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Dreckiger Country-Bluesrock-Mix mit Herz

Konzert im Haus Eifgen in Wermelskirchen : Dreckiger Country-Bluesrock-Mix mit Herz

Rund 80 Zuschauer waren am Mittwochabend ins Haus Eifgen gekommen und wollten sich den Abend mit ein wenig Country-Bluesrock versüßen. Der Texaner Keegan McInroe, derzeit mit seiner aktuellen CD „A Good Old Fashioned Protest“ auf Europatournee, war zu Gast.

Es war nicht sein erster Besuch in Europa, unterstützt wurde er von mehreren Musikern, zwischenzeitlich stand er aber auch fast ganz alleine mit seiner Akustischen auf der Bühne, lediglich eine zarte Mundharmonika begleitete ihn.

Und das ergab dann insgesamt schon einen Kontrast, wie er größer kaum sein könnte. Denn da war dieser Bär mit den langen blonden Haaren, dem Vollbart und der rauen, kantigen Stimme, die wohl nicht von nur einem Glas Bourbon gegerbt worden war - und der sang dann zu sanft gezupften Gitarrenklängen und einer noch sanfteren Harmonika den Rolling-Stones-Klassiker „Wild Horses“.

Keegan McInroe sorgte aber auch im Bandkontext für gute Stimmung. Denn sein im besten Wortsinne dreckiges Organ harmonierte perfekt mit dem simpel pumpenden E-Bass, der zusammen mit dem Schlagzeug einen dichten Rhythmusteppich zurechtzimmerte, auf dem sich die warme E-Gitarre bisweilen in famose solistische Höhen erhob und ansonsten rockige Akkorde anschlug. In bester Elwood-Blues-Manier erklang dazu die Mundharmonika, setzte harmonische Farbtupfer auf die Klanglandschaft und sorgte so für eine weitere Facette dieses tatsächlich ganz und gar hemdsärmeligen Gesamtsounds. Der übrigens beim Publikum sehr gut ankam, was sich auch am kräftigen Applaus zeigte.

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Bisweilen wirkte der Bandkopf, der ab und zu eine elektrische Telecaster-Gitarre gegen die Akustische tauschte, wie ein Überbleibsel der Grunge-Szene der 1990er-Jahre. Wenn er etwa bei „I Got Trouble“ - „Den Song liebe ich, weil sich praktisch jeder damit identifizieren kann. Schließlich hatte wohl jeder Mensch schon mal Ärger“, nuschelte der sympathisch-verstrahlte Texaner in der dazugehörigen Ansage ins Mikro. Das hatte durchaus etwas von der damaligen, hart rockenden Antwort auf Glanz und Glamour des Hair-Metal der 1980er-Jahre. Aber natürlich waren Songs wie „Strawberry Pickers“ oder das Muddy-Waters-Cover „Champagne & Reefer“ wesentlich tiefer im Bluesrock verwurzelt, als Nirvana und Pearl Jam.

Wozu zum einen die Mundharmonika beitrug, aber auch Michael Dierks, der im späteren Verlauf des Abends satt wummernde Hammondklänge beisteuerte. Auf jeden Fall bewies der Texaner Geschmack in der Auswahl seiner Coversongs, die er immer wieder einstreute. So etwa das psychedelische „Fire On The Mountain“ der Kiffer-Legenden „Greatful Dead“. Das fast zehnminütige Stück, das praktisch nur auf zwei sich wiederholenden Akkorden basierte, wurde von den Soloinstrumenten für ausufernde Solospots genutzt, bei denen sich das Kopfkino gar nicht mehr groß anstrengen musste, um Gras-Geruch durchs Haus Eifgen wabern zu lassen, während draußen Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihren schweren Harleys vorfuhren, kurz ein „here today, gone tomorrow“ ins Haus Eifgen warfen und sich weiter auf die Suche nach der spirituellen Erfüllung machten.

Es war eine echte Freude, den Musikern zuzuhören, die für rund zwei Stunden drauflosrockten und sich über die enthusiastischen Reaktionen im Publikum mindestens genauso freuten, wie dieses über einen energiegeladene Auftritt.