Eigenverantwortungsverfahren bei Steinco inWermelskirchen

Antrag auf Eigenverwaltungsverfahren beim Amtsgericht Köln : Sanierungsverfahren bei Steinco

Geschäftsbetrieb und Produktion werden unverändert weitergeführt. Das Unternehmen soll zukünftsfähig durch das Eigenverwaltungsverfahren neu aufgestellt werden. Sanierungsexperten unterstützen die Geschäftsführung.

Die Firma Steinco Paul vom Stein GmbH steckt in einer Unternehmenskrise. Nun soll das Traditionsunternehmen mit einem Sanierungsverfahren zukünftsfähig neu aufgestellt und die Ertrags- und Liquiditätslage deutlich verbessert werden. Dazu hat die Steinco-Geschäftsführung beim Amtsgericht Köln einen Antrag für ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt. Das Gericht hat dem Antrag vollumfänglich entsprochen, heißt es in einer Mitteilung der Sanierungsberatung Buchalik Brömmekamp (Düsseldorf) Die Beratungsfirma und der Sanierungsexperte Volker Schreck werden Steinco in dem Verfahren unterstützen.

Die Produktion  und der Geschäftsbetrieb werden laut Steinco nahtlos fortgeführt. „Wir liefern unsere Steinco-Produkte weiterhin in der gewohnten Qualität und die Aufträge werden vertragsgemäß abgewickelt. Schon deshalb haben Kunden und Lieferanten signalisiert, dass sie uns in dem Verfahren weiter unterstützen und den nun gewählten Sanierungsweg mitgehen“, teilt die Steinco-Geschäftsführung mit.

Die rund 280 Mitarbeiter in den insgesamt vier Werken, drei davon in Wermelskirchen und eins in Dautphetal/Hessen, wurden von dem Verlauf des Verfahrens informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter werden pünktlich und ohne Einschränkungen weiter bezahlt, heißt es in der Mitteilung.

Das Traditionsunternehmen, das 1926 gegründet wurde, nutzt mit der Eigenverwaltung ein Verfahren, das in dieser Form erst seit 2012 zur Verfügung steht, erklärt Schreck. Wesentliches Ziel der Eigenverwaltung sei es, das Unternehmen dauerhaft fortführen und erhalten zu können. „Deshalb genehmigt das Amtsgericht dieses Verfahren nur, wenn es die Sanierung für erfolgversprechend hält.“ Es erfolge nun eine Standortbestimmung der Steinco, in der „wir für die defizitären Bereiche geeignete Sanierungsmaßnahmen entwickeln werden“. Gleichzeitig erfolge ein Ausbau der jetzt schon profitablen Bereiche, so Volker Schreck von Buchalik Brommekamp. Er soll das  Verfahren steuern und umsetzen sowie die bisherige Geschäftsführung als Sanierungsgeschäftsführer ergänzen. Er verfüge über umfangreiche Erfahrungen in der Sanierung von Produktionsbetrieben, heißt es in der Mitteilung der Beratungsfirma.

Steinco ist Hersteller von Rollen, Rädern, Drehteilen und Schnellverschlusskupplungen und beliefert hauptsächlich die Automobilindustrie und die Gesundheitsbranche.  Erst vor zwei Jahren hatte das Unternehmen kräftig investiert: Steinco kaufte für einen einstelligen Millionenbetrag das ehemalige Fertigteillager von Posseik an der Handelsstraße. Dort sollten 60 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz finden. Sie waren vorher an der Wustbacher Straße beschäftigt. Die dortige Produktionsstätte verkaufte an die Firma Stöcker. Der Kauf sei für Steinco eine große Nummer gewesen, sagte im August 2016 der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stephan Kastner. Der Gebäudekauf passe in die mittelfristigen Ziele: „Das ist eine reine Maßnahme in unserem Wachstumsplan“, so Kastner damals.

Die Restrukturierungs- und Rechtsexperten von Buchalik Brommekamp werden jetzt mit der Steinco-Geschäftsführung ein tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln. Diesem Konzept, dass auch die Entschuldung des Unternehmens aufzeigt, müssen die Gläubiger zustimmen. „Steinco ist gut aufgestellt und es gibt ein eindeutiges Potential für eine dauerhaft erfolgreiche Fortführung des Unternehmens, so Schreck.

In der Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung die Ruder weiter in der Hand. Sie kann die Sanierungsmaßnahmen selbstständig entwickeln und durchführen. Vom Gericht wird jedoch ein vorläufiger Sachwalter bestellt, der hauptsächlich die Aufgabe übernimmt, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen. Das Amtsgericht hat Dr. Andres Ringstmeier als vorläufigen Sachwalter bestellt.

Mehr von RP ONLINE