„Corona war hier der Auslöser“ Die Stadtbücherei in Wermelskirchen hat ein neues IT-System

Wermelskirchen · Das bisherige Büchereisystem in Wermelskirchen ist in die Jahre gekommen. Nun wurde es mit Hilfe von Landesmitteln komplett umgestellt. Das webbasierte System ist kundenfreundlicher und hat noch weitere Vorteile.

 Büchereileiterin Kathrin Ludwig mit dem neuen IT-System "Koha", mit dem die Stadtbücherei seit Ende November arbeitet.

Büchereileiterin Kathrin Ludwig mit dem neuen IT-System "Koha", mit dem die Stadtbücherei seit Ende November arbeitet.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Die Corona-Pandemie hat nicht nur schlechte Dinge hervorgebracht. Sicher, es sind vergleichsweise kleine Sachen, die vielleicht ohne Corona nicht oder deutlich später angegangen und umgesetzt worden wären. Aber manchmal kann es helfen, sich auch die kleinen positiven Dinge bewusst zu machen. Das bisherige IT-System der Stadtbücherei hat schon viele Jahre auf dem Buckel – in Internet-Dimensionen hätte man es durchaus als „Web-Opa“ bezeichnen können, wie Büchereileiterin Kathrin Ludwig schmunzelnd sagt. „Aber letztlich war Corona hier der Auslöser, dass wir uns um einen Wechsel bemüht haben“, ergänzt sie.

In der Lockdown-Zeit, als auch die Bücherei geschlossen war, habe sich sehr deutlich gezeigt, wie benutzerunfreundlich dieser „Web-Opa“ tatsächlich gewesen sei. „Wir wussten ja, dass das System nicht optimal ist, aber so hat sich eben gezeigt, welche Schwachstellen es wirklich hat“, sagt Kathrin Ludwig.

Vor rund einem Jahr habe sie dann einen Förderantrag ans Land gestellt, um ein neues IT-System zu bekommen. „Die Anschaffung und Inbetriebnahme – also auch die nötige Schulung – wird zu 80 Prozent gefördert. Im Frühjahr dieses Jahres haben wir dann den Bescheid bekommen“, sagt die Büchereileiterin.

Dann habe die richtige Arbeit begonnen, denn für die Ausschreibung habe ein Leistungsverzeichnis erstellt werden müssen. „Da musste alles rein, alles, was das System können und leisten muss. Der Aufwand war wirklich sehr groß“, erklärt Kathrin Ludwig. Im Sommer sei dann klar geworden, dass die Open-Source-Software „Koha“, die erstmals im Jahr 2000 erschienen ist, das Rennen gemacht habe. „Die Software kommt aus Neuseeland, ist aber weltweit in Schul- und öffentlichen Bibliotheken verbreitet“, weiß Kathrin Ludwig.

Vielleicht nicht jedem direkt ins Auge fällt die Tatsache, dass es sich dabei um ein webbasiertes System handelt. „Das bedeutet, dass wir tatsächlich keine Lizenzen erwerben müssen, um von unterschiedlichen Rechnern damit arbeiten zu können – was sich etwa während des Lockdowns, als von zu Hause gearbeitet wurde, gut bewährt hätte“, sagt Kathrin Ludwig. Für die Kunden sei dagegen die moderne Web-Oberfläche entscheidend, die nicht nur einfacher zu bedienen sei, sondern auch dafür sorge, dass die Angebote im Büchereibestand schneller gefunden werden können. „Die Nutzerfreundlichkeit ist wirklich deutlich verbessert. Man kann etwa direkt sehen, ob Medien vorhanden und ausleihbar sind“, sagt die Bibliothekarin. Man könne etwa auch die Neuerscheinungen sehen und über zielgruppenspezifische Links unmittelbar in die jeweiligen Bereiche kommen.

Ein weiterer großer Vorteil sei, dass der Katalog online nutzbar sei. „Es ist einfach ein sehr viel schönerer und einfacherer Einstieg, wenn die Kunden bei uns etwas suchen“, sagt Kathrin Ludwig. Ebenfalls integriert seien in der neuen Software die Angebote der Bergischen Onleihe. „Auch das war vorher anders, denn das waren zwei unterschiedliche Systeme, zwischen denen man hin und her wechseln musste“, erläutert die Büchereileiterin weiter. Jeder Benutzer sei direkt von seinem bisherigen Konto auf das neue umgestellt worden. „Das Konto kann der Nutzer auch selbst steuern und verwalten. So etwa die Vormerkung einzelner Medien – oder auch deren einfache Verlängerung“, sagt Kathrin Ludwig.

Um das neue IT-System zu installieren und möglichst alle Kinderkrankheiten direkt zu beseitigen, wurde die Stadtbücherei Ende November für eine Woche zu Schulungszwecken geschlossen. „Natürlich gibt es noch die eine oder andere Stellschraube, die sich im Live-Betrieb zeigt. Aber die bisherigen Rückmeldungen der Kunden und auch der Kolleginnen hier hat gezeigt, dass es schon recht gut funktioniert“, betont Kathrin Ludwig. Von Montag bis Mittwoch seien die Mitarbeiterinnen geschult worden, am Donnerstag seien die Daten exportiert worden und am Freitag sei das neue System ausprobiert worden. „Wir haben dann den Samstag nicht geöffnet, weil vielleicht am ersten Tag nicht alles rundlaufen würde – und das wäre am Wochenende eher suboptimal“, sagt die Bibliothekarin.

Ein Thema, für das früher auch die Bücherei aufgesucht werden musste, kann nun auch ganz einfach vom Rechner erledigt werden. „Dabei dreht es sich um die Vorschläge für die Anschaffung von Medien“, sagt Kathrin Ludwig. Das könne ganz einfach im jeweiligen Kundenkonto erledigt werden. Und habe sich offensichtlich schon sehr schnell herumgesprochen, sagt Kathrin Ludwig schmunzelnd. „Wir hatten am Samstag tatsächlich schon die ersten fünf Vorschläge von Kunden – das hat uns dann doch sehr überrascht.“

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