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Freispruch: Unfall kann nicht nachgewiesen werden

Gerichtsverfahren in Wermelskirchen : Freispruch: Unfall kann nicht nachgewiesen werden

Eine Fahrerflucht wurde jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt. Der Vorwurf: Ein 65-Jähriger soll beim Ausparken eine Auto touchiert haben. Den Unfall selbst hatte niemand beobachtet.

Ein Auffahrunfall beim Ein- oder Ausparken ist schnell passiert. Manchmal sogar so schnell, dass man es gar nicht mitbekommt. Wenn man Pech hat, sieht man sich dann jedoch ganz schnell wegen des Vorwurfs der Fahrerflucht vor dem Amtsgericht wieder. So jetzt im Falle eines 65-Jährigen aus Wermelskirchen, der im Juni des Vorjahres um die Mittagszeit an einem Parkplatz in einem Innenhof beim Ausparken einen anderen Wagen touchiert haben sollte und sich dann vom Unfallort entfernte, ohne dem Geschädigten über den Vorfall in Kenntnis gesetzt zu haben. An dem beschädigten Wagen sei dabei laut Anklageschrift ein Schaden in Höhe von 2400 Euro entstanden – der bereits beglichen worden sei.

Worüber sich, nicht zuletzt nach dem Betrachten der Fotos vom Unfallort, alle Beteiligten einig waren: Es handelte sich um eine unübersichtliche und enge Stelle in besagtem Innenhof. „Meine Frau musste mir auch beim Ausparken helfen, da man kaum etwas gesehen hat“, sagte der Angeklagte. Er habe in diesem Innenhof an der Remscheider Straße überhaupt erst geparkt, weil die gehbehinderte Tante seiner Frau einen Termin beim dort ansässigen HNO-Arzt gehabt habe. „Ich habe sie zu dem Termin begleitet“, sagte der Angeklagte.

Wenig später habe indes die Polizei vor seiner Tür gestanden und ihn mit dem Vorwurf der Fahrerflucht konfrontiert. Der Grund dafür sei eine Frau gewesen, die den komplizierten Ausparkvorgang vom Fenster aus beobachtet hatte. Den eigentlichen Zusammenstoß, so er denn stattgefunden hatte, habe sie jedoch nicht beobachtet. Lediglich, dass der Angeklagte ein anderes Auto betrachtet habe, als ob er überprüfen wolle, ob er daran einen Schaden verursacht hätte. Daraufhin sei sie nach unten in den Hof gegangen und habe das Auto ebenfalls betrachtet. „Weil dort ein Schaden zu sehen war, habe ich die Fahrzeughalterin ausfindig gemacht und die Polizei gerufen“, sagte die Zeugin.

Dass diese Aussage von viel Unwissenheit über die tatsächlichen Vorgänge geprägt war, machte sie nicht schwerwiegender. Sie sei bei der Arbeit gewesen, habe nur immer wieder zwischendurch auf den Hof geblickt. Auf die Frage des Rechtsanwalts, ob sie denn überhaupt eine Berührung der Fahrzeuge gesehen habe, geschweige denn einen Zusammenstoß, sagte sie nur: „Nein.“

 Letztlich war die Sachlage für sowohl den Staatsanwalt als auch den Verteidiger sowie die Vorsitzende Richterin klar: „Es kann nicht nachgewiesen werden, dass hier überhaupt ein Unfall stattgefunden hat. Daher beantrage ich einen Freispruch“, sagte der Staatsanwalt. Dem schloss sich die Richterin des Amtsgerichtes Wermelskirchen an.