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Wermelskirchen: Eine Mahnwache zum Abschiebungs-Jahrestag

Wermelskirchen : Eine Mahnwache zum Abschiebungs-Jahrestag

Gestern wurden die Abschiebekosten für Mehmet Duda an den Kreis überwiesen. Für Donnerstag wird zur Mahnwache eingeladen.

Den morgigen Mittwoch vor einem Jahr wird die Familie Duda nicht vergessen. Da rückte das Ausländeramt an und nahm den Familienvater Mehmet Duda mit. Einen Tag später wurde der Mann, begleitet von einem Arzt und Bundespolizei, in den Kosovo ausgeflogen. Damit hatte der Rheinisch-Bergische Kreis die Abschiebung durchgesetzt.

Ein Jahr später ist eine engagierte Bürgerschaft weiterhin nicht gewillt, dies ohne Reaktion hinzunehmen. Nach einer großen Spendenaktion und erheblichem Anteil der in Wermelskirchen lebenden Großfamilie von der Ehefrau wurden gestern 11 621,95 Euro für die Abschiebekosten an den Kreis überwiesen. Das teilte Dorothea Hoffrogge, die Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus und Sprecherin dieser engagierten Bürgerschaft, auf Anfrage mit. Bezahlt werden damit die Personalsachkosten des Kreises, die Hin- und Rückflüge Flüge für Polizei und Arzt während der Abschiebung sowie den einfachen Flug für Duda; außerdem die 50 Euro, die dem Mann als Startgeld im Kosovo ausgehändigt wurden.

Mit der Bezahlung der Abschiebekosten kann nun der Anwalt mit dem Ausländeramt über die Sperrfrist von Mehmet Duda verhandeln. Wenn die abgelaufen ist, kann er erst einmal als Tourist einreisen.

Derzeit hält sich Duda in Serbien auf. "Im Kosovo, dem Armenhaus Europas, hat er überhaupt keine Chance", erzählte Hoffrogge. Duda gehört dem Volksstamm der Askali an, die, ähnlich wie die Roma, im Kosovo nicht erwünscht sind. Dorothea Hoffrogge hat keinen Kontakt zu Duda, er hat ihr bisher nur Briefe geschrieben. Den Kontakt hält seine Familie. "Mehmet ist in einer völlig verzweifelten Situation. Er versucht klarzukommen." Wie er so überlebt? "Er ist bei Verwandten seiner Frau."

Im Juli 2013 hatten Wermelskirchener mit den Mahnwachen vor dem Rathaus begonnen. Sie dauerten bis Februar. Zwischen acht und 40 Menschen trafen sich; sie waren christlich motiviert, politisch engagiert, oder es waren Menschen, die gegen die Ungleichbehandlung von anderen Menschen in Deutschland protestieren. "Es gab positive wie auch kritische Reaktionen auf die Mahnwachen, im Einzelfall auch Beschimpfungen", berichtet Hoffrogge.

Dorothea Hoffrogge erinnert daran, dass in NRW für Kinder von Menschen, die nur geduldet sind, die UN-Kinderrechtskonvention nicht umgesetzt sei. "Am Beispiel der Familie Duda könne man sehen, welches Leid dieses für Kinder und Familie hervorruft", so die Christin.

Deshalb solle mit einer Mahnwache auf diesen Missstand am Donnerstag, 27. November, 17 bis 18 Uhr, vor dem Rathaus hingewiesen werden. Anschließend ist ab 19 Uhr eine Abendandacht in Hilgen-Neuenhaus geplant. Die Situation der Flüchtlinge soll dabei thematisiert werden. Auch in der Friedensandacht um 19 Uhr in der Stadtkirche wird Familie Duda in die Fürbitte aufgenommen. "Ich hoffe, wir erhalten große Unterstützung. Es ist wichtig, auf diese verzweifelte Situation aufmerksam zu machen."

(RP)