Wermelskirchen: Eine bunte Vielfalt und große Solidarität

Wermelskirchen: Eine bunte Vielfalt und große Solidarität

Katholische und evangelische Frauen feiern den Weltgebetstag. Dabei halten sie sich an einen Plan aus Surinam.

Der Altar ist ungewöhnlich geschmückt. Gleich mehrere Orchideen nehmen fast die Hälfte des großen, hölzernen Tisches in der Kirche in Hünger ein. Was auf den ersten Blick nach großzügiger Floristik aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als ein Zeichen der Solidarität und des Miteinanders. Denn die Frauen aus Hünger haben sich nicht umsonst für die üppigen Orchideen entschieden. Ihre Recherchen zum Weltgebetstag haben sie in diesem Jahr zumindest gedanklich nach Surinam geführt. Kaum eine der Frauen hatte zuvor von dem kleinen Land zwischen Brasilien und Guayana gehört. Aber als Pfarrerin Almuth Conrad ihnen erzählte, dass eine kleine Frauengruppe aus Surinam in diesem Jahr die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag entworfen hat, da machten sich die Frauen auf die Spur.

Und sie entdeckten: In dem kleinen Land ganz im Süden Südamerikas zeigt sich die Natur noch von ihrer üppigsten Seite, Riesenfarne und Orchideen wachsen dort wild. Menschen, deren Wurzeln in vielen verschiedenen Kulturen dieser Welt liegen, leben in Surinam friedlich zusammen. Zum Weltgebetstag rücken die Frauen rund um den Globus das Leben in Surinam in den Fokus - und sie solidarisieren sich. In Hünger finden also Orchideen ihren Weg auf den Altar.

"Den Weltgebetstag haben Frauen damals angezettelt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen", sagte Pfarrerin Almuth Conrad während des besonderen Gottesdienstes in der Kirche in Hünger. Das engagierte Vorbereitungsteam erzählte die Geschichten von Carolina, Willi oder Calini, die in Surinam leben und für den Weltgebetstag ein paar Zeilen über ihren Alltag aufgeschrieben haben. Auf der ganzen Welt werden die Zeilen an diesem ersten Freitag im März in unzähligen Sprachen vorgelesen. Texte, Lieder und auch die Auswahl der Schöpfungsgeschichte als Grundlage dieses Weltgebetstages stammen aus Surinam.

"Die Frauen aus Südamerika laden uns ein, zu sehen: Gottes Schöpfung ist sehr gut", sagt Almuth Conrad. Allerdings vergessen sie Chaos und Verzweiflung in der Welt nicht. Die Texte erzählen auch von Brandrodungen im Urwald in Surinam, vom Goldrausch, der das Wasser verseucht. Am anderen Ende der Welt, das auf den ersten Blick aussehen will, wie das Paradies, kämpfen die Menschen um die Schöpfung. Der Appell des Tages ist eindeutig: "Wir sollen hüten, statt herrschen", sagt die Pfarrerin.

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Viele Frauen aus vielen verschiedenen Gemeinden sind zum Weltgebetstag nach Hünger gekommen, am Abend treffen sich die Christen in St. Michael. Nach dem gemeinsamen Gottesdienst stehen in Hünger Kaffee und Kuchen, in St. Michael ein geselliges Beisammensein auf dem Programm. Obwohl ausdrücklich auch Männer eingeladen sind, ist der Weltgebetstag doch eine Initiative der Frauen geblieben - auch in Wermelskirchen.

"Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Frauen selbstbestimmt leben können", sagt Pfarrerin Conrad, "auf dem Weg dahin brauchen wir Solidarität."

Und die demonstrieren die Frauen in Wermelskirchen engagiert.

(resa)