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Corona-Krise in Wermelskirchen : Stadtverwaltung handlungsfähig halten

Seit Montag leitet der Technische Beigeordnete Thomas Marner den Stab für außergewöhnliche Ereignisse.

Es ist 9.30 Uhr. Für Thomas Marner eigentlich viel zu spät. Denn als Techniker ist er frühes Aufstehen und Arbeiten im Rathaus gewohnt. 7.30 Uhr, das steckt in ihm, beginnt er sein Tageswerk in der Regel. Daran hat sich seit Montag nichts geändert. Das war sein erster „Arbeitstag“ als Leiter des Stabs für außerordentliche Ereignisse (SAE). Eigentlich ist es ein Krisenstab auf städtischer Ebene, aber so darf er es nicht nennen. Marner hat die Stabsarbeit übernommen, um das Rathaus handlungsfähig zu halten.

Das Coronavirus hat viel durcheinandergewirbelt. Auch im Rathaus. Wer seit Montag jemanden erreichen will, läuft meist ins Leere. Viele Konferenzen, Gespräche. Alles wartet auf die Allgemeinverfügungen des Landes. Dort prescht der Ministerpräsident meist vor, verkündet Entscheidungen, die aber noch umgesetzt werden müssen. Das dauert. Das erfordert Gespräche, Abstimmungen vor Ort. Dafür ist der Stab da. Überprüfungen, Umsetzungsverfügungen formulieren.

Seit Montag tagt jeden Tag um 9.30 Uhr der Stab. Dass Thomas Marner der Leiter ist, hat einen einfachen Grund. Er ist der dritte Mann im Rathaus nach Bürgermeister Rainer Bleek und dem Ersten Beigeordneten Stefan Görnert. Bleek ist Einsatzleiter im Krisenfall, Görnert sein Stellvertreter. „Herr Bleek kann die Arbeit nicht leisten, er hält die Außenkontakte, die Kommunikation auch mit anderen Kommunalbeamten oder dem Kreis“, sagt Marner. Bleek habe ihn gefragt, ob er den Job machen wolle. „Gefragt, nicht bestimmt“, sagt Marner ganz bestimmt. Er hat sofort Ja gesagt.

Sein Tagesablauf hat sich seither geändert. Viele Termine im technischen Bereich sind ausgefallen. Treffen finden nicht mehr statt, weil Firmenvertreter nicht mehr reisen. Das hat ihm mehr Luft verschafft. „Seit Montag hat die Stabsarbeit absolute Priorität“, erzählt er. In seinem eigentlichen Arbeitsbereich ist er kaum noch tätig. „Mal fünf Minuten, mal 20 oder 30 Minuten – am Tag“, berichtet er.

Wenn der Stab sich um 9.30 Uhr trifft, hat er sich schon eingearbeitet, mit seiner Geschäftsführung getroffen, das Wesentliche vorgesprochen. Er gesteht ein: „So etwas habe ich noch nie gemacht“, aber er sagt von sich, dass er ein Händchen dafür habe, etwas zu organisieren.

Doch der Stab – das ist nicht er allein. Der „Kopf“, das ist eine Art Geschäftsführung mit ihm als Leiter, Jürgen Scholz (sonst Leiter Haupt- und Personalamt), als Stellvertreterin Beate Wichmann (sonst Koordinatorin E-Government, Leitung betriebliches Gesundheitsmanagement) und Michael Weidner (sonst Sachgebietsleiter Personal und Organisation) als Geschäftsführung sowie die Pandemie-Beauftragte Tanja Lange, die sonst als Koordinatorin Arbeitsschutz und Betriebsmedizin im Haupt- und Personalamt fungiert. „Diese fünf Leute, das ist der engste Kreis“, berichtet Marner. Und dann sind da weitere zehn bis zwölf Mitarbeiter, zumeist Amtsleiter, die um 9.30 Uhr dazustoßen. „Ich würde untergehen, wenn ich allein wäre“, gesteht er. Sollte die Situation dauerhaft bleiben, werde es sicher auch zu Personalverstärkungen kommen.

„Wir effektivieren uns gerade“, sagt Marner mehrfach. Damit meint er die Unterstützung eines kompetenten Feuerwehrmannes, der den Stab fit macht für die anstehende Aufgabe. „Wir nutzen seine Kompetenz, denn er ist geschult und hat ein großes Fachwissen, wie ein Stab effektiv, zügig und mit wenig Aufwand viel erreichen kann.“ Der Stab habe es schon geschafft, in weniger als einer Stunde Themen besprochen und Aufträge erteilt zu haben. Hier könne man nicht mit zehn oder zwölf Leuten diskutieren. „Arbeitsgruppen bekommen Aufgaben, in ein bis zwei Tagen liegen Ergebnisse vor, und der Stab kann entscheiden. Das nenne ich effektiv“, so Marner.

Er entscheidet aber auch ohne Stab – die Kompetenz hat er. So etwa, als es um die Spielplätze ging. „Wir müssen vieles auf Wermelskirchen runterbrechen. Da sind auch schon mal schnelle Entscheidung gefragt.“ Wie mit den Spielplätzen. Da lag die Allgemeinverfügung noch gar nicht vor. Auch als es um die Schließung der Geschäfte ging, konnte das nicht gleich umgesetzt werden. „Deshalb galt das auch erst ab Donnerstag.“

Für ihn ist wichtig, mit gesundem Menschenverstand zu entscheiden. Dabei fragt er sich auch immer: Was ist gut für die Mitarbeiter, für die Bürger. Klar sei: In der jetzigen Situation sollten soziale Kontakte dringend vermieden werden. Und deshalb sei für ihn das erste Ziel bei seiner Stabsarbeit, die Gesundheit der Mitarbeiter im Rathaus und deren Angehörigen zu schützen. „Wie schaffen wir das? Ohne persönliche Kontakte. Das Rathaus ist zu. Kontakt nur über Telefon.“ Ziel sei, die Handlungsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten, auch bei einer Verschlimmerung der Lage. Hier würde sich dann alles um das Kerngeschäft drehen, wobei das gerade im Stab definiert werde.

Sollte die Lage eskalieren, gelte es, im Schichtbetrieb zu arbeiten. So bereits im Abwasserbereich. Hier müsse der Kernbetrieb aufrechterhalten bleiben. Denn: Zum Beispiel müsse eine Kanalstörung schnellstens behoben werden – sonst könnte vielleicht Seuchengefahr drohen. „Wir haben inzwischen die Kolonnen geteilt, damit wir in diesem Bereich handlungsfähig bleiben“, erzählt Marner.

Die 50-Stunden-Woche war auch vor Corona fast normal für ihn. „Aber es ist stressiger geworden, weil sich stündlich die Lage ändert und reagiert werden muss.“ Den Stress nimmt er aber nicht mit nach Hause. „Ich fahre dann in die Natur und kann dort komplett abschalten.“ Wenn‘s dann mal extrem war, macht er das auch allein.