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Die Gedanken eines schwatzhaften Schutzengels

Theater in Wermelskirchen : Die Gedanken eines schwatzhaften Schutzengels

Im Film-Eck war am Donnerstagabend Constanze Marienfeld mit ihrem Ein-Personen-Stück „Soft Wings, Hard Work“ zu Gast. Die letzte Theateraufführung in diesem Jahr war nicht so gut besucht wie sonst.

Thea, eine Hamburger Deern, geboren 1907 in Altona, ist ein Engel. Genauer gesagt: ein Schutzengel. In ein hübsch-flatteriges Kleid gewandet und mit lilafarbenen Plüschflügeln auf dem Rücken angetan, betrat sie am Donnerstagabend die Bühne im Film-Eck, das bei der vorletzten Theateraufführung dieses Jahres nicht ganz so gut besucht war wie sonst. Ob das dem eher unbekannten Theaterstoff - gegeben wurde das Ein-Personen-Stück „Soft Wings, Hard Work“ von und mit Constanze Marienfeld - geschuldet war, oder doch den aktuell hohen Inzidenzzahlen, war unklar.

Die Gäste bekamen allerdings eine abwechslungsreiche und wirklich amüsante Theaterproduktion mit Gesangseinlagen präsentiert. Besagte Thea berichtete nämlich aus dem Alltag eines Schutzengels, der doch immer wieder die hoffnungslosen oder undankbaren Fälle auf den Schreibtisch bekam. Man bekam auch die Vorgeschichte zu hören - als sie als junges Mädchen die wilden Zwanziger erlebt und sich glücklich in ihren Theo verliebte. Den heiratete sie dann auch, ehe das junge Paar in „unseren glücklichsten Zeiten, die gleichzeitig die dunkelsten Zeiten unseres Landes waren“ nach Amerika auswanderte.

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Thea plapperte kokett kichernd und sichtlich in ihrer schönen Lebenserinnerung verhaftet, vor sich hin, nur unterbrochen von Gesangseinlagen. Und die waren klasse! Wenn sie etwa „My Funny Valentine“ aus dem Broadway-Musical „Babes In Arms“ stimmgewaltig intonierte, nur um direkt danach von einer Begegnung mit der großen Marlene Dietrich in einem Jazz-Club zu berichten, dann hatte das was Musicalartiges. Und so ließ Thea ihr großes Glück nach und nach für die Zuschauer lebendig werden - bis, eingeleitet von der Jazz-Ballade „Autumn Leaves“, das Unglück über sie hereinbrach in Form eines Autounfalls, bei dem sie verstarb.

Das war der Moment, in dem sie zum „Schutzengel in der Abteilung Einsatzprävention“ wurde. „Denn Theos letzte Worte an mich waren: Sei mein Engel und verlass mich nicht. Und so wurde ich zum Engel.“ Zu Theos Schutzengel, genauer gesagt. Was aber nur so lange gut ging, bis der sich neu verliebte - in Erika. Denn dann wurde aus dem Schutzengel ganz schnell ein kleiner, ständig giggelnder Alptraumengel. Wie vom leibhaftigen Pumuckl ausgeheckt, passierten Theo und Erika fortan lauter Missgeschicke, vom kaputten Herd über diverse Probleme bei der Arbeit bis zum Sturz Erikas in den Hudson River.

 Das alles wurde von Constanze Marienfeld so liebenswert und vor allem mit ansteckender guter Laune gespickt präsentiert, dass man im Publikum direkt mit ins Kichern einstieg. Was aber auch am Einfallsreichtum des Stücks lag, denn wenn Engel Thea im weiteren Verlauf zum Beispiel Station bei den Hippies in Kalifornien Halt oder bei den Beatles Station machte, um John Lennon dessen größten Hit „Imagine“ einzuflüstern. Am Ende waren Theo und Thea doch wieder im Himmel vereint. Engel waren eben auch nur Menschen.