Wermelskirchen: Erwin Grosches absurder Ausflug nach Absurdistan

Wermelskirchen : Erwin Grosches absurder Ausflug nach Absurdistan

Erwin Grosche kam auf die Bühne und legte los. Mit einem bunten Sammelsurium an Absurditäten, die definitiv die Luft eines Helge Schneider geschnuppert hatten. Natürlich spielt der Mülheimer Ausnahmekünstler in einer ganz eigenen Liga, aber für den kleinen Hunger zwischendurch war das ein allemal sehr schmackhafter Snack, den der Ostwestfale Grosche da am Samstagabend im mit etwa 80 Besuchern gut gefüllten kleinen Saal der Katt servierte.

Sein Metier war das Wort. Er brauchte gar kein großes Konzept, keine in sich stimmige und sinnvolle Rahmenhandlung. Ihm reichte die völlige Freiheit des munteren Dahinstreifens durch die wunderbare Welt des Wahnsinns. Etwa im etwa fünfminütigen Nivea-Sketch, in dem er mit basischer Minimalpercussion auf einem kleinen Döschen der Pflege-Creme die verschiedensten und völlig absurden Akronyme aus dem Produktnamen bildete: "Nasen inhalieren vielfach eigenen Atem." Das war durchaus dadaistischer Schwachsinn auf hohem Nivea(u).

Lustvoll schwadronierte Grosche auch über das Thema "Abstand", Namensgeber seines aktuellen Programms "Der Abstandhalter". "Und ich hoffe, dass trotz allem ein bisschen Nähe aufkommt", sagte er, während er in seinem Nick-Knatterton-Karo-Anzug auf ein Mini-Piano einhämmerte. Tat es, auch wenn es ein wenig Eingewöhnung auf Seiten des Publikums brauchte, um auf den gleichen Humorlevel zu gelangen. Es dauerte halt ein bisschen, bis die Nähe so richtig da war.

Auch der erste Eindruck war Thema, gleich zu Beginn, als Grosche die Bühne betrat. Da kam er vom Reiter im Drewermann-Pulli, über den das Pferd nur den Kopf schüttelt, bis zu betrunken fotografierten Führerscheinfotos. "Damit braucht man keine Angst mehr vor der Kontrolle zu haben."

Auch das "Ausrutschen unter der Dusche", musikalisch untermalt mit Geigenbogen und Kölsch-Nagel-Tablett, war so ein dadaistisches Bonmot. Da verknoteten sich beim Hinhören die Hirnwindungen derart fantasievoll - zu stark, als dass man sich die Verbalakrobatik im Einzelnen merken könnte, zu nachhaltig, als dass man sich nicht in diesen verrückten Alice-im-Wunderland-Kosmos hätte fallen lassen wollen. Und dann ertappte man sich irgendwann, inzwischen recht nahe beim Künstler, bei dem Gedanken: Was immer dieser Erwin Grosche sich einwarf - er sollte bitte niemals damit aufhören.

(wow)