Wermelskirchen Frau muss in Therapie, weil sie häufig stiehlt

Wermelskirchen · Weil sie Waren im Wert von nur 2,48 Euro gestohlen haben soll, musste sich am Donnerstag eine 43-jährige Angeklagte vor dem Wermelskirchener Amtsgericht verantworten. Sie gestand den Diebstahl.

Dreimal war die Frau bereits wegen Ladendiebstahls verurteilt worden. Die entwendeten Gegenstände waren immer von geringfügigem Wert gewesen. Eine Sachverständige brachte Licht in das Dunkel der stets ähnlichen Vergehen. Das Verhältnis der Angeklagten zu ihrer Mutter sei nicht unproblematisch gewesen, erläuterte die Gutachterin.

Die Tochter habe versucht, durch Leistungen diese Probleme zu kompensieren. Dies allein könne aber das Verhalten der Angeklagten nicht erklären. Entscheidend sei wohl ein Geschehen gewesen, dass die Angeklagte im Alter von 18 Jahren erlebt hatte: Sie wurde bei ihrem ersten Ladendiebstahl vom Ladeninhaber erwischt. Der Mann drohte ihr, sie bei der Polizei anzuzeigen. Er wollte aber von der Anzeige Abstand nehmen, würde sie im Gegenzug mit sexuellen Handlungen bezahlen. Die damals 18-Jährige ließ sich auf diesen Handel ein.

"Psychodynamisch" ließen sich daraus die weiteren Diebstähle der Angeklagten erklären, führte die Sachverständige aus. Sie wolle nunmehr unbewusst dabei ertappt und rechtskräftig bestraft werden, um dadurch die Schuldgefühle des ersten Diebstahls zu kompensieren. Gleichwohl schloss die Gutachterin eine verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten im Sinne einer zwanghaften, unkontrollierbaren Diebstahlshandlung aus. Im Gespräch habe die Angeklagte ihr mitgeteilt, dass sie schon öfter Waren habe entwenden wollen, aber nach mehrfachen Herausnehmen und wieder Zurückstellen der Ware davon Abstand genommen habe. Das wertete die Gutachterin als eindeutiges Zeichen für die Kontrollfähigkeit der Angeklagten. Sie konnte keine "schwere krankhafte Störung" erkennen, empfahl gleichwohl eine Therapie.

"Kein Ende in Sicht"

Sie werde erfolgreich sein, wenn die Angeklagte sie konsequent einhalte. Die Richterin sah eine Therapie als unabdingbar an, sonst sei "kein Ende in Sicht". Die Angeklagte bejahte. Der Staatsanwalt forderte aufgrund der vollen Schuldfähigkeit der Angeklagten, des geringfügigen Wertes des Diebesgutes und der Tatsache, dass der letzte Diebstahl bereits vier Jahre zurücklag, eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen. Da die Angeklagte nur über minimales Einkommen verfügt, nannte er einen Tagessatz von 10 Euro. Die Richterin schloss sich dem Antrag des Staatsanwaltes an. Die Angeklagte, die ohne Verteidiger erschienen war, nahm das Urteil sofort an. Sie zeigte sich erleichtert.

(RP)