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Wermelskirchen: Die Burger Straße führt Lärm-Hitliste an

Wermelskirchen : Die Burger Straße führt Lärm-Hitliste an

Die Stadt muss einen Lärmaktionsplan aufstellen. Darüber informierte die Verwaltung auf dem Lärmforum. Die Zuhörer waren eher enttäuscht: Sie wollten über ihre örtlichen Sorgen diskutieren und nicht über theoretische Rechenwerte.

Silke Koppetsch ist genervt. Schöne Frühlings-, Sommer- und Herbsttage sind für sie und ihre Familie ein Graus. Die Dhünnerin aus der Schulstraße nutzt seit vier Jahren nicht mehr ihren Garten. Der Grund: Der Lärm der vielen auswärtigen Motorräder, die besonders sonntags durch Dhünn knattern. Sie hat an einem Sonntag schon mal 426 (!) gezählt. In Neuenhaus liegt der Rekord bei 300 - in einer Stunde. Sie, aber auch viele andere Bürger setzten ihre Hoffnung am Donnerstagabend auf das erste Lärmforum der Stadt, denn Krad- und auch Lkw-Lärm in Wohngebieten sind ein drängendes Thema. Doch viele gingen nach zwei Stunden enttäuscht nach Hause. Der Lärmaktionsplan, der vorgestellt wurde, beschäftigt sich derzeit nur mit Hauptverkehrsstraßen. Motorräder sind da überhaupt kein Thema.

Das sorgte für Unmut, es reichte bis zu Beschimpfungen der Verwaltungsspitze. Moderatorin Vanessa Dähn und Referentin Antje Janßen (Ingenieurbüro LK-Argus) hatten es zeitweise schwer, die mitunter aufgebrachten Zuhörer - etwa 30 waren ins Bürgerzentrum zu kommen - zu mehr Sachlichkeit zu bemühen. Der Appell aus den Reihen der Betroffenen: Die Stadt sollte explizit zu einem runden Tisch zu den Krad- und Lkw-Problemen einladen.

Das Land schreibt den Kommunen vor, dass sie einen Lärmaktionsplan aufstellen müssen, nachdem das EU-Parlament 2002 die "Umgebungsrichtlinie" beschlossen hatte. Auf Zählungen aus dem Jahr 2010 bis 2012 - damals wurde an fünf Tagen gezählt - wurden die Verkehrsbelastungen hochgerechnet. Und zwar - für Wermelskirchen in der zweiten Stufe der Richtlinie - für die Hauptverkehrsstraßen mit über drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Also rund 8200 pro Tag. Das sind in Wermelskirchen nicht viele Straßen: Die A1, die Dellmannstraße, Teile der L101 (Dabringhausen) und der L 157 (Hünger).

Die Schwellenwerte für den Dauerlastpegel (keine singuläre Belastung) liegt im Tageswert bei 70 Dezibel (dB), in der Nacht bei 60 dB. Burger Straße, Bollinghausen, Wolfhagen, Belten und die Dabringhauser Straße haben hier die höchsten Lärmbelastungen; hieraus hat das Ingenieurbüro zehn Maßnahmenbereiche in Prioritäten (eins bis drei) eingestuft. Die Dabringhauser und die Burger Straße haben Priorität 1, die Landstraße 157 in Bollinghausen/Ostringhausen und Belten hat Priorität 2, und entlang der B51 (punktuell Tente) und der A1 (Wolfhagen) gilt die Priorität 3.

Eine Halbierung des Verkehrs bringt drei dB, lärmarmer Asphalt drei bis fünf dB, eine Temporeduzierung von 70 auf 50 km/h zwei dB , von 50 auf 30 km/h 2,5 dB Entlastung. Eine Lärmschutzwand, nahe an der Schallquelle, mindestens fünf dB. Das Ingenieurbüro wird auf dieser Basis den Politikern Vorschläge für die Hauptverkehrsstraßen - lärmarmer Asphalt, Tempo 30 und eine Verbesserung der Verkehrsführung wie auch Unterstützung alternativer Verkehrsmittel wie Rad oder Bus. Dass die Zuhörer Hintergrundinformationen bekamen, war wichtig. Doch sie wollten ihre Anliegen - eben die Probleme auch in den Wohnorten - behandelt wissen. Janßen machte deutlich, dass alle Probleme aufgenommen würden, aber wohl nicht in den aktuellen Lärmaktionsplan einflössen. Alle fünf Jahre würde dann der Plan fortgeschrieben und mit einer Zählung unterstützt. "Wichtig ist aber, langfristige Strategien zu entwickeln, und dazu werden auch Anregungen der Bürger benötigt", sagte die Verkehrsplanerin.

Die Teilnehmer konnten vorab ihre Problemfälle auf Karten notieren - Wolfhagen (ungeschützt dringt der Autobahnlärm in die Gärten), Preyermühle (Lkw- und Motorradlärm) und Dhünn (Motorradlärm) waren die Schwerpunkte der 27 Hinweise. Lärmmessung, Tempo 30 oder Blitzer wurden vorgeschlagen.

Extrem belastend ist der Lärm auch in Wohngebieten, in denen Industriegebiete angesiedelt sind. Hier wurde besonders die Situation in Kolfhausen als unerträglich beschrieben. Hier reagiere die Stadtverwaltung bei Beschwerden überhaupt nicht, hieß es. Anwohner - auch auf der Zufahrtsstraße zu Tente-Rollen, müssten mit Betriebslärm bis 1 Uhr und dann mit Lkw-Lärm ab 5.30 Uhr leben.

(RP)