Wermelskirchen: Displays gegen Motorradlärm

Wermelskirchen : Displays gegen Motorradlärm

Die Politiker in den Fachausschüssen - Stadtentwicklung und Verkehr, Umwelt und Bau - haben jeweils einstimmig beschlossen, kurzfristig zwei Dialog-Displays anzuschaffen. Ziel ist, die Motorradfahrer zu sensibilisieren, auch an die Anwohner zu denken und den Motorradlärm zu reduzieren. Diesen Antrag auf Beschaffung hatte die Arbeitsgruppe Motorradlärm gestellt - 17.000 Euro kosten diese Displays.

Während der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr innerhalb von fünf Minuten das Thema durchwinkte, gab der Umwelt- und Bauausschuss Jürgen Steger, Mitglied der Arbeitsgruppe, das Rederecht. Die Gruppe, machte er deutlich, "verteufle" nicht die Motorradfahrer - 20 bis 30 Prozent der Fahrer, die Lärm verursachten, seien Harley-Fahrer. Diejenigen, die für Lärm und Geschwindigkeit sorgten, gehören als sogenannte Knieschleifer zur Rasergruppe. Die kämen nur wegen der Kurven ins Bergische. "Deshalb ist mir wichtig: "Wir dürfen nicht alle in einen Topf werfen." Aber es gebe ein Sicherheitsproblem im Bereich Markusmühle wie Asterweg. Anwohner hätten inzwischen Angst, ihre Kinder dort laufen zu lassen: "Es gibt keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Und dadurch wird das saugefährlich."

Gerade gegen den Tourismus- und Spaßlärm müsse angegangen werden - "das wird ein langsamer Stufenprozess. Aber da müssen wir durch." Deshalb müsse mit Saisonbeginn 2018 mit den ersten Maßnahmen beginnen. Die Displays seien ein guter Einstieg. Aber er ist realistisch: Nur 20 bis 25 Prozent der Fahrer könnten sensibilisiert werden. "Danach müssen wir sehen. Wenn's mit dem Empathie-Vorstoß nicht klappt, müssen weitere Stufen folgen - den Spaßfaktor in den Kurven nehmen, von repressiven Maßnahmen durch die Polizei bis hin zu Streckensperrungen. Letzteres sei aber schwer durchzusetzen. "Es wird ein Prozess über mehrere Jahre, und wir bitten die Politik, uns zu unterstützen."

Überhaupt nichts von diesen Displays hält Michael van Essen. Er ist Anwohner der Preyersmühle. In einer E-Mail an die Bergische Morgenpost schreibt er: "Bereits vor zwei Jahren installierte ich ein Schilde ,Bitte nicht so laut' und einem Motorradsymbol." Der erhoffte Effekt aber schlug um: "Motorradfahrer blieben am Schild stehen, jagten ihre Motoren hoch, ließen Räder durchdrehen und machten Rennstarts." Dies werde bei den nun geplanten Displays nicht anders sein, meinte van Essen.

Der Anwohner spricht inzwischen von "Terror durch den Motorradlärm", den er nicht mehr länger mitmachen wolle und nun den Klageweg, notfalls bis nach Berlin und Brüssel, einschlagen werde. Er wirft der Stadt vor, Entscheidungen zu treffen, ohne mal die Örtlichkeiten zu prüfen. "Mehrfach wurden Angebote, sich vor Ort in der Preyersmühle ein Bild zu machen, nicht wahrgenommen", schreibt er.

Michael van Essen sieht es als Pflicht auch der Stadtverwaltung an, Bürger zu schützen - vor Emissionen, aber auch vor aus seiner Sicht vermeidbaren Lärmemissionen.

(RP)