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Wermelskirchen: Flüchtlingsinitiative hilft Schritt für Schritt

Wermelskirchen : Flüchtlingsinitiative hilft Schritt für Schritt

Das große Ganze der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist eine Seite der Medaille. Die vermeintlich kleinen, individuellen Erlebnisse bilden die andere. Dass beide Seiten für die Aktiven von "Willkommen in Wermelskirchen" (WKiWK) in den vergangenen drei Jahren seit der Gründung der Initiative von Christen für Flüchtinge und Asylsuchende eine unbestreitbare Bewandnis haben, stellte sich beim Diskussionsabend im Evangelischen Gemeindezentrum am Markt deutlich heraus. Als prägender, motivierender Motor der ehrenamtlichen Arbeit zeigten sich vor allem die Fortschritte der einzelnen geflüchteten und in Wermelskirchen gelandeten Menschen, die Stück für Stück zu Teilhabe und Integration führen.

So konnte Annegret Hachenberg vor den rund 100 Teilnehmern auf fünf junge Männer verweisen, die sich zurzeit bereits im zweiten Lehrjahr ihrer Berufsausbildung befinden. Vier der fünf Männer waren beim Abend vor Ort und durften sich über den Applaus der Anwesenden freuen. Bis zum Jahresende können es zusätzlich weitere neun Auszubildende im ersten Lehrjahr werden. "Bei Dreien steht die Genehmigung noch aus", berichtete Hachenberg, die sich mit zwei weiteren Damen im "Wasch-Café" an der Eich für WKiWK um Beratung und Begleitung beim Finden von Ausbildungs- oder Arbeitsstellen bemüht. Annegret Hachenberg: "Unser Anliegen kommt ganz gut in Gang, wir sind unmittelbarer als das Jobcenter, das die Leute nur in alle möglichen Kurse schickt." Arbeitgeber würden sich sogar direkt bei WKiWK melden. Und weiter: "Wir haben hier vor Ort mit der Ausländerbehörde oder der Bundesagentur für Arbeit keine Probleme, da gibt es nichts zu meckern."

Immer montags zwischen 14 bis 16 Uhr ist die WKiWK-Hilfe beim Einstieg in den Arbeitsmarkt ansprechbar. Hachenberg: "Wir wollen eine langfristige Unterstützung für den theoretischen Teil der Ausbildung etablieren." So solle die Berufsschulklippe gemeistert werden. "Es muss mindestens ein A1-Deutschkurs absolviert sein, damit Arbeits- und Sicherheitshinweise verstanden werden. Darüber hinaus suchen wir Paten, die die Auszubildenden bei Mathematik und Deutsch unterstützen", erläuterte Hachenberg. Das könnten beispielsweise Rentner sein, die einmal in dem Beruf gearbeitet haben. Jochen Bilstein, der bei WKiWK aktiv ist und unter anderem Deutschkurse gibt, brachte eine weitere Option ins Spiel, die gerade Formen annehme: "Oberstufenschüler des Gymnasiums wollen Mathe-Nachhilfe geben." Den gesellschaftlichen und politischen Kontext der ehrenamtlichen Arbeit mit geflüchteten Menschen fokussierte Eva Spiekermann vom Flüchtlingsrat NRW. Die Referentin betonte: "Seit Oktober 2015 hat die Bundesregierung vier Gesetzespakete zum Asylrecht geschnürt, die Brüche des Menschenrechts bedeuten." Es sei schön zu sehen und bemerkenswert, dass sich in den NRW-Städten 800 Willkommensinitiativen innerhalb der vergangenen drei Jahre gebildet hätten.

Pfarrerin Cornelia Seng betonte die Basis christlicher Werte: "Wir dürfen es nicht durchgehen lassen, wenn Menschenrechte in unserer Gesellschaft nicht eingehalten werden." Die Stimmung des Abends brachte Siham Kanbar, die für WKiWK als Übersetzerin tätig ist, auf den Punkt: "WKiWK und Cornelia Seng sorgen für eine friedliche und zufriedene Gesellschaft in Wermelskirchen."

(sng)