Wermelskirchen: Die Polizei rüstet auf Digitalfunk um

Wermelskirchen : Die Polizei rüstet auf Digitalfunk um

Alle Einsatzfahrzeuge der Kreispolizei sind mit digitalen Funkgeräten ausgestattet worden. Diese Technik ist abhörsicher und hat eine bessere Reichweite. Zurzeit läuft eine Übergangsphase - wann komplett umgestellt wird, ist noch unklar.

Die Polizeibeamten in Wermelskirchen mussten im vergangenen Jahr noch einmal die Schulbank drücken - zu ihrem Glück nur einen Tag. Was sie dort lernten, ist aber enorm wichtig für ihre tägliche Arbeit. Sie erhielten detaillierte Informationen über die Nutzung des Digitalfunks. Die Polizei Rhein-Berg rüstet nämlich auf den neuen Technik-Standard um - die mehr als 30 Jahre alten analogen Funkgeräte sollen bald endgültig auf dem Sondermüll landen.

Alle 70 Einsatzfahrzeuge sind bereits mit neuem Funk ausgestattet worden, berichtet Michael Stefer, Dezernent für Polizeitechnik bei der Kreispolizei, auf Anfrage der BM. Es habe im vergangenen Jahr bereits einen sechsmonatigen Testbetrieb gegeben, um mögliche Probleme vor der kompletten Umstellung zu erkennen und dokumentieren. So gebe es zum Beispiel noch ein paar Versorgungsbereiche, die verbessert werden müssten, etwa in Tälern. "Wir befinden uns in einer Übergangsphase - wir nutzen sowohl den analogen als auch den digitalen Funk", berichtet Stefer.

Die Umstellung auf Digitalfunk ist ein bundesweites Projekt, das auf Landesebene umgesetzt wird. Ursprünglich sollte der Wechsel bereits vor Jahren erfolgt sein, doch der Start wurde immer wieder verschoben. Ein genaues Datum, ab wann die Polizei nun ausschließlich digital funken wird, kann Stefer nicht nennen. "Es wird noch etwas dauern, vielleicht klappt es im kommenden Jahr", sagt er.

Das digitale Funknetz, das von der "Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" (BDBOS) errichtet und betrieben wird, hat einige Vorteile im Vergleich zum analogen Funk, betont Stefer. Zunächst einmal ist die Reichweite deutlich verbessert. "Die Technik funktioniert kreisweit - egal, wo man sich befindet", sagt der Experte. Beim Analogfunk gebe es bislang zwei Frequenzbänder und drei Funkkanäle für die Kommunikation über kurze Entfernungen (zur Wache vor Ort) oder längere Wege (zur Leitstelle nach Bergisch Gladbach). Im Digitalfunk werden es mehr als zehn sein.

Außerdem ist die Sprachverständlichkeit beim Digitalfunk deutlich besser, das typische Rauschen der analogen Funkgeräte ist somit Geschichte. Mit der wichtigste Vorteil des Digitalfunks ist für Stefer der Sicherheitsaspekt: "Der digitale Funk ist abhörsicher. Die Sprache wird bereits im Funkgerät codiert und erst im Empfangsgerät wieder entschlüsselt", erklärt er.

Außerdem stehen beim Digitalfunk deutlich mehr Kanäle zur Verfügung. Bislang muss die Polizei Kanäle teilweise doppelt belegen. So kann es theoretisch passieren, dass die Polizei in Münster auf der gleichen Frequenz funkt wie die Kollegen in Bergisch Gladbach. Damit sie sich nicht in die Quere kommen, werden einzelne Funkleitungen in der Leistung und damit auch in der Reichweite gedrosselt. Das soll sich mit dem Digitalfunk ändern.

Für eine bessere Kommunikation wird es künftig mehrere Gesprächsgruppen geben, so dass die Zahl der Kollegen, mit denen gesprochen werden soll, einfach und bequem steuerbar ist. So muss dann nicht mehr die ganze Polizei mithören, wenn zum Beispiel ein Sondereinsatz läuft. Auch die Kommunikation mit anderen Einsatzkräften, zum Beispiel der Feuerwehr, kann über spezielle Gruppen erfolgen.

Wie teuer der Wechsel auf Digitalfunk in Wermelskirchen wird, kann Stefer nicht sagen. Er ist froh, wenn die Übergangsphase beendet ist. "Ich freue mich auf die endgültige Umstellung, denn die neue Technik hat viele Vorteile."

(RP)
Mehr von RP ONLINE