1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Dieter Falk erlaubt in Wermelskirchen Blick hinter die Kulisse

Brotzeit in der EFG an der Neuschäferhöhe : Dieter Falk erlaubt Blick hinter die Kulisse

Bei der „Brotzeit“ las der Musikproduzent aus seiner Autobiografie – und begeisterte mit unglaublicher Musik.

Dieter Falk erzählt als sei es gestern gewesen. Neben ihm auf dem Beifahrersitz hat Howard Carpendale Platz genommen. Die beiden sind verabredet, um gemeinsam einen neuen Hit zu schreiben. Treffpunkt: Stuttgart, im Reihenhaus von Dieter Falk und seiner Familie, im Musikzimmer im Keller. „Ich habe genau gesehen, wie er unser Zuhause gemustert hat“, sagt Dieter Falk und lacht. Der war damals schon einer von Deutschlands gefragtesten Musikproduzenten, hatte mit großen Bands und bekannten Künstlern zusammengearbeitet. Und nun also ein Termin mit Howard Carpendale.

„Ich habe ein kleines Ritual“, verrät Falk, „am Anfang gehe ich mit den Künstlern immer für eine kleine Session ans Klavier. So lernt man sich gut kennen.“ Das hatte bisher mit allen geklappt – mit Nazareth und Neil Young, mit den Künstlern von PUR oder Pe Werner. Aber zum Komponieren mit Howard Carpendale standen die Zeichen an diesem Tag schlecht: acht Takte in fünf Stunden. Carpendale probte auf der Terrasse hinter dem Haus und wurde von der Nachbarin verscheucht, auf der Toilette wurde er von Falks Sohn überrascht. „Kein guter Tag“, sagt der Musikproduzent schmunzelnd und das Publikum freut sich über die ungewohnten Einblicke hinter die Kulissen.

  • Rund um die Gommansche Mühle steht
    Kultur-Roadtour Kreis Wesel : Acht Stunden Comedy und Musik an der Gommanschen Mühle
  • Dominik Wagner und Florian Wagner sind
    Konzert mit Witz in Rheinberg : Musikalische Brüder fechten auf der Bühne
  • Pierre-Laurent Aimard begrüßt Alfred Brendel im
    Konzert beim Klavierfestival Ruhr zu Ehren Alfred Brendels : Geistiger Kraftakt am Klavier

Dieter Falk hat zur „Brotzeit“ am Freitagabend in der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Neuschäferhöhe viele kleine Episoden aus seinem Leben als Musikproduzent im Gepäck – von zehn Jahren mit der Band PUR über seinen Einsatz in der Popstar-Jury bis hin zu seinen großen Musicals mit riesigen Chören in den Arenen dieses Landes. An diesem Abend erzählt er, liest, plaudert: Das geschieht so fließend, dass sich das Publikum gut unterhalten in den Stühlen zurücklehnt, sich die Schorle und die Nüsse schmecken lässt, die das engagierte Gemeinde-Team serviert. Dieter Falk ist ein begnadeter Erzähler – weil er viel zu erzählen hat und weil er dabei bodenständig und freundlich wirkt.

Und das Beste: Dieter Falk streut Melodien ein. Und dabei besinnt er sich auf seine Spezialität: Er gibt christlichen Chorälen einen neuen Klang. Er rockt und jazzt, würzt Stücke von Bach oder Luther mit Gospel, Pop und Swing. Das Ergebnis ist fantastisch – nicht nur, weil Falk selber am Klavier glänzt, sondern auch, weil Schlagzeuger Daniel Rheinbay zaubert, feiert und es krachen lässt. Die beiden spielen sich die Bälle zu – bei „Nun danket alle Gott“ genauso wie beim Italienischen Konzert in F-Dur oder „Lobe den Herren“. Und kaum sind der letzte Ton und der tosende Applaus bei einem Stück verklungen, beginnt Falk wieder zu erzählen. „Ich freue mich, dass ihr applaudiert“, sagt er dann, „das war nicht immer so.“

Damals bei seinem ersten Solo-Konzert, habe man ihm den Saft abgedreht: Als er „Nun danket alle Gott“ musikalisch gegen den Strich gebürstet habe, sei das der freikirchlichen Gemeinde in Fulda zu weit gegangen. „Ich musste gehen“, sagt Falk.

20 Jahre später bürstete er einen Choral erneut gegen den Strich: bei Pro7 vor einem Riesenpublikum. Warum sich Castingshows und Kirchenlieder widersprechen sollten, wundert er sich. „Es ist schade, dass beides als Gegensatz empfunden wird“, sagt er. Dieter Falk schafft diesen Spagat: zwischen großer Musikszene und christlichen Melodien, zwischen uralten Kirchenliedern und vollen Arenen.

Es ist dieser unglaubliche Weg vom Kirchenchor, den seine Mutter leitete, bis ins Tonstudio nach London, in dem „The Who“ nebenan spielte oder auf die Bühne mit PUR, die seine Geschichte so außergewöhnlich macht.

Und gleichzeitig sind es sein Gespür für Musik, sein Talent und sein Genie am Flügel, die das Publikum am Freitagabend begeistern. Immer mal wieder darf das Publikum mitsingen – mit Maske versteht sich. Dann lädt Falk die Zuhörer ein, beliebige Gesangbuch-Lieder in den Raum zu rufen, er stimme dann ein Medley an. „Eine fest Burg“ trifft auf „Es kommt ein Schiff geladen“. Falk und Rheinbay zaubern. Und wieder ist das Ergebnis atemberaubend – weil so spontan und authentisch. Denn auch das verrät Dieter Falk an diesem Abend: Choräle sind für ihn nicht nur Musik – ob nun klassisch oder verrockt – sie sind auch Lobpreis.