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Entpflichtung von Pfarrer Hartmut Demski in Wermelskirchen

Entpflichtung von Pfarrer Hartmut Demski : Dieser Abschied ist nicht leichtgefallen

Mit einem Festgottesdienst unter Corona-Bedingungen und vielen bewegenden Reden verabschiedeten die Evangelische Kirchengemeinde und der Kirchenkreis Lennep Pfarrer Hartmut Demski am Freitag in den Ruhestand.

Am Ende hat er keine Worte mehr. Pfarrer Hartmut Demski steht am Rednerpult und blickt in die Stadtkirche, in der an diesem Abend rund 80 Gäste Platz nehmen dürfen. „Was soll ich noch sagen?“ fragt er – ungewohnt sprachlos. Und dann ergänzt er: „Es war schön, mit Ihnen allen unterwegs zu sein.“ Und damit meint der Pfarrer und Superintendent eine knappe Stunde nach seiner offiziellen Entpflichtung nicht nur die Weggefährten aus Kirche, Politik und Gesellschaft, die einen Platz in der Kirche bekommen haben. Sondern auch die Menschen an den Bildschirmen, die das Streaming-Angebot des Kirchenkreises nutzen.

Ausdrücklich schließe sein Dank die Wermelskirchener Gemeinde mit ein, Kollegen und Weggefährten aus 36 Arbeitsjahren, die wegen der Corona-Pandemie nicht teilnehmen können. Sogar in Ruanda und Indonesien sitzen Menschen am Freitagabend vor dem Bildschirm. „Wir wissen, wo wir Zuhause sind“, sagt Demski noch und dann tritt er einen Schritt zurück und die Gäste antworten mit stehenden Ovationen.

Schon zuvor war während des festlichen Gottesdienstes und des anschließenden, ungewöhnlichen Empfangs in der Stadtkirche deutlich geworden, dass nicht jedem der Abschied an diesem Abend leicht fällt. Im festlichen Gottesdienst hatte die Band unter Leitung von Christoph Spengler eindrucksvoll und berührend den Gemeindegesang ersetzt und Sopranistin Veronika Madler gemeinsam mit Kantor Andreas Pumpa für festliche Klänge gesorgt – bevor Präses Manfred Rekowski den Wermelskirchener Pfarrer und Superintendenten von seinen Aufgaben entpflichtete.

In der Gemeinde, im Kirchenkreis und auch auf landeskirchlicher Ebene habe er viele Spuren hinterlassen, erinnerte Rekowski. Und diesen Eindruck bekamen die Zuhörer mit jedem weiteren Redner, der nach der Pause im Kirchhof mit Sekt, Saft und der Musik des Posaunenchores, ans Mikrofon trat. „Du bist den Menschen nachgegangen“, erzählte Pfarrerin Sonja Spenner Feistauer für den Kreissynodalvorstand, „es war dir wichtig, alle mit auf den Weg zu nehmen“. Das habe für die Menschen in den Kirchengemeinden gegolten – und für die Menschen darüber hinaus. Das bestätigte auch der Blick auf die Rednerliste. Die fiel so bunt aus, wie der Einsatz des Superintendenten. „Wir waren so eine Art ökumenisches Dreigestirn“, erzählten der katholische Pfarrer Thomas Kaster und sein baptistischer Kollege Nadre Carouge lachend. Dann ergänzte der Katholik: „Es tut uns richtig weg, dich jetzt loszulassen“. Für die Bürgermeister der Städte im Kirchenkreis sprach Burkhard Mast-Weisz aus Remscheid: „Wir hatten einen gemeinsamen Auftrag“, erinnerte er, „den Einsatz für die Menschen, für die Städte, für ein friedliches Miteinander, für Freiheit und für diejenigen, die unsere Hilfe brauchen. Du hast die Verpflichtung gelebt und gestaltet.“

Gemeinsam hatten sich der Remscheider Oberbürgermeister und der Superintendent auch für den „Freundschaftsverein Remscheid-Kirsehir“ eingesetzt – hatten die Partnerstadt in der Türkei besucht, sich für den Dialog eingesetzt. Für den Verein nahmen Erden Ankay Nachtwein und Waltraud Bodenstedt an der Verabschiedung teil: „Wir freuen uns, dass du uns erhalten bleibst“, bekundeten die beiden Frauen. Demski will sich weiter für die Partnerschaft engagieren. Nachdem Kollegen der Stiftung Tannenhof, der Abteilung Kinder-Jugend-Bildung, aus der Gemeinde Bergisch-Born und benachbarten Kirchenkreisen die Gelegenheit genutzt hatten, um Demski Haltung und Geradlinigkeit zu bescheinigen, ihm für Unterstützung und Loyalität zu danken, fiel der Fokus schließlich noch mal auf die Arbeit als Pfarrer in Wermelskirchen. „Wir lassen dich nicht gerne ziehen“, erklärte Manfred Jetter, Presbyteriumsvorsitzender und Demskis Nachfolger als Pfarrer im Ostbezirk. „Du hast uns ins Stammbuch geschrieben, dass wir uns als Einheit verstehen und bereit sein sollen, Neues auszuprobieren“, erinnerte Jetter – während Demskis Enkelkinder abwechselnd den Platz neben ihm und Ehefrau Bärbel in der ersten Reihe eroberten.