Enkeltrick und falsche Polizisten in Wermelskirchen

Betrüger missbrauchen das Vertrauen der Senioren in die Polizei : Hoher Schaden durch falsche Polizisten

Über 700-mal versuchten in 2018 Betrüger, Senioren um ihr Bargeld und ihre Wertsachen zu erleichtern – mehr als doppelt so häufig wie im Jahr zuvor. Sie nutzen die Gutgläubigkeit der Senioren und deren Vertrauen in die Polizei aus.

Es vergeht keine Woche im Rheinisch-Bergischen Kreis, in der nicht wieder Betrüger versucht haben, Senioren um ihr Bargeld zu erleichtern. Sie gehen nach Ortsnetzen vor – am 29. Januar war wohl mal wieder Wermelskirchen an der Reihe. Sieben Betroffene meldeten sich bei der Polizei und berichteten von Anrufen. Die Dunkelziffer jener Personen, die nur auflegten oder vielleicht auf die Masche von falschen Polizisten reingefallen sind, scheint groß, ist aber nicht zu beziffern, sagt der Sprecher der Kreispolizeibehörde Bergisch Gladbach, Richard Barz,

Die Betrüger suchen sich offensichtlich Einträge in den Telefonbüchern heraus, die auf ältere Personen schließen lassen. „Da werden Vornamen von älteren Personen ausgesucht“, so die Erfahrung der vergangenen Jahre. Josefine oder Heinrich nennt er als zwei Beispiele. Die Betrüger versuchten, mit den Senioren ins Gespräch zu kommen.

Das Phänomen, so bezeichnet er die Entwicklung, sei eigentlich, dass bei vollendeten Straftaten, die gemeldet wurden, die älteren Menschen über Stunden am Telefon drangsaliert werden. „Das ist schon Telefonterror. Die Opfer werden bedrängt, Ängste werden geschürt, dass sie ihr Geld und ihren Schmuck verlieren könnten“, weiß Barz. Dabei wechselten sich die Anrufer anscheinend ab, und irgendwann griffen die so eingeschüchterten Senioren zum Strohhalm, der ihnen von den Betrügern angeboten würde: Polizisten würden das Geld abholen und sicher verwahren.

„Dieses Vorgehen ist schon perfide“, sagt Barz. Das Vertrauen in die Polizei werde dabei schamlos ausgenutzt. „In dieser Personengruppe ist das Ansehen der Polizei hoch. Deshalb fassen sie zu diesen falschen Polizisten Vertrauen und übergeben ihnen dann das Ersparte in der Hoffnung, dass sie es in Sicherheit bringen.“

Die Zahl der versuchten Trickbetrüge – falsche Polizisten wie auch Enkeltrick – ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2017 wurden kreisweit rund 300 Versuche gemeldet, 2018 schon über 700! Allein im Januar meldeten sich 70 Betroffene, bei denen das Telefon klingelte und sich angebliche Polizisten oder Enkel meldeten.

Laut Barz gab es 2018 in Wermelskirchen wenige Opfer. Zuletzt verlor ein Leichlinger rund 20.000 Euro mit dieser Masche an einen Betrüger, in Kürten und Bensberg waren es ebenfalls höhere fünfstellige Beträge. Die Gesamtbeute dieser falsche Polizisten lag in 2018 bei 650.000 Euro kreisweit.

Inzwischen hat die Polizei die Banken sensibilisiert. Barz: „Vor allem in kleineren Filialen, wo der Bankmitarbeiter seine Kunden persönlich kennt, werden besonders Ältere angesprochen, wenn sie höhere Bargeldbeträge abheben.“ Aber auch darauf haben sich die Betrüger längst eingestellt und suggerieren – als falsche Polizisten – den Senioren, dass Banken mit bösen Tätern zusammenarbeiteten und sie nicht glauben sollten, was die Mitarbeiter ihnen erzählten. „So gebriefte Senioren gibt es immer noch“, weiß Barz.

Während die Enkeltrick-Anrufer (Tenor: ihr Enkel ist krank, er braucht dringend Geld, ein Freund holt es sich gleich ab) weniger würden, nimmt die Zahl der Anrufe von falschen Polizisten zu. Deshalb, so die Empfehlung des Polizeisprechers besonders an Kinder und Enkel: „Die Senioren lesen schon Zeitung. Aber Kinder und Enkel sollten mit den Senioren offen über diese Bertügermasche reden, ganz entspannt beim Kaffeetrinken.“

Wichtig sei für die Senioren: Unbedingt auflegen, wenn derartige Anrufe kommen. „Haben Sie keine Scham, uns anzurufen. Auch wenn Sie schon auf die Anrufer reingefallen sind“, spricht Barz die Senioren an.

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