Dreistündiger Auftritt: „Stunk unplugged“ in Wermelskirchen

„Stunk unplugged“ in Wermelskirchen : Stunker liefern legendären Abend ab

In der ausverkauften Katt begeisterte das zwölfköpfige „Stunk unplugged“-Ensemble das Publikum derart, dass es die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen hält.

(sng) Standing ovations nicht nur zum Schluss, sondern auch während der Vorstellung. Ein schunkelndes, mitklatschendes und mitsingendes Publikum von der ersten Minute an. Heißhungrig und begierig auf die nächste Einlage hinfiebernde Zuschauer. Schweißnasse Achselhöhlen bei den zwölf leidenschaftlich aufspielenden Akteuren auf der Bühne und bei den nicht minder engagierten Besuchern. Der dreistündige „Stunk unplugged“-Abend in der kleinen Halle der Kattwinkelschen Fabrik entpuppte sich als Hexenkessel der Begeisterung – immer wieder erhoben sich die Gäste in den ausverkauften Reihen von den Stühlen. Als sich die Künstler nach der Vorstellung ins Gästebuch der Kattwinkelschen Fabrik eintrugen und die gut gelaunten, feierfreudigen Besucher bereits auf dem Weg in die Nacht waren, attestierte Katt-Programmmacher Achin Stollberg dem Ensemble: „Das war ein legendärer Abend, der unvergessen bleiben wird.“

„Stunk unplugged“ unter dem Motto „Stimmung bleibt“ tourt derzeit durch ausgewählte Säle der Region – die die „kleine Schwester“ der beliebten Stunksitzung im Kölner E-Werk, die als Speerspitze des alternativen Karnevals gilt. Die „Unplugged“-Variante, also die vom angestammten Austragungsort losgelöste Version der Kult-Stunk-Sitzung, erwies sich als nicht weniger begeisternd, der sprichwörtliche Funke sprang in der Katt sofort über. Die heimelige Atmosphäre, die Stunk-Sitzungspräsidentin und Moderatorin Biggi Wanninger als „Wohnzimmer-Gefühl“ bezeichnete, trug dazu einen großen Teil bei.

Erwartungsgemäß und dem vorauseilenden, guten Ruf entsprechend bissig nahm das „Stunk“-Ensemble die Kleinen und Großen und diejenigen, die sich für letzteres halten, spitzzüngig aufs Korn: „Warum feiern wir nicht jeden Tag Weihnachten, wo doch jeden Tag jemand geboren wird, der sich später für Gott hält?“, fragte sich Biggi Wanninger und leitete damit einen Auftritt des „Hänneschen-Puppen-Theaters“ ein. Unverkennbar mit Perücke und Anzug verkleidet, stellte eine Puppe, die bei „Stunk“ selbstverständlich von Schauspielern gespielt werden, den US-Präsidenten dar: „Hallo, ich bin der Trump, der größte Asi von der Welt. Ich bin hier in meiner Hair-Force-One.“ Nicht besser kam Erdogan als „Osram, der Große“ weg. Und „Muskelprotz“ Putin rief ins Publikum: „Wenn ich ein Ei essen will, dann pelle ich das Huhn.“

Die Mischung aus Kabarett, Comedy, Schauspiel und Live-Musik bildet das famose „Stunk“-Spektakel, das weder Akteure noch Publikum zu Atem kommen lässt. Das Kult-Abschlusslied „Am Arsch vorbei“, das traditionell eine Stunksitzung beendet, fehlte in Wermelskirchen nicht – das Publikum sang textsicher mit. Marcus Klaar, einst Prinz im Dreigestirn und Karnevalist in Dabringhausen, gehörte mit seiner Frau zu den Besuchern: „Wir sind 'Stunker' seit 1992. 'Stunk' ist ernsthafter, satirischer Karneval, der die Dinge beim Namen nennt. Und bei 'Stunk unplugged' geht es weniger um Technik und Schau, sondern da sind die Typen auf der Bühne dran.“

(sng)