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Ein Blick in die Wermelskirchener Schul-Geschichte

Neuer Kalender des Bergischen Geschichtsvereins in Wermelskirchen : Ein Blick in die heimische Schul-Geschichte

Der Bergische Geschichtsverein bringt seinen siebten historischen Kalender heraus – mit Ansichten heimischer Schulgebäude. Im Laufe der Zeit hat es in der Stadt 120 Schul-Standorte gegeben.

Sie tanzen Ringelreigen. Pünktlich zum großen Fototermin im Frühling 1920 haben sich die Mädchen die Hände gereicht. Sie gucken ernst in die Kamera, als wüssten sie, dass ihr Bild etwa 100 Jahre später das Januar-Blatt im Kalender des Geschichtsvereins ihrer Nachfahren zieren würde. Ihre Kleider schwingen um die Knöchel, die Jungs tragen große, weiße Kragen, die Lehrer Hüte. Der Schulleiter, mit Fliege um den Hals, steht im Türrahmen des alten Schulgebäudes am Höferhof, lehnt am Rahmen und blickt direkt in die Kamera. Vermutlich ahnen Schüler und Lehrer an diesem Tag im Frühling 1920 nicht, dass sie einmal ein Zeitzeugnis sein werden, dass die Wermelskirchener die Fotografie unter die Lupe nehmen werden und sich so ein Bild vom Schulleben Anfang des 20. Jahrhunderts machen werden – lange nachdem ihr Schulgebäude abgerissen wurde und ein neues entstand.

Die Abbildung vom Höferhof in Dabringhausen ist eine von zwölf Aufnahmen, die der Bergische Geschichtsverein in Wermelskirchen (BGV) in seinem neuen Bildkalender vorstellt. Es ist der siebte Kalender mit historischen Aufnahmen in Folge – und der zweite, der sich einem Thema widmet. „Das Schulleben in Wermelskirchen hat viele Geschichten zu bieten“, sagt Volker Ernst. Der BGV-Vorsitzende hat das Archiv durchstöbert, die Aufnahmen gesammelt und sich auf die Spuren der Schulgebäude gemacht. Seit Jahrzehnten sammle der Verein Material zur Schulgeschichte, erzählt er. Für den Kalender galt es, eine Auswahl zu treffen.

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„Im Laufe der Zeit hat es in unserer Stadt 120 Schul-Standorte gegeben“, erzählt er. Allein die Grundschule Tente sei seit ihrer Gründung etliche Male umgezogen – von Braunsberg nach Bähringhausen, dann weiter Richtung Ortsmitte, schließlich nach Herrlinghausen und dann an den jetzigen Standort an der Bundesstraße. Und jedes dieser Gebäude hat seine Geschichte.

Volker Ernst hat sich diesem Kapitel der Wermelskirchener Heimatgeschichte nicht nur für den neuen Bildkalender gewidmet. „Im nächsten Jahr werden wir auch ein Buch zur Schulgeschichte veröffentlichen“, verrät er. Und weil er einmal in der Materie steckte, entschied er sich auch für den Kalender für Aufnahmen aus dem Schulleben. Dabei macht er eine Reise durch die Stadt: Sie reicht von der Aufnahme vom Höferhof 1920 über die erste Pestalozzischule in den 1950er Jahren, die Preußische Fachschule für Schuh- und Schäfteindustrie, die heute Teile des Berufskollegs beherbergt, bis zu einer Abbildung der Realschule von 1975, der Alten Schule in Dhünn von 1890 und der Dörpfeldschule in Zeiten des Nationalsozialismus.

„Bis 1968 hat es in unserer Stadt 21 Volksschulen gegeben“, erzählt Volker Ernst beim Durchblättern durch den Kalender. Kinder gingen dort bis zur achten Klasse in den Unterricht. Nach der Schulreform 1968 gab es sieben Grundschulen und drei Hauptschulen. Volker Ernst kennt zahlreiche Kapitel und Entwicklungen, weiß um den Verbleib der alten Gebäude und um die Bedeutung von Schulstandorten. Und die Schulgeschichte ist noch lange nicht am Ende.

Das zeigen auch die aktuellen Fotografien, die Volker Ernst jeder Kalenderblattseite zugewiesen hat. Der BGV-Chef hat sich dafür auf Spurensuche begeben. Was ist aus den alten Gebäuden geworden, durch welche Schultrakte wurden sie abgelöst oder erweitert und an welchen Standorten sind grüne Wiesen entstanden. Die jeweilige aktuelle Aufnahme hat er eingeklinkt – und ermöglicht damit eine spannende Zeitreise. „Mit ganz aktuellen Einblicken“, sagt er und deutet auf ein Foto vom Abriss der Realschule, das er vor einigen Wochen aufnahm. Manchmal sind die alten Mauern der Schulgebäude noch deutlich zu erkennen, manchmal muss der Betrachter suchen. Und in vielen Fällen laden vor allem tanzende Kinder und streng drein blickende Lehrer zum genauen Hinsehen ein. „Sollte jemand ein bekanntes Gesicht entdecken, freuen wir uns über einen Hinweis“, sagt Volker Ernst.

Warum er sich immer wieder die Mühe mache? Und wie ihm die Zeitreise gelinge? „Ich bin hier Zuhause“, sagt Volker Ernst. Mehr nicht. Das ist seine Motivation, das nährt seinen Entdeckergeist. Im neuen Bildkalender können es ihm die Wermelskirchener gleich tun – egal, ob sie hier geboren sind oder hier ein Zuhause gefunden haben.