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Die Familie feiert den Wahlsieger Tebroke

Der Favorit gewinnt im Rheinisch-Bergischen Kreis : Die Familie feiert den Wahlsieger Tebroke

Wermelskirchen wählt Hermann-Josef Tebroke. Kastriot Krasniqi und Christian Lindner folgen auf den weiteren Plätze. Maik Außendorf nur auf Platz vier. Das vorläufige Wahlergebnis steht nun fest.

Unter donnerndem Applaus stand kurz vor halb neun fest: Dr. Hermann Josef Tebroke zieht für weitere vier Jahre in den Bundestag ein. Mit Ehefrau Sabine an der Seite und flankiert von drei seiner vier Kinder nimmt Tebroke die ersten Gratulationen und den ersten Blumenstrauß von CDU-Kreischef Uwe Pakendorf entgegen. Der aufbrandende Jubel gefällt einer jedoch nicht: Lauthals schreiend verkündet Tebrokes Enkelin Josefine (sieben Monate) ihren Unmut über den Lärm. Der just gewählte Bundestagsabgeordnete grinst und sagt: „Ich könnte ihr jetzt etwas vorsingen, das mag sie und das beruhigt sie. Aber das wollen Sie sicher nicht hören“, sagt er lachend. Er freut sich sichtlich über sein persönliches Ergebnis, räumt aber gleich ein, dass das Bundesergebnis der CDU nicht zufriedenstellend ist.

„Ich hoffe jetzt aber darauf, dass wir auf Bundesebene eine Koalition bilden, die Weichen stellen kann und ich freue mich sehr darauf, den Rheinisch-Bergischen Kreis in Berlin zu vertreten.“ Schon im Vorfeld des Abends hatte Tebroke gesagt, dass es an der Zeit ist, darüber nachzudenken, wie die CDU neu ausgerichtet werden kann. „Ich denke, wir müssen thematisch klarer werden.“ Vor Ort sei die Partei zwar sehr präsent und aktiv gewesen, was sich am Ergebnis zeige, aber auf Bundesebene habe es zu viele Fauxpas gegeben, die den Wahlkampf schwierig gestaltet haben. Jetzt müsse die CDU stärker gemacht werden: „Wir müssen noch mehr auf die Menschen zugehen und mit ihnen reden. Wenn wir gemeinsam auftreten, können wir Vertrauen aufbauen.“

 Die Wermelskirchener Grünen (u.a. Conchita Finken 2.v.r.), auf der Wahlparty mit Maik Außendorf (r.).
Die Wermelskirchener Grünen (u.a. Conchita Finken 2.v.r.), auf der Wahlparty mit Maik Außendorf (r.). Foto: Grüne
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Ehefrau Sabrine Tebroke freut sich nach dem Ergebnis sichtlich für ihren Mann: „Es ist gut, dass er wieder für den Kreis nach Berlin geht. Vier Jahre sind zu kurz“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Den ganzen Wahltag über hätte sie ihren Mann nicht gesehen, weil dieser noch mit der CDU Brötchen verteilt habe in den Wahlkreisen. Was sie aus den vergangenen anstrengenden Wochen besonders gefreut habe? „Alle Kinder und Schwiegerkinder haben sich im Wahlkampf eingebracht. Und es ist ein schönes Gefühl, dass wir uns gemeinsam als Familie einbringen.“ Die kleine Josefine würde sich bestimmt auch noch daran gewöhnen, dass solche Veranstaltungen auch mal kurzfristig lauter werden, erzählt Hermann Josef Tebroke lächelnd. Dass sie jetzt Oma und Opa sind, findet Sabine Tebroke wunderbar: „Wie Königin Silvia einmal sagte: Enkel sind das Dessert des Lebens.“

Es ist sehr spannend an diesem Abend. Tebroke wie auch die übrigen Kandidaten tauchen nur kurz im Kreishaus auf, gehen dann aber auf die Wahlpartys ihrer Parteien. Erst, als ein Drittel der Stimmen im Rheinisch-Bergischen Kreis ausgezählt ist, gönnt sich Dr. Hermann-Josef Tebroke ein Reissdorf alkoholfrei im Bergischen Löwen in Bergisch Gladbach. Aktuell liegt er zu diesem Zeitpunkt vorne. „Es ist aber noch zu früh für den Sekt“, sagt er.

Dass er das Direktmandat wohl erhalten wird, sorgt schon früh für Freude bei der CDU. „Aber es ist auch ein weinendes Auge dabei, weil die Bundes-CDU das historisch schlechteste Ergebnis einfahren wird“, sagt Dr. Christian Klicki. Zusammen mit Ehefrau Nicole ist er aus Wermelskirchen in die Kreisstadt gefahren, um Tebroke zu gratulieren. Klicki sagt: „Wir können das Ergebnis für die Bundes-CDU nicht schönreden. Da müssen schnell Gespräche stattfinden, wie die Partei erneuert werden kann.“

SPD-Kandidat Kastriot Krasniqi ist gemeinsam mit den Landtagskandidatinnen Heike Engels und Tülay Durdu ins Kreishaus gekommen. Die ersten Prognosen verfolgt er im Anzug vor dem großen Bildschirm im Saal. Den Wahltag, sagt der 28-jährige Bergisch Gladbacher, habe er bisher „ganz ruhig“ verbracht. Vor der Wahl hatte sich der 28-Jährige klar gegen eine Große Koalition ausgesprochen. „Ich hoffe, dass die Briefwahlergebnisse noch so ausfallen, dass es am Ende noch zugunsten von Rot-Grün ausfällt“, sagt er.

Gegen 19.30 Uhr liegt er knapp hinter Tebroke. „Ich bin wirklich froh über das Ergebnis bis jetzt. So viel Unterschied zum ersten Platz ist da gar nicht mehr. Es ist auf jeden Fall noch offen“, sagt Krasniqi und zeigt sich optimistisch.

Gegen 19.15 Uhr ist Grünen-Direktkandidat Maik Außendorf zum ersten Mal vor dem Kreishaus. Mit blauem Sakko und Fahrradhelm. „Wir haben uns natürlich mehr erhofft, aber wenn man auf die Gewinne und die Verluste schaut, dann hatten wir auf jeden Fall am meisten Zuwachs und für meinen Listenplatz reicht es wahrscheinlich auch aus.“ Die Koffer hat der 50-Jährige schon gepackt. Direkt am Montag soll es nach Berlin gehen, zu einem Treffen zwischen der alten und der neuen Grünen-Fraktion im Bundestag. „Es wird für uns nun aber doch natürlich etwas schwieriger als gedacht, unsere grünen Ziele im Bundestag umzusetzen“, sagt er. Er hoffe nun, dass es im Bundestag für die Ampel-Koalition reicht.