Freie Akademie Köln präsentiert Kleidung bei Modenschau in Wermelskirchen

Modenschau in Wermelskirchen : Der Markt als Laufsteg

Zehn Schülerinnen der Freien Akademie Köln präsentierten jetzt zur Vernissage der Ausstellung „Mode Grafik Malerei“ ihre selbstgeschneiderten Kleidungsstücke in Wermelskirchen.

Ungewohnte Klänge schallen am frühlingshaften Sonntagnachmittag über den beschaulich Markt. Am Brunnen sitzen gespannt dreinblickende Menschen. Wummernde Bässe und verschlungene Melodien erschaffen eine beinahe düstere, auf jeden Fall jedoch geheimnisvolle Atmosphäre. So mancher zufällig vorbeikommende Passant mag sich da schon fragen, welcher rücksichtslose Anwohner wohl seine Stereoanlage so laut aufgedreht hat, als sich plötzlich, majestätisch und ernst ausschreitend, mehrere junge Frauen von den Räumen des Kunstvereins zum Brunnen bewegen.

Die Frauen tragen ausgefallene Kleidung, mal elfengleich flatternde Stoffe, dann hochgeschlossene Kleider mit üppigen Kopfbedeckungen, zuletzt Kleider, die an die 1920er Jahre erinnern. Es fehlt eigentlich nur noch der Nebel aus der Maschine, um die Stimmung perfekt zu machen.

Schüler der Schule für Modedesign Köln waren zu Gast beim Kunstverein in Markt 9. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Es sind Schülerinnen der Freien Akademie Köln, die anlässlich der Vernissage ihrer Gastausstellung „Mode Grafik Malerei“ nicht nur eigene Malereien und Skulpturen ausstellen, sondern auch noch eine Modenschau mit selbstgeschneiderten Kleidern präsentieren. Eingeladen worden sind sie vom Kunstverein im Rahmen der Künstleraustauschprojekte, die seit einigen Jahren veranstaltet werden. „Die Ausstellung passt aber auch in unser zweites Projekt – Kunst für junge Leute“, sagt Michael Dangel, Geschäftsführer des Vereins. Ziel des Projekts sei es, junge Menschen für den Kunstverein zu interessieren, da auch dort die Nachwuchsgewinnung von großer Bedeutung ist.

Unter den Models war auch Kim Stoßberg (20) aus Wermelskirchen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

 Die Freie Akademie Köln, eine Privatschule, bildet junge Menschen zu Modedesignern aus. Rolf Ahrens und seine Frau Maria Schmidt Dzionsko leiten die Schule, nach Wermelskirchen sind Ahrens und der Dozent Alexander Jakimenko gekommen. Von ihnen gibt es ebenfalls Werke zu sehen. „Unser Ansatz geht ein wenig in Richtung Bauhaus – wir gehen Modedesign auch von der handwerklichen Seite an“, sagt Ahrens. Dazu gehöre dann eben auch, eine Modenschau zu organisieren und zu veranstalten. „Wir wollen, dass unsere Schüler und Schülerinnen mit ihrer Arbeit auch an die Öffentlichkeit gehen“, betont der Schulleiter. Mit der Ausstellung soll der Weg von der Idee zum fertigen Kleidungsstück deutlich gemacht werden.

Kim Stoßberg hier bei der Vorbereitung. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Und so stehen im Mittelpunkt der Vernissage ganz klar die jungen Frauen, die die die phantasievollen Kleider sichtlich mit Freude und Leidenschaft präsentieren. Wie etwa die 20-jährige Kim Stoßberg aus Wermelskirchen. „Ich bin im ersten Semester, Modedesign war schon als Kind mein Traumberuf“, sagt die junge Frau, die in einem hübschen Kleid der 1920er Jahre auf den sonnendurchfluteten „Laufsteg“ kommt. Ein wenig fühlt man sich da an die erfolgreiche Fernsehserie „Babylon Berlin“ erinnert, im Grunde fehlt nur noch die Charleston-Musik, um die Illusion perfekt zu machen.

Zwar trägt nicht jedes Model auch ein von ihm selbst geschneidertes Kleidungsstück, sie sind jedoch allesamt von Schülerinnen und Schülern der Freien Akademie gefertigt worden. „Wir müssen im Lauf unserer Ausbildung alle auch mal als Model auftreten“, sagt Stoßberg. Das sei jedoch auch sehr gut, weil man so in die verschiedenen Bereiche des Mode-Betriebs schnuppern könnte. „Es ist doch gut zu wissen, wie man sich als Model fühlt“, sagt die 20-Jährige. Auch das Schminken vor dem Auftritt würden die Schülerinnen selbst übernehmen, was auch Dozent Jakimenko betont. „Bei uns bekommen die Schüler viel Praxis mit, das findet man auch nicht an jeder Schule für Modedesign.“

Für Stoßberg ist die Ausbildung schon jetzt die Erfüllung ihres beruflichen Traums. „Wir haben zwar nur vormittags Unterricht, aber dafür müssen wir am Nachmittag viel in selbständiger Arbeit erledigen. Aber das ist nichts, wozu ich mich zwingen muss“, sagt die 20-Jährige. Sie ergänzt schmunzelnd: „Ich will am Nachmittag auch gar nicht damit aufhören, mich mit Mode zu beschäftigen...“

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