Pantomime Carlos Martinez in Wermelskirchen: Ein Gesicht - tausend Worte

Pantomime Carlos Martinez in Wermelskirchen: Ein Gesicht - tausend Worte

Der spanische Pantomime Carlos Martinez gastierte in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Neuschäferhöhe. Zwei Stunden lang sprach der Spanier ohne Worte - und ließ ein begeistertes Publikum zurück.

Kein Wort. Zwei Stunden lang. Hin und wieder unterlegt Musik die Erzählungen, manchmal Geräusche. Aber Carlos Martinez spricht kein Wort - und sagt doch mehr als andere das in zwei Stunden könnten. Der Pantomime braucht nicht viel, um seine Geschichten zu erzählen, um die Menschen zum Lachen zu bringen, dann wieder zum Weinen. Im Gepäck hat er nur den schwarzen Hintergrund, die weiße Maske - und am Ende ein rotes Handtuch.

Seit 35 Jahren steht der Spanier mit diesem Gepäck auf den Bühnen der Welt und erzählt seine Geschichten. Jeder versteht seine Sprache, egal wo er auftritt. Denn seine Sprache ist die Mimik, die Gestik, sind seine Hände, die in weißen Handschuhen stecken.

Wer am Freitagabend zur "Brotzeit" in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde an der Neuschäferhöhe gekommen war, der hatte vermutlich nur eine Ahnung, was ihn erwartete. Ein Mann, der ein komplettes Programm bestreitet? Da ist Skepsis erlaubt. Aber dann betritt Carlos Martinez die Bühne. Eine Stimme aus dem Hintergrund sagt den Titel an und die Show beginnt: "Die Taschenuhr". Martinez bleibt alleine auf der Bühne, aber mit der Zeit scheint der Zuschauer das zu vergessen. Die geübten Hände formen Leitern und Uhren, Steine und Kirchenglocken. Martinez spielt zugleich den, der das Bein stellt, als auch den, der fällt. Und der Zuschauer erkennt das, ihm fehlt nichts. Ganz im Gegenteil.

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Carlos Martinez hat einmal gesagt: "Es hat nichts mit Heuchelei zu tun, wenn ich die Maske aufsetze. Ganz im Gegenteil. Wenn ich sie auftrage, dann beginnen die Worte zu verstummen und machen einer anderen Sprache Raum." Und diese Sprache ist am Freitag manchmal so laut, dass auch das herzhafte Lachen der Zuschauer sie nicht übertönen kann. So dass sie laut und deutlich vom Leben erzählt, von Liebe, vom Altern und Abschied nehmen. Und von Gott. Gleich zweimal bedient sich der Pantomime biblischer Geschichten. Dann dreht er bedacht eine imaginäre Kugel in der Hand, beginnt zu formen, knipst eine Glühbirne an, würzt mit Salz und beginnt kleine Geschöpfe zu kreieren. Voller Liebe schauen die warmen Augen des Schauspielers auf diese Erde, bevor das Stück endet und das Licht ausgeht. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde", hat Martinez das Stück genannt und jeder Zuschauer versteht, was dort geschieht und sieht die Liebe in den Augen des Schöpfers. Diese Gefühle in Mimik zu bannen: Das gelingt Martinez so überzeugend, das er nachwirkt.

Dann wieder bedient er sich der klassischen Instrumente eines Pantomimen: Er läuft gegen Glasscheiben, stolpert über Steine und nimmt das Gespräch mit dem Publikum auf. Das gefällt den rund 200 Zuschauern so gut, dass der Jubel von Stück zu Stück lauter wird.

Nach zwei Stunden liegt die Bühne im Dunkeln, die Musik verstummt, das Publikum bedankt sich mit minutenlangem Applaus. Dann greift Carlos Martinez zu dem roten Handtuch und wischt sich die Maske ab. Der Applaus wird lauter, das Publikum steht auf und der Spanier blickt mit seinen eigenen Augen von der Bühne. Er kommt den Menschen nah. Jetzt auch ohne Maske. Und er spricht. "Wenn Sie nicht alles verstanden haben", sagt er auf Englisch und lacht, "machen Sie sich keine Sorgen. Mein Vater hatte das gleiche Problem." Er bedankt sich für das Schweigen, damit er reden konnte. Auf seine eigene Weise. Er bedankt sich für die Mimik des Publikums, die der Applaus des Herzens sei.

(resa)