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Die Wermelskirchenerin Marie-Louise Lichtenberg hat ihr zweites Buch veröffentlicht

Wermelskirchenerin veröffentlicht zweites Buch : Das Fremde begreifbar und sichtbar machen

Die ehemalige Hauptschullehrerin Marie-Louise Lichtenberg hat mit „Ein Gefühl von Zukunft“ ein eindringliches Buch mit Porträts von Geflüchteten geschrieben.

Als im Sommer und Herbst des Jahres 2015 auf einmal viele Hunderttausend Menschen aus verschiedenen Krisenregionen dieser Welt nach Europa und Deutschland kamen, haben viele Menschen gesagt: „Wir wollen helfen, anpacken, Not lindern.“ Die Hilfsbereitschaft ging quer durch alle Städte, Schichten und Bereiche, jeder schien das zu machen, was er oder sie am besten konnte.

In Wermelskirchen entstand damals die Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“, in der sich viele Bürger ehrenamtlich als Paten, Deutschlehrer, in den Notunterkünften und den Kleiderkammern engagierten. Auch Marie-Louise Lichtenberg, ehemalige Lehrerin an der Hauptschule, sagte sich damals, dass sie irgendwie helfen wollte. „Das hat einfach meiner Art entsprochen, ich fühle mich den Menschen sehr zugewandt. Das ist grundsätzlich eine Herausforderung, wenn man helfen will“, sagt Lichtenberg. Sie sei dann regelmäßig ins Café International der Initiative gegangen. „Ich kannte die Helfer ja, aber ich lernte auch ganz schnell die Menschen aus aller Welt kennengelernt, die neu in unserer Stadt waren“, sagte Lichtenberg.

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So seien Kontakte entstanden, viele Gespräche seien geführt worden, aber vor allem sei durch die vielen Unterhaltungen in ihr eine Erkenntnis gereift. „Ich wollte die Menschen sichtbarer und begreifbarer machen. Geflüchtete werden oft als gesichtslose Masse wahrgenommen. Und damit wirken sie auch bedrohlicher, als sie sind“, sagt Lichtenberg.

Von der Idee, ein Buch zu schreiben, war sie damals allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Dafür seien die Aufzeichnungen eines Menschen aus Eritrea gewesen, die sie zu lesen bekommen habe. „Der Mann hat seine Geschichte aufgeschrieben, das war eine gewisse Form der Inspiration für mich. Im Februar 2016 habe ich dann ein erstes Porträt eines Geflüchteten geschrieben“, sagt Lichtenberg. Da sei ihr dann klar geworden, dass sie ein Buch schreiben wollte. „Ich wollte damit gegen die Vorurteile und Pauschalisierungen vorgehen, dagegen ankämpfen. Ich habe gemerkt, dass immer von einzelnen auf eine Gruppe geschlossen wird. Das finde ich unfair“, sagt Lichtenberg. Klar gebe es Negativbeispiele, die sollten auch nicht unter den Tisch gekehrt werden. „Aber das Gute überwiegt. Das Gute und Bereichernde soll betont werden“, erklärt die ehemalige Lehrerin.

Die folgenden zwei Jahre arbeitete Lichtenberg an ihrem Buch. Immer im Gespräch und Austausch mit den Geflüchteten. „Im Juli des Vorjahres war ich dann fertig. Gerade das Jahr bis dahin habe ich sehr intensiv daran gearbeitet. Einfach weil auch klar wurde, dass es in Richtung Ziel ging“, sagt Lichtenberg.

Nicht so einfach sei es gewesen, einen Verlag für das Buch zu finden, dessen Titel übrigens an ein Zitat des Wermelskirchener Bürgermeisters Rainer Bleek angelehnt wurde. „Das Thema erschien wohl vielen Verlagen als wirtschaftlich nicht interessant genug. Ich habe mich dann an den Verlag Allitera aus München gewendet, der schon mein erstes Buch herausgebracht hat“, sagt Lichtenberg. Der habe dann zugesagt – weil er von der Autorin und dem Thema ihres Buchs überzeugt gewesen sei.

Parallel zur Buchveröffentlichung, die Mitte Mai dieses Jahres war, habe Lichtenberg an einer Ausstellung mit dem Titel „Flucht – früher und heute“ gearbeitet. „Ich verbinde darin meine beiden Bücher, die sich genau mit diesen Themen auseinandersetzen und zeige, dass die Geschichten sich in gewisser Weise sehr ähnlich sind“, sagt Lichtenberg. Zu sehen sein solle die Ausstellung zuerst in Wermelskirchen, voraussichtlich im Frühherbst. „Ich finde es sehr gut, dass das Thema auch bei der Stadtspitze als sehr wichtig angesehen wird, was man auch am Engagement Rainer Bleeks für das die Ausstellung sehen kann.“