Ansichtssache: Frischmarkt rettet das Dorf Dhünn - Tafel braucht dringend Ersatz

Ansichtssache: Frischmarkt rettet das Dorf Dhünn - Tafel braucht dringend Ersatz

Landflucht ist ein Problem - in Dhünn setzen die Betreiber des Frischmarkts ein Zeichen dagegen. Sie glauben an die Zukunft des Dorfes und investierten. Die Tafel braucht bei der Standortsuche alle Unterstützung.

Das Dorf ist gerettet - zumindest, was die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs angeht: Dass der Dorfladen wieder mit Leben gefüllt ist und als Frischmarkt Dhünn ein gutes, frisches Angebot für Kunden bereithält, ist ein gutes Signal in Zeiten von Discountern und Vollsortimentern. Aber auch in Zeiten sterbender Dörfer, in denen es kaum noch eine Infrastruktur gibt.

Landflucht plagt vielerorts Stadtteile. So schön man dort wohnt, fehlt ein Lebensmittelmarkt, ist das oft der Anfang des Endes. Die Betreiber des Frischmarkts stemmen sich gegen den Trend - mit großem Engagement, Mut und der Hoffnung, dass ihnen Kunden auch die Treue halten - nicht nur die Tüte Milch oder drei Äpfel einkaufen, sondern den Markt auch für den großen Einkauf aufsuchen. Es hängt also auch vom Kaufverhalten ab, ob dieses Stück Dorfleben, dieser Treffpunkt erhalten bleibt. Kommt demnächst noch der DHL-Paketshop dazu, stehen die Chancen noch besser, dass "der Laden läuft". Wir drücken die Daumen.

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Ein fast wieder vergessenes, aber ungelöstes, ja ein sich weiter verschärfendes Problem rückt der Leiter der Wermelskirchener Diakoniestation in den Fokus - Monate nach dem Bundestagswahlkampf, als das Thema Pflegenotstand in vielen Talkrunden diskutiert wurde. Es folgte die rasche Ankündigung der Regierung, dass 8000 neue Stellen geschaffen werden. "Viel zu wenig", beklagt Peter Siebel und stellt in seinem Brief an den neuen Bundesgesundheitsminister eine eigene Rechnung auf. Ganz gleich, wie in Berlin mit solchen Schreiben verfahren wird, es ist mutig und begrüßenswert, dass jemand aus der Praxis weiter für eine Verbesserung der Situation in der Pflege trommelt. Am Ende wird der Notstand aber nur beseitigt, wenn mehr Geld ins System "Pflege" geleitet wird: für mehr Stellen und eine bessere Bezahlung einer Arbeit, die ein Leben im Alter in Würde ermöglichen soll. Peter Siebel will kämpfen, weitere Verbündete sind ihm zu wünschen.

Um eine andere Gruppe der Schwächeren in dieser Gesellschaft geht es bei einer anderen Frage: Wo und wann wird die Tafel ihren neuen Standort erhalten? Der Stadt kann Untätigkeit zwar nicht vorgeworfen werden, sie hat einige Optionen aufgezeigt. Aber sie passen aus verschiedenen Gründen nicht. Die Tafel muss zentral gelegen sein, damit die Kunden sie gut zu Fuß erreichen können. Es muss eine Anlieferung der Waren problemlos möglich sein. Parkplätze für die Tafel-Mitarbeiter sind unverzichtbar. Ehrenamtlichen kann nicht zugemutet werden, weite Wege zur Einrichtung zu Fuß zurücklegen zu müssen. Und schließlich sollten die Tafel-Räume Mindeststandards erfüllen. Das Team und Kunden dürfen nicht den Eindruck haben, dass die Einrichtung in einen "Hinterhof" abgeschoben wird. Sie verdient Wertschätzung und Unterstützung. Weil sie als eine wichtige Ergänzung in der sozialen Angebotspalette ist, getragen von ehrenamtlichem Engagement. Sie ist für Kunden ein Ort sozialer Kontakte. Sie trägt dazu bei, dass nicht noch mehr Lebensmittel vernichtet werden. Eine Lösung muss also dringend gefunden werden.

(pd)