Wermelskirchen: Die Geduld der Anwohner ist erschöpft

Wermelskirchen : Die Geduld der Anwohner ist erschöpft

Ab Dienstag beginnen wieder die Lärmmessungen im Stadtgebiet. Die Audiomessgeräte stehen in Lüdorf und Halzenberg. Am Montag werden auch die Dialog-Displays für Motorradfahrer aufgestellt. Wirken die Schockplakate?

Lärm geht nicht nur auf die Nerven. Lärm macht krank. Das ist Fakt, und deshalb fragen sich Anwohner, die vom Motorradlärm besonders betroffen sind, warum an jedem schönen Tag gegen das Grundgesetz und gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen wird. Das Grundgesetz sichert allen Bürgern in Artikel 2 (2) "...das Recht auf körperliche Unversehrtheit" zu. Auch die Straßenverkehrsordnung regelt ganz klar in §1 (1): "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht". Ganz deutlich wird es in §1 (2): "... sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet...behindert oder belästigt wird".

Foto: Stadt

"Offenbar ist es ein ganz langer Weg, das in den Griff zu kriegen", sagt Günter Mikoleizig. Er ist Anwohner in Dhünn-Halzenberg und erlebte erst jüngst wieder die "Freiheit des Motorradfahrens" hautnah. Er will sich mit dieser Situation nicht abfinden und engagiert sich deshalb ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe "Motorradlärm Wermelskirchen". Auch Vertreter der Stadtverwaltung nehmen an dieser Arbeitsgruppe teil. Gemeinsam werden Lösungen und Maßnahmen gesucht, die Belastungen zumindest zu reduzieren.

In den Jahren 2016 und 2017 wurden an 17 Messpunkten im Stadtgebiet Untersuchungen durchgeführt - mit erschreckenden Ergebnissen: 40 bis 60 Prozent (je nach Messstelle) fahren zu schnell. Der Schallpegel der meisten Motorräder liegt zwischen 80 und 85 dB, in der Spitze auch bei 110 dB. Bei der Typgenehmigung von 2017 sollen 77 dB nicht überschritten werden. "Auch ohne Messungen kann man sagen, die Motorräder sind lauter geworden, und vor allem sind es mehr geworden", sagt Mikoleizig.

Die Anwohner in Halzenberg, in der Preyersmühle oder an der L 101 wollen diese Situation nicht mehr akzeptieren. "Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Gruppe sich auf Kosten aller auf den Straßen austobt", sagt Mikoleizig. Sie fordern Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrverbote, Streckensperrungen, zeitlich begrenzte Sperrungen und vor allem mehr Überwachung.

Doch Änderungen sind schwierig. Das weiß auch Florian Leßke, Leiter im Amt für Stadtentwicklung. "Sperrungen sind meist nur bei Unfallschwerpunkten durchsetzbar", sagt er.

Ihm ist aber wichtig, dass Vertreter der Stadt zusammen mit Bürgern dieses Thema angehen. "Je mehr Bürger mitmachen, je mehr Städte sich beteiligen und sich wehren, um so mehr Druck wird auf die Entscheidungsträger aufgebaut", sagt Leßke.

Information und Aufklärung ist derzeit ein Weg, um an die Motorradfahrer heranzukommen. So sind an der L 409 in Halzenberg/Haarhaus und an der L 101 in Dabringhausen zwischen den Einmündungen K 18 und K 15 sogenannte Schockplakate aufgestellt worden. In Halzenberg jedenfalls so ungünstig, dass es kaum registriert wird. Mit diesen Plakaten sollen Raser sensibilisiert werden, langsamer zu fahren. Ab Dienstag, 15. Mai, beginnt die dritte Lärmmessreihe mit den Seitenradargeräten. Sie endet im Oktober. Die ersten Messungen werden in Lüdorf und Halzenberg durchgeführt. Als Besonderheit werden die angekündigten Dialog-Displays aufgestellt. Das war als Maßnahme von Anwohnern, Motorradfahrer und Vertretern der Stadt in der Arbeitsgruppe "Motorradlärm" vorgeschlagen worden.

Auf den Dialog-Displays wird nicht nur auf die Geschwindigkeit hingewiesen - es gibt auch ein "Lob & Tadel"-Prinzip. Mit dem vorab durch den Leitpfosten gemessenen Audiowert wird bei einer Überschreitung des Schwellwertes das Feedback "Leiser" ausgewiesen.

Die Arbeitsgruppe "Motorradlärm" bereitet den nächsten Aktions- und Informationstag ein. Er findet am Sonntag, 17. Juni, ab 11 Uhr in Halzenberg statt.

(RP)