1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Fast 1382 Kinder bekommen Unterstützung in Wermelskirchen

Jugendbüro Wermelskirchen : 1382 Kinder bekommen Unterstützung

Simona Sieglar unterstützt Familien, die Anspruch auf Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabetopf haben. Die Zahlen steigen – auch in Wermelskirchen. Und trotzdem findet die 53-Jährige meistens eine Lösung.

Peter und Paul sind gerade vier geworden. Die beiden Jungs lachen viel und seit Neuestem gehen sie in die Kindertagesstätte. Denn ihre Mutter hat endlich einen Job gefunden. „Von den Kindergartengebühren ist sie wegen des geringen Einkommens befreit“, erklärt Simona Sieglar vom Jugendbüro an der Eich. Aber die Kosten für das Mittagessen in der Kita muss die Alleinerziehende zahlen – 50 Euro pro Kind. Das reißt für die alleinerziehende Mutter ein tiefes Loch in die Kasse. Jeden Monat. Und weil sie von einer Erzieherin vom Jugendbüro auf der Eich gehört hat und von Simona Sieglar, die dort für die Katholische Jugendagentur als Beraterin arbeitet, stand die Mutter von Peter und Paul eines Nachmittags in dem hellen, freundlichen Raum.

„Sie schämte sich, um Hilfe zu bitten“, erzählt Simona Sieglar, „aber sie brauchte diese Möglichkeit.“ Also fragt sie nach – um das Loch zu füllen, um ihren Job behalten zu können und die Kinder gut versorgt in der Betreuung zu wissen. Dann fand Simona Sieglar heraus, dass die Frau eine „Aufstockerin“ ist. Weil ihr Gehalt zum Leben nicht reicht, bekommt sie finanzielle Unterstützung vom Staat. „Und damit haben ihre Kinder Anspruch auf Geld aus dem Bildungs- und Teilhabetopf“, sagt Simona Sieglar. Das bedeutet: Statt 50 Euro muss die junge Mutter am Ende nur 20 Euro pro Kind zahlen. Das neue „Starke Familien“-Gesetz, das im August in Kraft tritt, befreit Eltern im Leistungsbezug komplett von den Kosten für das Mittagessen im Kindergarten. Nur wissen das viele gar nicht und stellen keinen Antrag.

  • Eine alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter
    Statistisches Bundesamt : Jede vierte alleinerziehende Mutter war 2017 arbeitslos
  • In Wermelskirchen haben 1362 Kinder aus
    Weniger Spenden : Der Verein „Radieschen“ bekämpft die soziale Ausgrenzung
  • Die Kinder hüpfen zusammen mit den
    Sport in den Herbstferien in Dabringhausen : Kinder powern sich beim DTV aus

Vor acht Jahren erfand die Politik in Berlin die Förderung über das Bildungs- und Teilhabegesetz (BuT). Ob Wohngeld oder Hartz IV, ob Asylverfahren oder Kinderzuschlag: Wer einen Anspruch auf Unterstützung vom Staat hat, kann für seine Kinder eine BuT-Förderung beantragen. „Damit soll die soziale Ausgrenzung vermieden werden“, sagt Simona Sieglar. Hobbys sollen ermöglicht, Talente gefördert, Klassenfahrten finanzierbar werden. Und weil der Bund den Familien auf dem Weg zur Förderung helfen wollte, wurden Beratungsstellen eingerichtet – freie Träger wie die Katholische Jugendagentur übernahmen das Angebot. „Das sollte eigentlich nur vorübergehend sein“, sagt Simona Sieglar. Aber seitdem wächst die Zahl der Antragsteller, viele Menschen begleitet die Beraterin seit Jahren. Sie ist in Schulen und Vereinen vorstellig geworden, damit die Eltern von ihr und den Möglichkeiten des Förderpakets erfahren. Sie hat Kontakt zu Vereinen und der Musikschule geknüpft. „Inzwischen funktioniert das Netzwerk in Wermelskirchen wirklich gut“, sagt Simona Sieglar.

791 Familien haben im vergangenen Jahr mit ihrer Hilfe einen Antrag gestellt – für 1382 Kinder. Tendenz steigend. „Das sind ganz normale Menschen“, sagt die Beraterin und wehrt sich gegen Klischees. Weder von „großer Not“ noch von „Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“ will sie sprechen. Oft seien beide Eltern berufstätig, könnten aber nicht allen drei Kindern den Musikunterricht finanzieren. Oder die Rechnung für eine Klassenfahrt flattert ins Haus – 400 Euro. „Dann reicht das Geld eben nicht“, sagt sie. Auch die zehn Euro pro Kind im Monat aus dem BuT-Topf decken die Lücke in diesen Situationen nicht. Und dann beginnt sie zu tüfteln – auch wenn das ihre Jobbeschreibung eigentlich gar nicht mehr verlangt. „Aber ich schicke doch niemanden weg, ohne eine Lösung gesucht zu haben“, sagt sie. Dann spricht sie Stiftungen und Fördervereine an, Initiativen wie „Radieschen“, prüft staatliche Fördermittel – nicht nach Schema F, sondern mit Gesichtern und Geschichten vor Augen. Einmal hat eine Mutter zu ihr gesagt: „Sie sind hier die Richtige am richtigen Platz.“ Und das Gefühl hat Simona Sieglar an vielen Tagen auch.