Hackenberg. So hat sie mit großem Fleiß, Unerschrockenheit und Lebensmut den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn stets gesichert.

Ein originales Grundstücksbuch von Clara Freifrau von Krüger (Kindererholungsheim Süppelbach). Foto: Marita Bahr

Das heutige Film-Eck geht zurück auf den Reichshallensaal, der ab 1927 von den Schwestern Ada und Luise Schiffler geführt wurde. Liesel und Gertrud Siebel waren erst 18 und 20 Jahre alt, als sie 1939 die Geschäftsführung von Büro- und Schreibwaren Siebel übernahmen. Sie waren selbstbewusste „Fräuleins“, die mit anderen Geschäftsleuten zum Stammtisch gingen, was zur damaligen Zeit für Frauen nicht üblich war.

Der Sohn von Gertrud stellte wie etliche andere Nachfahren alte Fotos und Exponate zur Verfügung. So sind etwa eine alte Rechenmaschine (Siebel), ein Filmprojektor (Schiffler), hölzerne Schuhleisten (Zülch), ein originales Grundstücksbuch von Clara Freifrau von Krüger (Kindererholungsheim Süppelbach, heute Restaurant „Spatzenhof“) und vieles mehr zu sehen. Alle Familien, mit denen Elke Krenzel und Marita Bahr bei ihren Recherchen über deren Vorfahren sprechen konnten, hatten große Freude daran, dass diese wichtigen Frauen der Vergangenheit noch einmal im Kontext interessanter Gegenstände und mit teilweise wunderschönen Porträts vorgestellt werden.