Bezirksdienst in Wermelskirchen Einer, der ein offenes Ohr mitbringt

Wermelskirchen · Heiko Mann ist der neue Beamte beim Bezirksdienst. Er will Freund und Helfer sein und mit den Menschen ins Gespräch kommen.

 Heiko Mann (46) ist der neue Bezirksdienstbeamte für Tente, Hünger und die Straßenzüge nordwestlich der B51.

Heiko Mann (46) ist der neue Bezirksdienstbeamte für Tente, Hünger und die Straßenzüge nordwestlich der B51.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Den Tatort am Neujahrsabend hat Heiko Mann aufgenommen. „Den gucken wir in Ruhe in den nächsten Tagen“, sagt er. Wenn die Schauspieler in der ARD ermitteln, ist der Polizist meistens mit dabei. Einen guten Krimi lässt er sich nicht entgehen. „Wahrscheinlich haben Serien und Filme in meiner Jugend den Wunsch, selbst Polizist zu werden, auch mitgeprägt“, sagt der 46-Jährige lächelnd. Aber vor allem dann, wenn ein Großonkel zu Besuch kam und von seinem Alltag als Polizist berichtete, lauschte Heiko Mann den Erlebnissen.

Damals fasste er den Entschluss, selbst Polizist werden zu wollen. „Das schien mir ein vielseitiger und ein bisschen abenteuerlicher Beruf“, sagt Heiko Mann heute. Die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz bei der Landespolizei kurz nach seinem 16. Geburtstag kam allerdings samt Absage zurück. „Ich war zu jung“, erzählt er. Bei der Berufsberatung in der Schule saß er aber einem Beamten des Bundesgrenzschutzes gegenüber, der um ihn warb. Der Schüler sah plötzlich einen neuen Weg, um doch Polizist werden zu können. Er bewarb sich, wurde angenommen und beim Bundesgrenzschutz ausgebildet.

Fast 30 Jahre später tritt Heiko Mann nun seine Stelle als Bezirksbeamter bei der Polizei in Wermelskirchen an – als Nachfolger von Andreas Bruns, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen ist. Hinter Mann liegen bereits Stationen beim Objektschutz der damaligen Bundesministerien in Bonn, als Streifenpolizist in Radevormwald und Wipperfürth, beim Polizeipräsidium in Köln und ab 2000 dann als Streifenpolizist in Wermelskirchen. „Als die Wache damals ihre Türen schloss, bin ich mit nach Burscheid gegangen“, erzählt Mann. Nun kehrt er zurück. Er habe sich für Wermelskirchen beworben und sei angenommen worden. Darüber freue er sich sehr, schließlich kenne er die Menschen und die Stadt schon. Mit der neuen Stelle wechselt Mann nun auch den Streifenwagen gegen den Dienst als Bezirksbeamter. Damit sei er noch näher am Bürger, mit einem offenen Ohr und der Zeit, den Menschen zuzuhören.

Mit der Nachfolge von Andreas Bruns übernimmt er auch dessen Bezirk – zu dem Braunsberg und Tente, Hünger und Pohlhausen ebenso gehören wie die Straßenzüge nord-westlich der Bundesstraße 51. „Das schönste an diesem Beruf ist die gute Mischung zwischen der Arbeit im Büro und dem Außendienst“, sagt Heiko Mann. Er wolle in seinem Bezirk unterwegs und den Menschen präsent sein. Deswegen wird er mit dem Polizeiwagen, der nun auch regelmäßig vor dem neuen Büro am Rathaus parkt, durch seinen Bezirk fahren – und aussteigen. „Ich wünsche mir, dass mich die Menschen mit ihren Sorgen ansprechen“, sagt er. Deswegen wolle er im Sommer auch mal auf das Fahrrad umsteigen – aber auch präventive Fahrten durch die Wohngebiete einplanen. Dazu kommt ein bunter Strauß an Aufgaben hinter den Kulissen: Dazu gehört etwa die Vollstreckung von Haftbefehlen. Wenn Post vom Gericht kommt, dann klingelt Heiko Mann an den Türen – alleine oder in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Bezirksdienstes, die in der Region im Einsatz sind. Auch wenn Staatsanwaltschaft oder Bußgeldstellen Hilfe bei der Aufenthaltsermittlung brauchen, unterstützen die Bezirksbeamten. „Und wir engagieren uns auch in der Opfernachsorge“, erklärt Mann.

Hat es in seinem Bezirk Einbrüche gegeben, dann ruft er anschließend bei den Geschädigten an und fragt, ob sie sich einen Besuch und ein Gespräch wünschen. „Vor allem lebensältere Menschen sind nach diesen harten Einschnitten oft verunsichert und verängstigt“, weiß der Polizist. Also will er mit ihnen ins Gespräch kommen und ihnen ihr Sicherheitsgefühl zurückgeben. Auch bei Fällen häuslicher Gewalt sind die Bezirksbeamten im Einsatz – etwa wenn es in ihren jeweiligen Bezirken Wohnungsverweisungen und Rückkehrverbote gibt. „Wir kontrollieren dann, ob sie eingehalten werden“, erzählt Mann, „das bedeutet wieder: Wir klingeln.“ Längst habe er gelernt, in Krisensituationen ruhig zu bleiben und Anfeindungen gelassen zu begegnen.

Vor allem aber geht es dem neuen Bezirksbeamten darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele würden im neuen Büro vorbeischauen und ihre Sorgen und Fragen loswerden. Daneben sucht Mann den Kontakt zu den Kitas und Grundschulen in seinem Bezirk – er ist auch für das Gymnasium und das Berufskolleg verantwortlich. Ohne Klischees bedienen zu wollen: Ihm sei es wichtig, ein echter Freund und Helfer zu sein. „Hier bei uns sind nicht jeden Tag Diebe auf der Flucht“, sagt er, „aber jeden Tag haben die Menschen ein Anliegen, das sie beschäftigt. Dann bin ich da.“

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