Die lange Nacht der Jazz-Musik im haus Eifgen in Wermelskirchen

Ein volles Haus Eifgen : Die lange Nacht der Jazz-Musik

Drei Gruppen brachten bei der 16. Wermelskirchener Jazz-Night ganz unterschiedliche Genres zu Gehör. Knapp 100 Besucher hatten großen Spaß bei der dritten Auflage im Haus Eifgen.

Ein ganzer Abend voller Jazz, man konnte die einmal mehr gelungene Veranstaltung guten Gewissens und ohne zu übertreiben auch als große musikalische Wundertüte bezeichnen - serviert bekamen das die etwa 100 Gäste im Haus Eifgen den ganzen Freitagabend über. Die 16. Wermelskirchener Jazz Night, die nach der Zwangspause nun zum dritten Mal in Folge im Haus Eifgen ausgerichtet wurde, lockte mit drei Bands, die jede so gänzlich unterschiedliche Herangehensweisen an den Jazz boten, aber das Publikum alle auf ihre ganz eigene Weise hervorragend zu unterhalten wussten.

Das Konzept, mehrere Bands über einen ganzen Abend verteilt auftreten zu lassen, kam beim Publikum offensichtlich gut an. Denn auch am späten Abend war das Haus Eifgen noch gut besucht und so dürften sich alle Bands nicht nur über eine mit einer guten Stunde durchaus üppigen Spielzeit freuen, sondern auch über die entsprechenden Reaktionen des dankbaren und begeisterungsfähigen Publikums, das mit Zwischenapplaus genausowenig sparte, wie es auch nach den Songs lautstark klatschte.

Und auch Michael Dierks vom Veranstalter-Team war zufrieden: „Der Vorverkauf war zwar etwas schleppend, aber dass das Haus jetzt voll ist, ist umso schöner“, sagte Dierks. Den Anfang machten die Lokalmatadoren von „Satin Doll“, die zunächst in der Quintettbesetzung mit Schlagzeug, Klavier, Flügelhorn, Kontrabass und Gitarre auf die Bühne kamen. Viel Spaß an ihrem Spiel hatte die Herrenrunde ganz offensichtlich, die sich ganz dem so einfach anzuhörenden wie anspruchsvoll gespielten Jazz und Swing der 50er und 60er Jahre verschrieben hatte. Der ging leicht ins Ohr und sorgte mit eingängigen Melodien und munter wie ein Gebirgsbach vor sich hinperlenden Soli von Gitarre, Klavier und Flügelhorn automatisch für gute Stimmung im Publikum. Noch besser wurden Songs wie das flotte „Devil May Care“, das vor allem durch Diana Krall bekannt geworden war, oder „This Can‘t Be Love“ oder „I Wish You Love“ nicht zuletzt durch den hervorragenden Gesang von Valeria Laffin, die nicht nur bildhübsch anzusehen war, sondern mindestens ebenso schön sang.

Die zweite Band dieser langen Jazz-Nacht, die „Talking Horns“ unter anderem aus Köln und Insbruck, hatten sich einer ganz anderen Stilrichtung verschrieben: dem jazzigen Geschichtenerzählen als Bläserquartett. Die vier Musiker, Achim Fink, Andreas Gilgenberg, Bernd Winterschladen und Stephan Schulze, waren gut gelaunt unterwegs und servierten dem Publikum ganz und gar akustisches und unverstärktes Gebläse in Reinkultur. Und das in manchmal durchaus dem Modern Jazz zugehörigen Songs wie der Entenhausen-Hommage „Duck“ oder dem langen Song „Zwischenräume“. Die Stücke, die sich dahinter verbargen, waren jedoch alles andere als albern, sondern vielmehr komplexe und vielschichtige, bisweilen improvisierte und moderne Kompositionen für echte Jazz-Gourmets.

Wieder ganz anders war die Musik, die die Niederländerin Masha Bijlsma dann mit ihrer dreiköpfigen Band am späteren Abend präsentierte. Aber nicht minder großartig war die hochkarätige Mixtur, die die hervorragend besetzte Gruppe um die sympathische Blondine mit der kraftvollen Stimme im Angebot hatte. Unterstützt von Kontrabass, Schlagzeug und Klavier, spielte die mehrfach ausgezeichnete Sängerin ihre Variante des modernen Jazz und brillierte mit schlicht brillant vorgetragenen Songs wie „Talking To The Sun“ oder der wunderschönen Ballade „Soul Eyes“, wobei auf der einen Seite die furiosen Soli am Klavier beeindruckten, während der unheimlich dichte Rhythmusteppich von Bass und Schlagzeug die ideale Spielwiese für Bijlsmas bisweilen leicht rauchig-raue und dabei immer extrem ausdrucksstarke Stimme bildete. Bei der hier gebotenen Klasse, war es kein Wunder, dass das Publikum noch auch bis spät am Abend im Haus Eifgen geblieben war und bei dieser langen Nacht der Jazz-Musik zu keinem Zeitpunkt mit ausgiebigem Applaus sparte.

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