Wermelskirchen: Fünf Stunden Wir-Gefühl à la kölsche Art

Wermelskirchen: Fünf Stunden Wir-Gefühl à la kölsche Art

1200 Besucher kamen zu "Wir unter uns" in die Mehrzweckhalle nach Dabringhausen und feierten ausgelassen. Das Wir-Gefühl à la kölsche Art bildete das prägende und verbindende Element des Geschehens.

Ausschließlich heimische Kräfte stehen für das Programm auf der Bühne: Allesamt Hobbyakteure, die in ihrer Freizeit ihre Tänze und Aufführungen einstudieren und nicht Profiunterhalter, die in langwierigen Bewerbungsverfahren auf TV-Tauglichkeit getestet werden. 1200 Besucher kamen zu "Wir unter uns".Die Paradeveranstaltung des Dabringhausener Festausschusses war bereits eine Woche vor ihrem Termin ausverkauft.

Als Nixen, Meerjungfrauen und -männer im Gefolge von Wassergott Neptun betraten die 50 Erwachsenen der Karnevalsfreunde aus Grunewald die Bühne. Die Jungfrauen hatten sich dabei mit Schirmen, die mit LED-Lichtern beleuchtet waren, gegen den "bergischen Regen" gewappnet. Die frisch aus der "Dhünntalsperre entsprungene" Schar begeisterte das Publikum mit ihren Tänzen, die mit Live-Gesang und theatralischen Elementen verknüpft wurden. Als eindeutiges Bekenntnis zur kölschen Lebensart inszenierten die Grunewalder den Karnevalshit "Mir sin jedäuf met 4711". Als roter Krake verkleidet "segnete" Gerd Broichhaus das Publikum wie ein Pfarrer mit dem Duftwasser aus einem Blecheimer. Beim Auftritt der "Wasserheiligen" lüftete sich auch das Geheimnis, das seit über einer Woche fest verschnürt über der Bühne von der Decke der Mehrzweckhalle hing: Ein gigantischer Krake aus Plüsch streckte seine langen Arme über die Akteure aus - beim heutigen Rosenmontagszug taucht der Plüschkraken übrigens auf dem Festwagen der Grunewalder wieder auf. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr hatte Nesrin Bischoffs genutzt, um den Kraken in Handarbeit zu nähen. Danach wurden die Arme mit Styroporkugeln ausgestopft, den Kopf füllt ein Wasserball mit 1,20 Metern Durchmesser.

Hingucker: Die Grunewalder und der riesige Krake, der in den rot-weißen Kölsch-Farben über der Bühne von der Decke hing. Foto: Stephan Singer

Mit über 80 Mitgliedern machten die Grunewalder den überwiegenden Teil des Programms aus - selbst Moderator Andreas Büngen stammt aus den Reihen der Grün-Weißen. Mit dem Nachwuchscorps, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellten die Grunewalder drei Tanzgarden im "Wir unter uns"-Programm. Selbst die "Kleinen" griffen für Live-Gesang zum Mikrofon: Pia, Fiona, Sophia, Nina und Vanessa sangen "Pass' jot up, Grunewalder Pänz sin super drup". Ihren neunten Geburtstag feierte am "Wir unter uns"-Tag die Grunewalder Nachwuchssängerin Nina Schnell - sie durfte sich über ein Ständchen des Publikums freuen.

Spätestens beim Auftritt der Löher Schwestern, den Damen der Gruppe "Noh Löher bei Kölle", die als zart-brave Engel verkleidet auf der Bühne tanzten, war im Publikum die sprichwörtliche Hölle los. Auch das Dreigestirn hielt es nicht auf ihren Stühlen - von Programmbeginn an feierte vor allem Prinz André am Bühnenrand stehend die Akteure.

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Das nicht ganz fünfstündige Programm vereinte über 200 Akteure in elf Gruppen, die teils mehrfach auftraten, auf der Bühne. Nach Mitternacht endete das Bühnenprogramm, der Abend mündete dann in eine Tanzparty. Knapp 100 Helfer, Kellner und Sicherheitskräfte waren für das Gelingen des Abends im Einsatz.

Besucher Jessi Sieg kam im feschen Dirndl. Sie lebt in Lennep, hat aber Wermelskirchener Wurzeln: "Ich komme immer zu 'Wir unter uns'. Das ist wie Nach-Hause-Kommen. Wie Kirmes-Matinée - aber in Dabringhausen und sogar besser."

Eigens aus Würzburg reiste Lothar Eibergs Nichte Daniela mit Freundin Ann-Kathrin an. Das Duo ist von der Mentalität und Offenheit des Dawerkuser Karnevals überzeugt - lernt extra vor der Anreise die kölschen Hits auswendig und näht die Kostüme selber. Die Narretei liegt im Blut, denn Annette und Lothar Eibergs Tochter Saskia gehört zu den Tanzmariechen und Sängerinnen bei den "großen" Grunewaldern.

(sng)