Wermelskirchen: Digitale Plattform an Schulen erfolgreich

Wermelskirchen: Digitale Plattform an Schulen erfolgreich

Ein Medienentwicklungsplan soll die Schulen bei der Digitalisierung voranbringen. Zumindest die weiterführenden Schulen sind ganz gut aufgestellt. Als Ausnahmen im Kreis nutzen sie bereits erfolgreich eine digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform.

Als FDP-Parteichef Christian Lindner im NRW-Wahlkampf für mehr Bildung mit digitalen Medien warb, ließ der ehemalige Schülersprecher des Gymnasiums Wermelskirchen einen plakativen Spruch los: Das Digitalste an Schulen dürfe nicht die Pause sein, forderte er. Laut FDP-Pressereferent Marcel Kauling hatte der Liberale dabei Schüler im Hinterkopf, die in der Pause versiert mit ihren Smartphones umgehen, während es in den Schulräumen "oft noch wie in der Kreidezeit zugehe".

Eine Kritik, die auf die weiterführenden Schulen in Wermelskirchen nicht zutrifft. Denn es ist zwar richtig, dass mittlerweile auch der Schülerschaft des hiesigen Gymnasiums ab der siebten Klasse "die Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte in den großen Pausen, in der Mittagspause und und in den Freistunden außerhalb des Unterrichts gestattet ist". Weshalb dort in der Tat in den Pausen viele Kinder und Jugendliche mit Smartphones in der Hand zu sehen sind. Richtig ist aber auch, dass am Gymnasium und ebenso an der Sekundarschule schon eine digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform im Einsatz ist, um die etliche Lehrkräfte anderer Schulen die Mitarbeiter der Schulleiter Bahr und Paulig beneiden.

Ganz zeitgemäß sind an beiden Schulen alle Lehrkräfte über eine Email-Adresse der Schule erreichbar - und das nicht nur untereinander, sondern auch für die Schülerschaft und ihre Eltern. Ermöglicht wird das durch ein System "Logineo", das laut Gymnasiallehrer Stephan Neuhann, der gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Rodermund Administrator ist, "schulische Abläufe vereinfacht". Die Vereinfachung bestehe etwa darin, "dass Termine in persönlichen Kalendern, Schul- und Gruppenkalender organisiert und verglichen werden".

Ferner "können Räume und Medien belegt und reserviert werden". Angetan von dem System zeigt sich auch Dietmar Paulig, Leiter der Sekundarschule: "Wir nutzen Logineo mittlerweile sehr intensiv, nicht nur als Mail-Adresse, sondern auch für den Austausch zwischen verschiedenen abgegrenzten Fachgruppen und Teams, zur Datensammlung, als Informationsspeicher oder Speicher für Unterrichtsmaterial, das allen Kollegen zur Verfügung steht."

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Klingt praktisch, kostet die Stadt als Schulträgerin auch gar nicht viel und ist dennoch keine Selbstverständlichkeit: "In NRW nutzen 143 weiterführende Schulen Logineo, davon 70 Gymnasien", teilt Frank Beermann von der LVR-InfoKom mit. "Auf den Rheinisch-Bergischen Kreis entfallen davon drei weiterführende Schulen, darunter zwei Gymnasien."

Das Gymnasium führte die neue Schulplattform im Juni 2015 ein. Seitdem ist Logineo Teil eines übergeordneten Medienkonzeptes, das laut der für das Konzept am Gymnasium zuständigen Lehrerin Daniela Kortebusch "über alle Fächer hinweg nach und nach in die Lehrpläne eingearbeitet wird". Kommt es dabei zu Hardware- oder Serverproblemen, ist laut Schulleiterin Marita Bahr "in erster Linie die Stadt als Schulträger der direkte Ansprechpartner". Hilfreich seien aber auch die Kenntnisse jener Schüler, "die sehr versiert im Umgang mit digitalen Medien sind". Indes bedeute "eine gute Bedienung nicht unbedingt eine kritisch reflektierte Mediennutzung". Diese sei ihrem Kollegium jedoch wichtig. Schließlich wolle man den Schülern "neben Anwendungskenntnissen auch Medienkompetenz vermitteln".

Für den Prozess der Digitalisierung insgesamt wäre es laut Bahr gut, wenn es eine Breitbandanbindung mit einer stabilen Leitung gebe. Diese müsse "weit über die aktuellen 150 Megabits je Sekunde hinausgehen". Erst dann wären die Bedingungen gegeben, um "die Infrastruktur für ein flächendeckendes W-Lan zu errichten". Bis dahin muss der digitale Wandel an den Schulen eben ohne ein gut ausgebautes drahtloses Netzwerk weitergehen - aus Bahrs Sicht indes mit Augenmaß. Eine komplette Digitalisierung der Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften etwa sei nicht in ihrem Sinne. Weshalb die Schulleiterin auch betont, dass "Logineo kein Informationsaustauschprogramm mit Eltern ist". Kritisch sieht sie zudem die Verständigung zwischen Lehrern und Schülern via Instant-Messaging-Diensten: "Für rein organisatorische Abstimmungen, zum Beispiel in einer Projektwoche, ist ausnahmsweise die Verständigung über soziale Netzwerke denkbar und effektiv. Dies sollte aber unbedingt die Ausnahme bleiben." Schulischer Kontakt sei immer auch professioneller Kontakt und gehöre "vom privaten Kontakt medial getrennt".

(RP)