Verbandsversammlung der Volkshochschule Bergisch Land Ergebnis der VHS fällt besser aus als geplant

Wermelskirchen / Leichlingen · Das Herrenberg-Urteil bedroht die Gewinne der Bildungseinrichtung – und damit den weiteren Aufschwung der VHS. Mit viel Elan widmet sich das Team dennoch dem neuen Programm.

 Die VHS Bergisch Land probiert im Kurs Programm immer neue Ideen aus. Das Seminar „Klassisch rasieren“ wird auch 2024/25 fortgeführt.

Die VHS Bergisch Land probiert im Kurs Programm immer neue Ideen aus. Das Seminar „Klassisch rasieren“ wird auch 2024/25 fortgeführt.

Foto: Jürgen Moll

Die Zahlen sind grün: Das können die Mitglieder der Verbandsversammlung des Volkshochschulzweckverbandes auf den ersten Blick erkennen. „Wir rechnen mit einem Ergebnis von 350.000 Euro für 2023“, sagt Eric Hausherr, Leiter der Volkshochschule Bergisch Land. Damit fällt das Ergebnis noch positiver aus, als im vergangenen Jahr geplant.

„Wir waren vorsichtig optimistisch. Das Ergebnis ist für uns selbst erstaunlich“, sagt Hausherr. Es ist eine Ergebnissteigerung von etwa 300.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Wieder hat den größten Einfluss auf diese Zahlen der Deutschbereich. Erträge von 1,2 Millionen Euro verbucht die VHS hier – die Nachfrage nach Deutschkursen sei weiterhin hoch, bekundet Fachbereichsleiterin Daniela Potou. Allerdings steigerte die VHS 2023 auch deutlich die Erträge der anderen Fachbereiche – von 195.682 auf 305.000 Euro.

Seit 2020 schreibt die VHS wieder schwarze Zahlen. „Wir wünschen uns, diese Überschüsse der Ausgleichsrücklage zuführen zu dürfen“, erklärt Hausherr bei der Verbandsversammlung des Volkshochschulzweckverbandes am Donnerstag in Burscheid. Damit könne die Rücklage von rund 78.000 Euro auf rund 538.000 Euro aufgestockt werden. „Das wäre wichtig für uns, um die Neuausrichtung der VHS auf betriebswirtschaftlich sichere Füße zu stellen“, sagt der VHS-Leiter. Auch die noch unsichere Entwicklung des Fachbereichs Deutsch und Integration können so ausgeglichen, der Investitionsstau abgebaut werden. Die Versammlung gibt dafür schließlich grünes Licht.

Der große Wermutstropfen folgt keine Minute später: Eric Hausherr stellt den Verbandsmitgliedern aus Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen das Herrenberg-Urteil vor (wir berichteten). Die aktuelle Rechtsprechung führt dazu, dass Freie Mitarbeiter an Bildungseinrichtungen wie der Musikschule oder auch der VHS als Scheinselbstständige eingestuft werden. Für sie müssen Sozialleistungen nachgezahlt werden. Künftig müssen sie sozialversicherungspflichtig angestellt werden.

„Was das für Volkshochschulen bedeutet, wissen wir noch nicht genau“, erklärt Hausherr. Ein Präzedenzfall der VHS Arnsberg-Sundern habe gezeigt: Die Sozialversicherer machen einen Unterschied zwischen den Dozenten des Deutschbereichs, die unter den engen Vorgaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge arbeiten, sowie den Dozenten der anderen Fachbereiche.

Die VHS Bergisch Land hat mit diesem Beispiel, bei dem Nachzahlungen für die Deutsch-Integrations-Lehrer fällig würden, mögliche Auswirkungen auf die eigene Einrichtung berechnet: Rund 380.000 Euro könnten fällig werden. „Wir könnten das zwar alleine stemmen, aber nur auf Kosten einer betriebswirtschaftlichen gesicherten Neuausrichtung“, erklärt Hausherr. „Unser Aufschwung würde damit zum Teil abgewürgt.“ Deswegen bittet er die Politik, die Möglichkeit der Unterstützung zu prüfen.

Denn der Aufschwung beschert der VHS viele neue Ideen und Besucher: Laut einer Umfrage nehmen 43 Prozent der Menschen in Burscheid und Wermelskirchen das Angebot der VHS inzwischen war. „Aber das reicht uns nicht“, sagt Hausherr. Deswegen werde ständig weiter am Programm gefeilt. Insgesamt 516 Kurse stehen im Programm des nächsten Semesters, 510 im Programm des ersten Halbjahres 2025. „Wir wollen dieses Niveau halten“, sagt Hausherr.

Im neuen Programm zeigt sich: Die VHS hat den Bereich der Angebot für Bildungsurlaub ausgeweitet. Ganz neu gibt es auch einen Zertifikatslehrgang „Xpert Business“. Man habe neue Kooperationen mit Unternehmen und Vereinen geschlossen. „Und wir wollen wieder Highlights setzen“, sagt Hausherr. Dazu gehört das Format „Herbert & Hotchkiss on Tour“, bei dem die Kabarettisten im historischen Bus unterwegs sind und am Wegesrand historische und prominente Personen einsammeln. Dazu gehört auch eine Tagestour nach Maastricht oder eine Bergisch Platt-Planwagenfahrt samt Bergischer Kaffeetafel.

Auch der Fachbereich Jugend bringt neue Ideen ins Programm ein – vor allem zum Thema Gewaltprävention und Künstliche Intelligenz. „Bestehende Angebote werden ausgebaut“; kündigt Jacqueline Wolf von der Jungen VHS an. Das neue Programm ist online ab sofort buchbar – ab Juli wird es an den Auslagestellen auch als Printausgabe erhältlich sein.