Wermelskirchen: Freispruch trotz DNA-Spuren

Wermelskirchen : Freispruch trotz DNA-Spuren

Die DNA-Spur an einem Schraubenschlüssel überführt den Angeklagten nicht.

Vor dem Amtsgericht Wermelskirchen wurde ein Mann freigesprochen, dem versuchter Einbruch in einem Wohnhaus vorgeworfen wurde. Den 48-jährigen führte die Polizei aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Düsseldorf vor. Er soll versucht haben, die Terrassentür des Wohnhauses aufgehebelt zu haben. Niemand hatte ihn allerdings bei der Tat gesehen, auch das Ehepaar nicht, das in der Wohnung wohnt, zu der die Terrassentür gehört. Es hatte lediglich am Abend ein schwergängiges Schließen der Tür bemerkt. Erst am Morgen nach Öffnen der Tür, sah es Gebrauchsspuren und einen Schraubendreher, der offensichtlich beim Hantieren an der Tür benutzt worden war. Der oder die Täter mussten bei der Tat überrascht worden sein und demzufolge die Flucht ergriffen haben. Die Polizei stellte bei der Überprüfung des Schraubendrehers DNA-Spuren fest, die sie in ihrer Datenbank fand: Es waren die Spuren des Angeklagten.

Er sitzt seit März ein, weil gegen ihn ein Haftbefehl aus dem Jahre 2009 vorlag. Bei seiner erneuten Einreise nach Deutschland - fünf Monate nach der ihm zur Last gelegten Tat - wurde er dingfest gemacht. "Ich war es nicht", behauptete der Angeklagte. Ein Dolmetscher stand ihm sprachlich bei. Er sei noch nie in Wermelskirchen gewesen, sagte der 48-Jährige: "Ich kenne Wermelskirchen überhaupt nicht." Wie er sich seine DNA-Spuren auf dem Schraubendreher erkläre, fragte ihn der Richter. Der Mann erläuterte: Er habe beim Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Düsseldorf geholfen. Dabei wurde allgemein zugängliches Werkzeug benutzt. Vermutlich habe der vermutete Einbrecher auch diesen Schraubendreher benutzt. Die Staatsanwältin bestätigte, dass die DNA-Spuren des Angeklagten neben einer ganzen Reihe von DNA-Zeugnissen anderer, unbekannter Personen auf dem Werkzeug festgestellt worden waren. Gleichwohl erachtete sie einen solchen Zufall als unwahrscheinlich. Für sie war es sicher, dass der Angeklagte mit diesem Schraubendreher versucht hatte, die Terrassentür aufzuhebeln. Der Verteidiger sah das anders: Es könne nicht nachgewiesen werden, dass sein Mandant die Tat begangen habe. Er verlangte Freispruch. Und so sah es auch der Richter. Der Angeklagte kehrte in die JVA zurück.

(bege)
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