Wermelskirchen: Freies Internet für die Wermelskirchener

Wermelskirchen: Freies Internet für die Wermelskirchener

Die "Freifunk Community" hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Stadt mit frei zugänglichem Internet zu versorgen. Mit einem internetfähigen Handy oder Laptop kann sich dann jeder kostenfrei und ohne Passwort einwählen.

Im Eiscafé die E-Mails checken, im Schuhgeschäft die Fußballergebnisse nachschauen und beim Bäcker im Internet die Nachrichten lesen — das alles soll dank kostenfreiem, flächendeckenden Internet in der Innenstadt bald möglich sein. Zumindest, wenn es nach dem Willen von Tobias Opitz und Ruben Wisniewski geht. Die beiden 30- und 24-Jährigen gehören der "Freifunk Community" Wermelskirchen an, die wiederum dem Verbund "Freie Netzwerke NRW" angeschlossen ist.

Das Freifunk-Projekt setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Privat- und Geschäftsleute in der Stadt einen Teil ihres eigenen Internetanschlusses mit der Allgemeinheit teilen. Das funktioniert über ein zusätzliches kleines Gerät, das mit dem eigenen Router — also dem Gerät, das den Computer an das Internet anschließt — verbunden ist.

Das Gerät verteilt einen Teil des eigenen Heim-Internets in der Stadt mit einer Reichweite von 30 bis 50 Metern. Im Café oder Geschäft mehrerer Häuser weiter können sich die Nutzer dann also über ihr Handy oder ihren Computer in das geteilte Netzwerk einwählen und dort auf unbegrenzte Zeit Internetseiten besuchen — ohne ein Passwort eingeben zu müssen. Das Besondere daran: Der Nutzer muss nichts fürs Internet zahlen.

Das unterscheidet das Freifunk-System zum Beispiel von sogenannten Hotspots, über die man sich zwar auch in ein öffentliches Internet-Netzwerk einwählen kann, dafür aber eine Gebühr zahlen, sich registrieren oder andere Einschränkungen hinnehmen muss.

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Das Einwählen in ein W-Lan-Netzwerk funktioniert, indem der Nutzer den W-Lan Schalter am Gerät aktiviert. Dann erscheint eine Liste von Netzwerken. Das Freifunk-Netzwerk heißt "wk.freifunk.net". Durch Klicken verbindet sich das Gerät automatisch mit dem Freifunk-Netz und der Nutzer kann das Internet durchstöbern. Die Reichweite des geteilten Internetanschlusses lässt sich erweitern, indem weitere Freifunk-Geräte aufgestellt werden, die sich untereinander verbinden und so das Internetsignal verstärken.

Daher ist es sinnvoll, wenn sich mehrere Bürger bereit erklären, ihren Internetanschluss zu teilen. Auch in Belten, Tente und Dhünn stehen bereits Geräte. Bisher haben sich in Wermelskirchen schon sieben Geschäfte und 14 Privatpersonen bereit erklärt, ein Gerät bei sich aufstellen zu lassen — die Installation und Programmierung der Geräte übernimmt Freifunk.

Das Teilen des privaten Internetanschlusses bleibt ein heikles Thema. "Wir versuchen, den Leuten die Angst zu nehmen", sagt Tobias Opitz. Sie erklären ihnen deshalb, dass der öffentliche Teil des Internetanschlusses nichts mit dem privaten Anschluss zu tun hat. "Es ist nicht möglich, dass jemand von außen beispielsweise Kreditkartendaten abrufen kann, die man im Internet eingegeben hat", so Wisniewski. Sollte ein Nutzer in der Stadt den persönlichen Internetanschluss nutzen, um illegal beispielsweise Filme oder Musik auf sein Handy oder Laptop zu laden, ist derjenige, der sein Internet teilt, nicht als Betreiber sichtbar, sondern nur der Verein. "Wir sind sozusagen als haftende Person dazwischen geschaltet", beruhigt Wisniewski.

Bisher hatte das Freifunk-Netzwerk rund 1000 Nutzer in drei Monaten, an guten Tagen schon mal 30. "Das ist eine gute Zahl für eine so kleine Stadt", findet Opitz. Wer mehr über Freifunk erfahren möchte — Stammtisch ist jeden zweiten Donnerstag, 18.30 Uhr, in der Katt.

(RP)
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