Landtagswahl 2012: Erneut Oppositionsarbeit für Deppe

Landtagswahl 2012 : Erneut Oppositionsarbeit für Deppe

Rainer Deppe (CDU) zieht als Direktkandidat in den Landtag ein. Trotzdem war er gestern Abend enttäuscht – vor allem über das Abschneiden seiner Partei auf Landesebene. Oliver Deiters (SPD) konnte sein Ergebnis wieder verbessern. Und auch der "Lindner-Effekt" der FDP funktionierte.

Rainer Deppe (CDU) zieht als Direktkandidat in den Landtag ein. Trotzdem war er gestern Abend enttäuscht — vor allem über das Abschneiden seiner Partei auf Landesebene. Oliver Deiters (SPD) konnte sein Ergebnis wieder verbessern. Und auch der "Lindner-Effekt" der FDP funktionierte.

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner. Foto: Jürgen Moll

Es dauert einige Zeit, bis Rainer Deppe die Tür des Nebenraumes öffnet. Um 20.08 Uhr betritt er mit Ehefrau Bettina den großen Saal des Kreishauses in Bergisch Gladbach. Zu diesem Zeitpunkt steht fest, dass der Christdemokrat zum dritten Mal als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 22, zu dem Wermelskirchen gehört, in den Düsseldorfer Landtag einzieht. Doch so recht freuen kann sich der 56-Jährige an diesem Wahlabend nicht. Im Gegenteil: Man merkt ihm die Enttäuschung an. Zu niederschmetternd ist das Ergebnis der CDU auf Landesebene - von dem sich die CDU im Kreis nicht abkoppeln kann. "Heute ist kein guter Tag für uns", sagt Deppe, der am Ende 36,6 Prozent der Erststimmen erhält und so den Wahlkreis vor dem Sozialdemokraten Oliver Deiters (33,9 Prozent) gewinnt. Der SPD-Kandidat, der nicht über die Landesliste abgesichert war, gratuliert Deppe unmittelbar nach dessen Betreten des Raumes zum Einzug in den Landtag.

Der Wahlkreis bleibe zwar in CDU-Hand, Deppe selbst habe aber große Sorge um die Zukunft des Rheinisch-Bergischen Kreises. "In den kommenden fünf Jahren haben wir 100 Millionen Euro weniger zur Verfügung, es ist eine schwierige Situation", sagte Deppe. In den nächsten Tagen will er den Wahlausgang intern auswerten und diskutieren. Die Ursachen für dieses Wahlergebnis hatte er aber gestern bereits erkannt: "Wir haben den Wahlkampf bereits in den ersten drei Tagen verloren", betonte Deppe und sprach damit die Diskussion um die Zukunft des CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen im Falle einer Wahlniederlage an.

Weiter für die Bürger einsetzen

Eigentlich wollte Rainer Deppe aus der Oppositionsrolle schlüpfen, doch daraus wird nun nichts. Es wartet eine weitere Legislaturperiode mit Oppositionsarbeit in Düsseldorf auf ihn. "Ich bin dafür, Dinge konstruktiv zu gestalten", sagte Deppe und fügte an: "Ich befürchte aber, dass das mit der neuen Landesregierung nicht möglich sein wird." Trotzdem werde er sich weiterhin für den Kreis stark machen und für die Belange der Bürger einsetzen. Deppe: "Ich werde jeden Tag aufs Neue kämpfen."

Richtig gut gelaunt war gestern Abend Oliver Deiters. Der Sozialdemokrat freute sich über das Ergebnis auf Landesebene und über sein persönliches Abschneiden gleichermaßen. "Es ist ein sehr guter Tag, ein hervorragendes Ergebnis. Ich danke den Wählern für das Vertrauen", sagte der 41-jährige Odenthaler, der sein Ergebnis bei den Erststimmen im Vergleich zur Wahl 2010 noch einmal verbessern konnte. "Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich so nah an Rainer Deppe heranrücken werde", sagte Deiters. In zwei Städten (Burscheid und Leichlingen) setzte sich Deiters sogar gegen Deppe durch. "Heute haben wir Grund zu feiern", jubelte Gerhard Zorn. Der Vorsitzende der Kreis-SPD lobte den Einsatz Deiters vor der Wahl: "Er war sehr engagiert und hat einen guten Wahlkampf gemacht." Vor allem die klaren Verhältnisse auf Landesebene machten Zorn stolz.

Gut gelaunt und völlig entspannt sah sich Jürgen Langenbucher, Kandidat der Grünen, die Ergebnisse auf der großen Leinwand im Kreishaus an. "Schön, dass es mit der stabilen Mehrheit für Rot-Grün im Land gereicht hat. Das freut mich", sagte Langenbucher. Er selbst hatte nach eigener Aussage zwar gehofft, das Ergebnis von Harald Wolfert bei der Wahl 2010 (10,3 Prozent bei den Erststimmen) zu halten. Mit dem Ergebnis von 9 Prozent war er aber zufrieden.

Erstaunt waren viele Gäste über das Ergebnis der FDP und des Direktkandidaten Christian Lindner. 11,6 Prozent holte der 33-jährige Spitzenkandidat in seinem Heimat-Wahlkreis — obwohl er im Wahlkampf mehr um die Zweitstimme geworben hatte. Der "Lindner-Effekt", auf den die Liberalen gesetzt hatten, hat auch bei den Bürgern im Kreis funktioniert. Mike Galow holte für die Piraten 7,1 Prozent. Zufrieden war er damit nicht. "Ich wollte ein zweistelliges Ergebnis erreichen. Das habe ich nicht geschafft."

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