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Wermelskirchen: Eltern wollen Zusagen für Kita-Plätze

Wermelskirchen : Eltern wollen Zusagen für Kita-Plätze

45 Väter und Mütter haben eine WhatsApp-Gruppe gebildet, die sich über fehlende Betreuungsplätze beklagt. Die Stadt startet nach Informationen der BM ein großes Maßnahmenpaket zum Kita-Ausbau. Politik muss vorab zustimmen.

Eine ganze Reihe von Eltern werden langsam nervös: Sie wünschen einen Betreuungsplatz für ihr Kind in einer Kita oder bei einer Tagesmutter und haben dies auch über das neue Online-Anmeldeverfahren mit dem Titel "Little Bird" gegenüber der Stadt kundgetan. Aber eine Zusage haben sie noch nicht erhalten, berichtet Kai Willumat. Inzwischen habe sich eine WhatsApp-Gruppe gebildet, über die sich Väter und Mütter über die Betreuungssituation austauschen. Sie befürchten, dass es nicht ausreichend Plätze gibt, um die Nachfrage bis zum Beginn des neuen Kita-Jahres zu decken. 45 Eltern sollen betroffen sein. Doch den Vorwurf einer Untätigkeit weist die Stadt weit von sich. Man arbeite bereits im Hintergrund an einem Ausbauprogramm. "Wir planen einen großen Wurf", kündigte Beigeordneter Stefan Görnert gestern im Gespräch mit unserer Redaktion an.

Carmen und Kai Willumat hatten ihren Sohn bereits kurz nach der Geburt angemeldet. Sie beklagen in einem Brief an diese Zeitung, dass sie immer noch keine Zusage haben. "Vorsorglich haben wir für unseren Sohn eine familiäre Betreuung sichergestellt", sagt Kai Willumat. Denn seine Frau trete im Mai eine neue Stelle an, Sohn Lenn müsse also gut untergebracht sein. Auch andere Eltern wollen Gewissheit, dass es mit einem Betreuungsplatz klappt.

Sie werden sich grundsätzlich noch gedulden müssen, auch wenn mit dem neuen Online-Anmeldeverfahren viel früher Klarheit über die Bedarfe herrsche als früher, betonte Andreas Voß, Leiter des Amtes für Jugend, Bildung und Sport. "Vorher gab es zahlreiche Mehrfachanmeldungen, die Listen mussten wir alle händisch abgleichen." Die Ergebnisse lagen dann erst im April, Mai vor.

Seit vergangener Woche ist das Little-Verfahren bereits ausgewertet, sagte Stefan Görnert. Das Fazit: Der Fehlbedarf ist größer als erwartet. Zu Details äußerte sich der Dezernent trotz Nachfrage nicht.

Die Gründe seien vielschichtig, sagte Voß. So sei die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für unter Dreijährige exorbitant gestiegen. Suchten zuvor 40, 45 Prozent der Eltern einen Platz in Kita oder bei einer Tagesmutter, seien es derzeit rund 80 Prozent. Auch Zuzüge junger Familien lassen den Betreuungsbedarf ansteigen. Wermelskirchen stehe - wie viele andere Städte - vor der großen Herausforderung, zügig neue Plätze zu schaffen.

Eine Kommune könne aber nur reagieren, sobald die Nachfrage feststeht und nicht vorher - trotz eines Rechtsanspruches der Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind, betonte Görnert. Zwar wisse die Stadt Wermelskirchen, dass sie ihr Betreuungsangebot erweitern muss. Denn laut Kindertagesstätten-Bedarfsplan, der 2017 beschlossen wurde, sollen allein in diesem Jahr 61 Kinder hinzukommen. Die Prognosen hätten sich bestätigt. Seit Dezember war klar, dass es 80 Plätze werden. Und nun kommt ein weiteres Nachfrage-Plus hinzu. Zu den bereits beschlossenen Ausbaumaßnahmen gehe es im neuen Paket sogar auch um neue, zentrale Kita-Standorte, kündigte Görnert an. Wo, wie viele und in welchen Gebäuden Kita- und Tagespflege-Plätze geschaffen werden, werde zuerst der Politik vorgestellt. Voß: "Innerhalb des Rathauses sind viele Ämter beteiligt - neben Jugendamt, Kämmerei, Tiefbau- und Hochbau- und Liegenschaftsamt." Die Eltern bleiben bis dahin im Ungewissen.

Und wann gibt es klare Zusagen? Generell bis spätestens sechs Wochen vor Beginn des neuen Kindergartenjahres. "Wir stellen uns den Umbrüchen im Nutzerverhalten", sagte Görnert, aber Hoffnung auf eine Vollversorgung pünktlich zum 1. August will er nicht wecken. Aber die Stadt bemühe, dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gerecht zu werden. "Das kann auch ein Platz in der Kindertagespflege sein", so Görnert. Derzeit bieten 50 Tagesmütter und -auch väter insgesamt 100 Plätze an. Die Stadt plane einige Maßnahmen, um den "Job" attraktiver zu machen: durch höhere Entlohnung und bezahlte Urlaubstage. Die Willumats können jedenfalls aufatmen, sie erhalten für Lenn einen Platz in der Tagespflege.

(pd)